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Bilanz nach EM 2020 : Der deutsche Handball ist beschädigt

Für Christian Prokop und die Deutschen steht nun die Olympia-Qualifikation auf dem Programm. Bild: Reuters

Ist das Handball-Team bei der EM gescheitert? Das wäre ein zu hartes Urteil. Dennoch kehren die Deutschen mit einigen offenen Fragen von der Dreiländerreise zurück. Und nun steht viel auf dem Spiel.

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          Der griffigste Handball wird derzeit nicht in Deutschland gespielt. Es gibt zu wenig individuelle Klasse und Abgebrühtheit auf höchstem Niveau, als dass Siege über Teams wie Spanien und Kroatien, die an diesem Sonntag (16.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und bei Eurosport) im EM-Finale stehen, Normalität sein könnten.

          Am Samstag reichte es nach dem 29:27 gegen Portugal zu Platz fünf für das deutsche Team. Die Nationalmannschaft ist, wie Bundestrainer Christian Prokop sagt, ein Produkt der Bundesliga, und dort geben bei den großen Klubs Spieler aus anderen Nationen den Ton an – so wie Domagoj Duvnjak und bald auch Sander Sagosen in Kiel. Das EM-Halbfinale anzustreben blieb aber auch nach den vielen Ausfällen richtig, sonst hätte man sich ein Ziel gleich ganz sparen können. Die Vorgabe barg indes angesichts der Umstände die Gefahr, hinterher als gescheitert dazustehen.

          Das wäre ein zu hartes Urteil. Dennoch kehrt der deutsche Handball beschädigt und mit offenen Fragen von seiner Dreiländerreise zurück. Beschädigt, weil die Debatte um Prokop, die ausgerechnet nach dem hauchdünnen 24:25 gegen Kroatien losbrach, für den Verband kein Ruhmesblatt war. Die Interpretation, wonach die Mannschaft gegen Österreich ihrem Trainer den Job retten musste, entsprang zwar einer unglücklichen Überlieferung eines Zitats von Bob Hanning, in jedem Fall aber hatte der Vizepräsident ohne Not den Druck auf den Trainer erhöht.

          Das Machtwort, das Sportvorstand Axel Kromer einen Tag später sprach, sollte Einigkeit demonstrieren, nährte aber auch die Vermutung, dass hinter den Kulissen um Rollen und Einfluss gerungen wird: Hanning tritt im nächsten Jahr ab, und es fällt auf, von wie vielen Seiten der schillernde Macher gerade unter Beschuss gerät. Da mögen alte Rechnungen im Spiel sein, im Fall von Frank Bohmann aber, dem Chef der Handball-Liga, steckt etwas anderes dahinter: die Sorge um ein einheitliches und professionelles Erscheinungsbild.

          Es steht viel auf dem Spiel für den deutschen Handball, wenn das Team im April zur Olympia-Qualifikation in Berlin antritt. Danach wird gewiss Bilanz gezogen, und zu den offenen Fragen gehört auch die, ob Prokop, den Hanning 2017 ins Amt holte, dort ein Team präsentiert, das auf Anhieb funktioniert. Einen Stotterstart wie bei der EM können sich die Deutschen dann nicht leisten. Prokop spricht so gern von Emotionen und Entwicklung, die aber ist kein Selbstzweck. Im April geht es darum, dass auch das Ergebnis stimmt.

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