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Reaktionen auf WM-Bericht : „Ein völliges Versagen im DFB“

  • Aktualisiert am

Wie geht es weiter beim DFB in der WM-2006-Affäre? Bild: dpa

Beweise für einen Stimmenkauf vor der WM 2006 gibt es nicht. Dennoch übt die aktuelle DFB-Führung Kritik am Verhalten der alten Verantwortlichen. Und der designierte DFB-Präsident stellt eine Forderung.

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          Der Deutsche Fußball-Bund hat den früheren Präsidenten Theo Zwanziger und den ehemaligen Schatzmeister Horst R. Schmidt im Zuge der Affäre um die WM 2006 indirekt angegriffen. „Der DFB hat zehn Millionen Schweizer Franken an eine dem Einflussbereich Mohamed bin Hammams zuzurechnende Firma in Doha gezahlt“, sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch am Freitag in Frankfurt. Es sei ein Zahlungsvorgang, der „zehn Jahre verheimlicht, zehn Monate beschönigt“ und eigentlich in „zehn Sekunden zu erklären“ gewesen sei.

          Laut Ermittlungsbericht der vom DFB beauftragten Kanzlei Freshfields zahlte der Verband am 27. April 2005 6,7 Millionen Euro mit dem falschen Verwendungszweck „Kostenbeteiligung OK an FIFA Football Gala“ an den Weltverband. Die Überweisung wurde von Schmidt und Zwanziger freigezeichnet. Es habe weder im Organisationskomitee noch im DFB eine formale Beschlussgrundlage gegeben, sagte Koch. „Es ist ein völliges Versagen der internen DFB-Kontrollgremien. Das darf sich auf keinen Umständen wiederholen.“ Es sei aktuell aber nicht der Zeitpunkt über personelle Konsequenzen zu reden, erklärte Koch.

          Der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel fordert als Konsequenz aus dem Sommermärchen-Skandal eine umfassende Reform der Kontrollmechanismen beim Deutschen Fußball-Bund. Wie der derzeitige Schatzmeister betonte, werde er sich für die Einführung einer unabhängigen Ethikkommission beim Deutschen Fußball-Bund einsetzen. Zudem müsse der DFB eine Abteilung für gute Unternehmensführung (Compliance) einrichten. Im Falle einer deutschen Bewerbung für die EM 2024 müsse das Organisationskomitee von diesen Gremien kontrolliert werden.

          DFB-Interimschef Reinhard Rauball bezeichnete es als Pflicht des DFB, Vertrauen und Glaubwürdigkeit wieder herzustellen. „Keine Institution in Deutschland hat eine solche Strahlkraft, wenn sie denn funktioniert“, sagte Rauball. Nach seinen Erkenntnissen werde sich auch die Fifa-Ethikkommission mit den Ergebnissen des Freshfields-Berichts zur WM-Vergabe 2006 an Deutschland befassen.



          Der Fußball-Weltverband Fifa sieht sich auch nach den Ermittlungsergebnissen zur WM-Affäre beim DFB weiter als „geschädigte Partei“. Die Erkenntnisse der internen Aufarbeitung des Sommermärchen-Skandals beim Deutschen Fußball-Bund sollen in die laufenden Untersuchungen der Korruptionsaffären bei der Fifa einfließen, wie der Dachverband am Freitag mitteilte.

          Die Fifa begrüßte den Report der Kanzlei Freshfields. Der DFB hätte dafür Informationen vom Weltverband erhalten und im Gegenzug hilfreiche Erkenntnisse an die Fifa weitergeleitet. „Dennoch sind noch viele Fragen offen“, stellte die Fifa fest. Die Ermittlungen der Fifa seien behindert worden, weil wichtige Zeugen nicht bereit waren, Fragen zu beantworten oder Dokumente vorzulegen. Die Fifa versicherte, weiter mit den Behörden in der Schweiz und in Deutschland zusammenarbeiten zu wollen.

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          Was bisher geschah : Die Chronologie der WM-2006-Affäre

          Die Bundesanwaltschaft der Schweiz (BA) hat die Veröffentlichung des Freshfields-Berichts kritisiert. Die Behörde halte fest, „dass die Publikation solcher Berichte die Kollusionsgefahr (Verdunklungsgefahr) erhöht, was die BA sehr bedauert“, teilte ein Sprecher am Freitagabend auf Anfrage mit. Die Schweizer sehen offensichtlich ihre Ermittlungen dadurch gefährdet, dass der Deutsche Fußball-Bund den Bericht der von ihnen eingesetzten Ermittler der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer am Freitag komplett veröffentlichte.

          Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte nach einem Rechtshilfeersuchen der Kollegen der Frankfurter Staatsanwaltschaft zuletzt ebenfalls Ermittlungen eingeleitet. In nächster Zeit sollen Vernehmungen zusammen mit den deutschen Ermittlern in der Schweiz stattfinden.

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