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Ermittlungen im Fifa-Skandal : Lynch kündigt weitere Verhaftungen an

Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber und die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch. Bild: AFP

Der nächste Gong im Fifa-Skandal: Nach Angaben der amerikanischen Justizministerin müssen weitere Funktionäre mit Anklagen rechnen. Der Druck auf die Organisation des Weltfußballs steigt.

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          Das Renaissance-Hotel in Zürich war am Montagnachmittag der sicherste Platz der Schweiz. Erst nach einer aufwendigen Akkreditierung und intensiver Beschnüffelung durch vierbeinige Sprengstoffexperten durfte eine gute Hundertschaft von Journalisten in den großen Konferenzsaal im ersten Stock. Dort äußerten sich die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch und der Schweizer Generalbundesanwalt Michael Lauber erstmals gemeinsam zu den Ermittlungen rund um die Korruptionsaffäre des Internationalen Fußballverbandes (Fifa).

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sechs Kilometer Luftlinie von der Verbandszentrale auf dem Zürichberg entfernt, erklärte Lynch, dass man die Ermittlungen ausgeweitet habe und inzwischen über neue Beweise verfüge. „Wir werden weitere Anklagen gegen Personen und Organisationen erheben.“ Die Ministerin, die zugleich auch Generalbundesanwältin ist, kündige „eine neue Runde von Verhaftungen“ an, nannte aber keine Namen. Auf die Frage, ob dem Fifa-Präsidenten Joseph Blatter die Verhaftung drohe, wollte sie nicht antworten. „Ich kann hier keine Information zu möglichen Reiseplänen von Herrn Blatter geben“, fügte sie scherzhaft hinzu.

          Auf Geheiß des amerikanischen Justizministeriums hatte die Polizei Ende Mai sieben Fußballfunktionäre in Zürich festgenommen. Sie und sieben weitere Personen stehen unter dem Verdacht, Bestechungsgelder von mehr als 100 Millionen Dollar angenommen zu haben. Das Geld soll von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gezahlt worden sein. Als Gegenleistung hätten die Unternehmen Medien-, Vermarktungs- und Sponsoring-Rechte an Turnieren auf dem amerikanischen Kontinent erhalten.

          Parallel zu diesem Verfahren ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft. Sie vermutet, dass es bei der Vergabe der Fußballweltmeisterschaften nach Russland (2018) und Qatar (2022) zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Dahinter steht der Verdacht auf Untreue und Geldwäsche. Dieses Verfahren richtet sich bisher noch gegen Unbekannt.

          „Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen“: Rechtsprofessor Mark Pieth.

          Der Schweizer Generalbundesanwalt Lauber wunderte sich darüber, dass bisher von keinem der Länder, aus denen die Verdächtigten stammten, Rechtshilfeersuchen eingegangen seien. Seine Behörde habe Bankkonten gesperrt und Ferienwohnungen beschlagnahmt. Letztere eigneten sich ebenfalls zur Geldwäsche. Von Banken seien bisher 121 Geldwäschemeldungen eingegangen. Angesichts eines Datenbergs von elf Terabyte seien die Untersuchungen noch weit von der Halbzeitpause entfernt.

          Von den sieben verhafteten Fußballfunktionären sitzen noch sechs in Gefängnissen des Kantons Zürich in Auslieferungshaft. Das Bundesamt für Justiz muss nun entscheiden, ob sie an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden. Als einziger Häftling hatte sich Jeffrey Webb für eine vereinfachte Auslieferung entschieden. Der ehemalige Fifa-Vizepräsident von den Kaimaninseln wurde Mitte Juli in die Vereinigten Staaten überstellt. Laut Anklageschrift soll Webb, der einst als möglicher Nachfolger von Blatter galt, mehr als drei Millionen Dollar Schmiergelder erhalten haben.

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          Seit die amerikanische Justiz die Ermittlungen gegen Fußballfunktionäre und auch ehemalige Fifa-Vorstände aufgenommen hat, steigt der Druck auf die Organisation des Weltfußballs. Mit ihrem Auftritt in Zürich wollte Loretta Lynch den Fifa-Funktionären zeigen, wer in dieser Sache am längeren Hebel sitzt. Schon Ende Juli hatten die Rechtsberater der Fifa, hochkarätige Anwälte der Kanzlei Quinn Emanuel, den Fifa-Funktionären in deutlichen Worten dargelegt, welche Konsequenzen Nichtkooperation und weiteres Fehlverhalten haben könnten.

          Alle Gremiumsmitglieder sind persönlich haftend. Sollten der Fifa aufgrund von Betrug, Bestechung oder durch fahrlässiges Unterlassen seiner Funktionäre Schaden entstanden sein, riskieren Vorstände straf- und zivilrechtliche Klagen. Der frühere Reformbeauftragte der Fifa, Mark Pieth, glaubt, dass in jedem Fall gegen Fifa-Chef Joseph Blatter strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen werden. „Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen“, sagte der Schweizer Rechtsprofessor und Anti-Korruptions-Experte am Montag.

          Am Wochenende hatten neue Vorwürfe gegen Blatter für Wirbel gesorgt. Nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens soll der im Februar aus dem Amt scheidende Schweizer vor zehn Jahren TV-Übertragungsrechte zu einem bemerkenswert niedrigen Preis einem Beschuldigten in der Affäre, dem früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner aus der Karibik, verkauft haben.

          Dieser soll im Gegenzug Blatter bei mehreren Wahlen Stimmen verschafft haben. Blatter behauptet stets, er sei niemals korrupt gewesen. Michael Lauber sagte, die Unterlagen zu dem jüngsten Vorwurf lägen seit Sonntag auch seiner Behörde vor. Zu möglichen Konsequenzen äußerte er sich nicht. Auch die von der Fifa engagierte Kanzlei Quinn Emanuel sucht beim Weltverband nach strafrechtlich relevanten Vergehen in der Vergangenheit.

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