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Topspiel beim AC Mailand : Ein Ronaldo reicht Juventus Turin nicht

Cristiano Ronaldo reicht nicht: Juventus schießt in der Liga zu wenige Tore. Bild: AFP

Neun Meistertitel in Serie gingen an Juventus Turin. Doch nun liegt die „Alte Dame“ vor dem Topspiel zehn Punkte hinter dem AC Mailand. Und die Aussichten vor dem „Endspiel“ sind alles andere als gut.

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          Gerade einmal zehn Tage dauerte die Winterpause in der Serie A. Der 15. Spieltag vom vergangenen Sonntag war der Auftakt zu einer englischen Woche, in der möglicherweise sogar eine Vorentscheidung im Ringen um den Scudetto der Spielzeit 2020/21. Ganz gewiss aber erleben die Tifosi derzeit einen aufregenden Kampf an der Tabellenspitze. Ihre Führungsposition vom Jahreswechsel haben die beiden Mailänder Klubs am Sonntag behauptet, mit dem AC Milan an der Spitze und Inter nur einen Punkt dahinter. Besonders eindrucksvoll fiel der Beweis der Stärke bei Milan aus, das an diesem Mittwoch (20.45 Uhr bei DAZN) auf Meister Juventus trifft: Auch nach dem Platzverweis für das Mittelfeldtalent Sandro Tonali nach einer halben Stunde schien Milans 2:0-Sieg beim starken Aufsteiger Benevento Calcio kaum je gefährdet.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Obwohl der Anführer Zlatan Ibrahimovic seit Wochen wegen einer Muskelverletzung fehlt, zeigt sich das junge Team, von Trainer Stefano Pioli glänzend eingestellt, spielfreudig und durchsetzungsstark. Spieler wie der Portugiese Rafael Leão, dem am Sonntag das fabelhafte zweite Tor gelang, und der Belgier Alexis Saelemaekers, aber auch der Norweger Jens Petter Hauge und der Spanier Brahim Díaz (alle Jahrgang 1999) haben sich ganz offensichtlich vom unstillbaren Erfolgshunger des Zlatan Ibrahimovic (Jahrgang 1981) anstecken lassen. Trainer Pioli lobte nach dem Sieg in Benevento den großen Abwesenden in höchsten Tönen. Die Ankunft Ibrahimovics vor einem Jahr sei „ein Geschenk Gottes“ gewesen, sagte Pioli.

          Aber auch der Verfolger gab sich keine Blöße. Angeführt vom Belgier Romelu Lukaku deklassierte Inter unter „Trainergeneral“ Antonio Conte den Aufsteiger und Tabellenletzten Crotone mit 6:2. Lukakus argentinischer Adjutant Lautaro Martínez traf dreimal, Lukaku einmal. Bei der drittplazierten AS Roma sorgte wieder einmal der bosnische Mittelstürmer Edin Dzeko mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Sampdoria Genua dafür, dass man auch in der Hauptstadt noch Titelträume hegen darf.

          Und Meister Juventus? Kann sich wie immer auf seinen sagenhaft zuverlässigen Superstar Cristiano Ronaldo verlassen. Beim 4:1 gegen Udinese Calcio schoss der Portugiese zwei unnachahmliche Tore selbst und legte das erste für den 23 Jahre jungen Federico Chiesa auf, der immer besser in Form kommt. Auch Ronaldo hat einen argentinischen Adjutanten, Paolo Dybala, und auch der traf am Sonntag, wenn auch nur in der Nachspielzeit zum eher bedeutungsarmen vierten Tor. Und doch wurde er hernach von Trainer Andrea Pirlo so innig geherzt, als habe er eine Großleistung vollbracht. „Wir brauchen Dybala, und er braucht uns“, erklärte er.

          Ronaldos verlässlicher Helfer

          Pirlo weiß, dass Ronaldo im Sturm verlässliche Unterstützung braucht: Eine Quote von bisher 1,3 Toren pro Ligaspiel kann man selbst von einem Überfußballer wie Ronaldo, inzwischen immerhin 35 Jahre alt, nicht für die Dauer einer ganzen Saison erwarten. Für die soeben eröffnete Transferperiode hat Pirlo, der in seinem ersten Trainerjahr in Turin mindestens die Meisterschaft gewinnen muss und gerne auch einen europäischen Titel erringen darf, bei der Vereinsführung deshalb einen Wunschzettel mit mindestens einem weiteren Stürmer abgegeben. Doch selbst beim Krösus Juventus ist – wie bei allen Klubs der Serie A – nach dem Pandemiejahr 2020 das Geld knapp.

          Derzeit hat Juventus, bei einem ausgetragenen Spiel weniger, zehn Punkte Rückstand auf den AC Milan. Verlöre der Meister am Mittwoch das „Endspiel“ in Mailand, dann wäre der Traum vom zehnten Scudetto in Serie wohl ausgeträumt. Dann wäre für Trainer Pirlo die erste Saison als Trainer von Juventus vielleicht auch schon die letzte und die seit nunmehr einem Jahrzehnt dauernde Vorherrschaft der Fußball-Hauptstadt Turin vorüber.

          In Mailand muss Pirlo neben dem verletzten Álvaro Morata, nach Ronaldo Juves zweitbester Torschütze, auch noch auf Alex Sandro verzichten und den. Der brasilianische Linksverteidiger, beim Spiel gegen Udinese vom Sonntag 83 Minuten auf dem Feld, wurde nach leichten Covid-19-Symptomen am Montag positiv auf das Coronavirus getestet und befindet sich seither in Quarantäne. Gemäß Hygiene- und Sicherheitsprotokoll sind das gesamte Team und der Betreuerstab, ebenfalls seit Montag, in der „Blase“ auf dem Trainingsgelände. Von dort sollen alle am Mittwoch direkt nach Mailand fahren – vorausgesetzt, es gibt bis dahin beim Corona-Test aller Spieler und Betreuer keine weiteren positiven Testergebnisse.

          Der AC Milan blieb vor dem Topspiel nicht verschont. So wurde der ehemalige Frankfurter Bundesliga-Stürmer Ante Rebic positiv auf Corona getestet und fehlt. Wie die Mailänder mitteilten, wurde auch beim Mittelfeldspieler Rade Krunic das Virus nachgewiesen. Das Duo, das derzeit keine Symptome zeige, befinde sich in häuslicher Isolation. Alle anderen Teammitglieder seien negativ getestet worden und stehen bereit für das Duell mit der „Alten Dame“ Juve.

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