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Frauenfußball-Bundesliga : Keine Rapinoe in Sicht

Hoffen auf mehr Strahlkraft: Titelverteidiger VfL Wolfsburg ist wieder Meisterschaftsfavorit. Bild: Picture-Alliance

Die Fußball-Bundesliga der Frauen startet in ihre 30. Saison. Es wird wieder einen Zweikampf zwischen Wolfsburg und München um den Titel geben. Aufbruchstimmung ist bislang nicht zu verorten.

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          Am Freitagabend gibt es ausnahmsweise Glamour rund um ein Spiel der Fußball-Bundesliga der Frauen. Am Stadion am Brentanobad ist ein Vip-Zelt errichtet worden vor dem Auftaktspiel zwischen dem FFC Frankfurt und Turbine Potsdam (18.30 Uhr/Eurosport). Offizieller Anlass ist die Rückschau auf 30 Jahre Bundesliga. Tatsächlich aber ist die kleine Gala wohl dem Gefühl geschuldet, dass etwas geschehen muss in der seit Jahren bei einem Zuschauerschnitt von knapp 1000 Zuschauern stagnierenden Liga. „Nachdem alles ein wenig dahingeplätschert ist, müssen wir wieder auf den Weg nach vorne kommen“, sagt FFC-Investor Siegfried Dietrich.

          Nach der aus deutscher Sicht enttäuschenden WM ist der Druck auf die Liga weiter gestiegen. Statt eines WM-Schubs, den sich die Klubs nach jedem der in der Vergangenheit so oft erfolgreichen Turniere erhofft haben, droht in diesem Jahr abermals Langeweile: Die Dominanz des VfL Wolfsburg, zuletzt dreimal in Serie Double-Gewinner, und dessen einzigem Herausforderer Bayern München droht nach den Transfers des Sommers noch ausgeprägter zu sein als in den Vorjahren. „Wenn Bayern oder wir nicht die ersten beiden Plätze belegen, dann hat einer dieser Klubs sehr gravierende Fehler gemacht“, sagt Wolfsburgs Sportdirektor Ralf Kellermann.

          Die Liga hat zudem einen weiteren Aderlass an herausragenden Akteurinnen zu verkraften. Deutsche Nationalspielerinnen wie Sara Däbritz (Paris Saint Germain) oder Leonie Maier (Manchester United) oder auch ausländische Stars wie die Norwegerin Caroline Hansen (Barcelona) glauben offenkundig derzeit eher an die Entwicklung in den ausländischen Topligen in England, Frankreich oder Spanien als in Deutschland. „Wir schauen genau hin, was in England passiert. Die Premier-League-Klubs, die sich dort stark engagieren, sehen einen Mehrwert für ihre strategische Ausrichtung“, sagt Heike Ullrich. Die seit 24 Jahren in unterschiedlichen Funktionen für die Frauenfußball-Bundesliga zuständige DFB-Direktorin mahnt aber auch, die Bundesliga nicht voreilig abzuschreiben. „Ich denke, dass wir weiter den breitesten Wettbewerb der europäischen Ligen haben. Und dann wollen wir auch mal sehen, was unsere ins Ausland gewechselten Spielerinnen nach einem halben Jahr aus den unterschiedlichen Ligen berichten. Aber was dort passiert, ist auf jeden Fall Ansporn für uns.“

          Missglückte Kampagne

          Kritiker sagen freilich, dass der neu erwachte Tatendrang im DFB ein wenig spät kommt. Der Verband habe die Entwicklung seit Jahren verschlafen, während die Vereine bei ihren Auslandsreisen schon lange festgestellt hätten, was in Europa geschehe. Verärgerung herrscht zudem aus hausgemachten Gründen: Vergangene Woche sorgte eine Social-Media-Kampagne für Negativschlagzeilen. Der Verband warb im Stil von Vermisstenanzeigen für den Auftakt der Bundesligasaison. Nach F.A.Z.-Informationen ohne professionelle Beratung, ohne Absprache mit den Klubs oder dem neuen Ligasponsor Flyeralarm.

          Die allein im Verband mit heißer Nadel gestrickte Kampagne hat fahrlässig Gefühle von Menschen verletzt, die tatsächlich jemanden vermissen. In der Bundesliga wunderte man sich nun, dass die für die Frauenfußball-Bundesliga zuständige Direktorin Heike Ullrich bei ihrer Entschuldigung für die missglückte Kampagne darauf verwiesen hat, dass alle Vereine eingebunden gewesen seien. Nach Informationen dieser Zeitung erhielten die Klubs aber erst am Vorabend Kenntnis vom Inhalt der Kampagne. Auf eine Erklärung für den Fauxpas warten die Vereine bislang vergebens.

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