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Handball-EM : Deutschland fliegt gut gelaunt nach Hause

  • -Aktualisiert am

Das Spiel gegen Russland wurde zum letzten Kraftakt für die Nationalmannschaft. Bild: dpa

Offiziell ging es im letzten Hauptrundenspiel der Nationalmannschaft um nichts mehr. Trotzdem gelingt der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason ein versöhnlicher Abschluss des Turniers.

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          Nur vier deutsche Spieler aus dem ursprünglichen Kader sind bei dieser Handball-EM  verschont geblieben von einer Corona-Infektion. Johannes Golla, Lukas Zerbe, Philipp Weber und Julian Köster. Eine besondere Widerstandsfähigkeit gegen das Virus oder wirkungsvolle Hausmittel brachte Golla nicht ins Spiel, als es am Dienstagabend um das „Warum“ ging: „Wir vier sind genesen, vielleicht liegt es daran, dass wir nichts hatten.“

          Handball-EM 2022

          Der Kapitän der Deutschen schob dann mit dem breitesten Grinsen nach, das man von ihm in diesen Tagen gesehen hat: „Naja, ich will mich nicht zu früh freuen. Warten wir mal die Tests ab.“ Am Mittwochmorgen vor dem Abflug sind die verbliebenen deutschen Spieler wieder dran; die Ergebnisse der nächsten und vorerst letzten PCR-Testung sollen bei der Landung in Frankfurt vorliegen.

          Dass die Stimmung am Abend gut war und an Bord  sein dürfte, lag am abschließenden 30:29-Sieg über Russland. Golla hatte im Dauereinsatz   und mit fünf Toren viel dazu beigetragen. Der DHB beendet das Turnier nun auf Rang sieben oder acht, und Golla, letzter Kreisläufer im Team, sagte: „Wir haben viel besseren Handball gespielt, als das, was jetzt als Ergebnis dasteht. In Sachen Teamspirit hat sich etwas entwickelt und wir fangen für kommende Turniere nicht wieder bei null an.“

          Gegen die Russen war von deutscher Seite wieder alles dabei. Zupackende Abwehrarbeit, haarsträubende Fehler. Drei Treffer gelangen Russland in 80 Sekunden nach der Pause, aus dem bequemen 16:12 wurde immer weniger. Deutschland war plötzlich von der Rolle, hatte die schöne Führung hergeschenkt und bekam wieder mal wenig Hilfe von den Torhütern. Vorn gab es Slapstickhaftes von Fabian Wiede und Philipp Weber zu bestaunen, David Schmidt stolperte, Paul Drux ließ den Ball liegen: So etwas sieht man etwa  bei Spanien nur sehr selten.

          Eine gnädige Zeitstrafe der montenegrinischen Schiedsrichter gegen Russland und ein feines Kempa-Tor Patrick Ziekers nach Pass Lukas Zerbes 40 Sekunden vor Schluss waren die Zutaten des sehr spät sichergestellten Sieges – eines Sieges, der den gebeutelten Deutschen sichtlich guttat.

          „Das dramatische Ende passt zu diesem Turnier. Wir haben uns heute für harte Wochen belohnt“, sagte Spielmacher Weber. Das galt insbesondere für Julian Köster. Der 21 Jahre alte Gummersbacher aus der zweiten Liga gehörte gegen Russland wieder zur Stammsieben, und es gibt kaum Gründe, das zukünftig anders zu machen.

          Handball-EM 2022

          Auch Bundestrainer Gislason wirkte, als falle einiges an Last von seinen Schultern. Er sagte: „Ich war jedes Mal traurig, wenn die Spieler erkrankten und nicht mehr spielen konnten. Ich war dann den Jungs extrem dankbar, die sich zur Verfügung gestellt haben. Es hat mir richtig Spaß gemacht, was die Mannschaft gezeigt hat. Und wenn ich daran denke, dass wir die Diskussion hatten, dass keiner mehr für Deutschland auflaufen will, habe ich komplett das Gegenteil erfahren.“ Er schaue zuversichtlich auf kommende Titelkämpfe: „Wir haben aus der Not sehr viel Positives geschaffen.“

          Handball-EM 2022

          Spanien und Schweden erreichen EM-Halbfinale

          Titelverteidiger Spanien hat als zweites Team das Halbfinale erreicht. Der Europameister mühte sich am Dienstag im abschließenden Hauptrundenspiel in Bratislava zu einem 28:27 (14:13) gegen Polen und qualifizierte sich damit zum sechsten Mal in Folge für die Medaillenspiele einer Europameisterschaft. Gegen wen die Spanier, die zum Auftakt der Hauptrunde die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) klar bezwungen hatten (29:23), in Budapest im Kampf um das Endspiel antreten, steht noch nicht fest.

          Aus der Parallelgruppe hatte sich Weltmeister Dänemark am Montag den Einzug in das Halbfinale gesichert. Rechtsaußen Ferran Sole war gegen Polen mit fünf Treffern der beste Werfer der Spanier. Spanien lag zwar fast die gesamte Spielzeit in Führung, musste gegen den Außenseiter vor 1432 Zuschauern aber bis zum Schluss alles in die Waagschale werfen. Den knappen Sieg rettete Torhüter Rodrigo Corrales mit einer spektakulären Doppelparade in der Schlussminute.

          Zwischen Schweden und Norwegen spielte sich ein wahres Drama ab: Nach einer denkwürdigen Schlussphase entschied der schwedische Rekordeuropameister die Partie 24:23 (9:14) für sich und löste das Ticket für die Medaillenspiele in Budapest. (sid)

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