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VfB-Trainer Tayfun Korkut : „Ich hoffe grundsätzlich nicht“

  • -Aktualisiert am

Fünf Siege und drei Unentschieden: Trainer Tayfun Korkut legt in Stuttgart eine gute Bilanz hin. Bild: EPA

Beim VfB Stuttgart kann Tayfun Korkut mit fünf Siegen und drei Remis eine beachtliche Bilanz aufweisen. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Druck, Schutzmechanismen – und warum die Arbeit eines Fußballlehrers nicht immer korrekt beurteilt wird.

          Vor etwa einer Woche haben Sie Ihren 44. Geburtstag gefeiert. Haben Ihre Spieler bei dieser Gelegenheit an Sie gedacht?

          Mein Geburtstag fiel auf einen trainingsfreien Tag. Glückwünsche von der Mannschaft gab es natürlich. Aber keine Feier oder Ähnliches. Ich trenne bewusst Privates von Beruflichem.

          An diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) geht es in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund. Der VfB Stuttgart steht in der Tabelle gut da, manche wagen sogar den Blick in Richtung der Europa-League-Plätze. Hoffen Sie dann in Dortmund auf ein Geschenk Ihres Teams?

          Ich hoffe grundsätzlich nicht. Wenn wir beginnen zu hoffen, sind wir nicht auf dem richtigen Weg. Wir werden uns sehr gut vorbereiten auf das Spiel. Und dann geht es rein um das Ergebnis.

          Bei Ihrer Vorstellung als neuer VfB-Trainer wirkten Sie vor all den Fotografen und Medienvertretern ein wenig nervös. Waren Sie aus der Übung?

          Der Eindruck täuscht komplett. Hinter den Kulissen haben unser Präsident Wolfgang Dietrich und der Sportvorstand Michael Reschke immer eine große Ruhe ausgestrahlt. Ich habe innerhalb des Klubs von allen Seiten großes Vertrauen gespürt.

          Vor allem unter den Fans herrschte die Auffassung, Sie seien nicht geeignet für den Trainerposten beim VfB Stuttgart. Es gab große Kritik. Hat Sie das wirklich völlig kalt gelassen?

          Ich bin seit 1995 im Profigeschäft, seit meinem Wechsel als Spieler zu Fenerbahçe Istanbul. In diesen mehr als 20 Jahren, als Spieler und danach als Trainer bei verschiedenen Vereinen, war ich oft starkem Druck ausgesetzt. Als Spieler bei großen Vereinen, wo nur Siege gezählt haben. Oder als Trainer, beispielsweise in Hannover, wo ich eine Mannschaft, die gegen den Abstieg gespielt hat, wieder aufrichten musste. Oder in Leverkusen, wo ich eine sehr gute Mannschaft, die eigentlich um die Champions League spielen sollte, zurück in den sicheren Hafen bringen musste. Oder in Kaiserslautern, als ich eine komplett neue Mannschaft aufbauen musste. Die Erfahrungen, die man dabei sammelt, sind durch nichts zu ersetzen. Man muss lernen, mit diesem Druck umzugehen. Und sich auf das zu fokussieren, was man beeinflussen kann.

          Sie haben diesen Druck, den Sie, wie Sie sagen, zweifelsohne verspürten, nicht öffentlich gemacht. Wie stehen Sie dazu, wenn Spieler so etwas tun?

          Jeder sollte seine Meinung so kundtun, wie er möchte. Aber egal, ob Per Mertesacker oder andere Spieler, die sich diesbezüglich in jüngster Zeit geäußert haben: Letztlich haben es doch alle geschafft, sie alle sind äußerst erfolgreich durch ihre Karriere gekommen. Ich glaube, dass dieser Druck zu unserem Beruf gehört. Dass man dafür Schutzmechanismen aufbauen sollte und lernen muss, den Druck für sich zu regulieren. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.

          Können die Spieler des VfB auf einen geschulten Ansprechpartner in diesen Zusammenhängen zurückgreifen?

          Ja, wir haben mit Philipp Laux einen Sportpsychologen in unserem Stab, der selbst in der Bundesliga gespielt hat und sich um diese Themen kümmert.

          Finden Sie es dennoch nicht bemerkenswert, dass sich gleich mehrere Spieler sehr kritisch zur Drucksituation im Leistungssport geäußert haben?

          Es haben sich jetzt zwei, drei Spieler so geäußert. Und das waren Spieler, die auf absolutem Topniveau spielen oder gespielt haben. Und auf dieser Ebene geht es nur um eins: Titel. Und da gehört Druck ohnehin dazu. Und jeder Spieler nimmt diesen Druck unterschiedlich wahr.

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