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Klose als Praktikant bei Löw : Ein Lehrling mit Torriecher für das DFB-Team

Künftig Seit an Seit auf der Trainerbank: Joachim Löw und Miroslav Klose Bild: AP

Miroslav Klose beendet seine Karriere und geht im Trainerstab von Joachim Löw in die Ausbildung. Davon soll auch schon bald die Nationalmannschaft profitieren.

          Auf den Riecher von Miroslav Klose konnte sich Fußball-Deutschland immer verlassen. Selbst bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr. Sicher, Klose war da längst schon Nationalstürmer a.D. Aber worauf es ankommen könnte in dem Turnier, das schien er zu erschnuppern, noch bevor der erste Ball gerollt war. Klose nämlich setzte seine Sturmhoffnungen für das deutsche Team in Frankreich auf jemanden, der da noch in zweiter Reihe stand: Mario Gomez.

          „Ich weiß, wie gut er ist“, sagte Klose in einem Interview. Vier Wochen später waren dann nicht nur Laien und Hobby-Experten schlauer, sondern auch Joachim Löw. Der Bundestrainer hatte zuerst auf Mario Götze gesetzt und dann noch recht lange und hartnäckig behauptet, dass es eigentlich keine Rolle spiele, welcher der beiden Marios die Position des Stürmers einnehme. Das Ende ist bekannt, es war Gomez, der im Halbfinale gegen Frankreich schmerzlich vermisst wurde.

          Untrüglicher Instinkt

          Natürlich war Kloses Votum pro Gomez nie und nimmer als Kritik an Götze und dessen Fähigkeiten gemeint; dazu ist er viel zu sehr Teamplayer, einer, der diesen Gedanken schon in sich trug, als noch lange keine Dämmerung der Alpha-Männer-Ära in Sicht war. Wenn es aber so ist, dass der ehemalige Weltklasse-Stürmer seinen untrüglichen Instinkt, sein Auge für Räume und Gelegenheiten nicht nur höchstselbst auf dem Fußballplatz zu nutzen versteht, sondern auch von erhöhter Warte, als Beobachter und Trainer – dann haben der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Joachim Löw mit Klose, dem Hobby-Angler, einen kapitalen Fang gemacht.

          Und selbst wenn sich das so nicht ganz bewahrheitet, ist es immer noch eine sehr gute und vielversprechende Nachricht, dass einer wie er, der von ganz oben kommt, bereit ist, noch einmal von vorn anzufangen – als Azubi. Das war zuletzt nicht unbedingt der Weg, den die Großen und Größten des deutschen Volkssports gegangen sind, ist ja nicht jedermanns Sache, nach einer aufreibenden und einträglichen Laufbahn noch einmal in die Lehre zu gehen. Aber zu Klose passt er.

          Als er nach dem WM-Finale von Rio, seinem 137. Länderspiel, zurücktrat, verlor der deutsche Fußball seinen Rekordschützen und komplettesten Stürmer. Jetzt hat er ihn in neuer Rolle wieder. Der Achtunddreißigjährige, so teilte der DFB am Dienstag mit, werde ein „individuelles Ausbildungs- und Traineeprogramm absolvieren mit dem klaren Ziel, die Trainerlaufbahn einzuschlagen“. Konkret wird Klose sowohl „fester Bestandteil“ im Stab der A-Nationalmannschaft sein, als auch „ausgewählte Maßnahmen im U-Bereich begleiten“. Zugleich geht damit die aktive Karriere zu Ende, die ihn von der SG Blaubach-Diedelkopf über die Bundesliga-Stationen Kaiserslautern, Bremen und München zuletzt nach Rom geführt hatte. Das ultimative Arrivederci hatte Klose noch offengelassen, nachdem sein Vertrag bei Lazio im Sommer ausgelaufen war.

          Wirklich überraschend kommt die Neuorientierung nicht. Klose hat schon seit einiger Zeit mit einem Wechsel auf den Trainerstuhl geliebäugelt, und dass sein Verhältnis zur Nationalmannschaft und zu Löw ein besonderes ist, war ebenfalls kein Geheimnis, die beiden pflegten auch nach Kloses Rücktritt ihren Kontakt. „Ein Spiel zu lesen, mich akribisch vorzubereiten, Strategien und Taktiken zu entwickeln – das hat mich schon als Spieler sehr gereizt und beschäftigt“, sagte er nun. Und dass er Löw und Sportdirektor Hansi Flick, der viel von praxisnaher Expertise hält, „sehr dankbar“ sei.

          Schon in der kommenden Woche geht es los, Klose wird dabei sein, wenn das Nationalteam am Mittwoch nach San Marino aufbricht, wo am Freitag das letzte WM-Qualifikationsspiel (20.45 Uhr / live bei RTL und im Länderspielticker auf FAZ.NET) des Jahres auf dem Programm steht. Der Jahresabschluss dann, am Dienstag darauf im San Siro von Mailand gegen Italien, wird gewiss ein ganz besonderer Moment für Klose, dem in Italien vielleicht mehr noch als auf seinen vorherigen Stationen höchster Respekt für eine Berufsauffassung und einen Sportsgeist entgegengebracht wurde, wie man das nur noch selten erlebt.

          Überhaupt war Klose gerade in seinen letzten Karriere-Jahren ein überparteiliches Phänomen, eine deutsche Marke, die aufs Engste mit dem Nationaltrikot verbunden war. Und das nicht nur in der Wahrnehmung des Publikums, sondern auch in den Augen der Kollegen, generationenübergreifend. „Er ist ein Vorbild als Mensch und Sportler, der dem Team und dem Erfolg alles unterordnet“, sagte der Bundestrainer, der den Heimkehrer gewiss sehr herzlich empfangen wird: „Ich bin sicher, dass wir Trainer genauso wie die Spieler sehr von seiner Anwesenheit und Mitwirkung profitieren werden.“

          Wie er als Trainer sein werde, hat Klose im Übrigen auch schon einmal verraten. Nämlich „wie der Spieler Klose“. Was in der Stürmersprache nichts anderes bedeuten würde als: ein Volltreffer.

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