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Kritik an Jürgen Klinsmann : „Das ist charakterlich so daneben“

  • Aktualisiert am

Für viele unverständlich: Jürgen Klinsmann gibt als Trainer in Berlin auf. Bild: dpa

Nach dem Rücktritt des früheren Bundestrainers bei Hertha BSC hagelt es Kritik aus allen Richtungen. Derweil ist eine Personalentscheidung in Berlin bereits getroffen. Und Jürgen Klinsmann äußert sich nochmal.

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          Die Kritik an Jürgen Klinsmann nach dem überraschenden Rücktritt als Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC reißt nicht ab. Frühere Akteure des Hauptstadtklubs werfen dem früheren Bundestrainer charakterliche Schwächen und Unglaubwürdigkeit vor. „Jürgen Klinsmann wollte zu viel zu schnell. Ich glaube, er hat auch ein bisschen die Hierarchie in der Mannschaft zerhackt“, sagte der frühere Stürmer Axel Kruse dem rbb. Dass Klinsmann „charakterlich so daneben liegt, einfach die Flinte ins Korn schmeißt und sagt ‚Ich geh jetzt mal nach Kalifornien, das war's jetzt für mich‘“, habe Manager Michael Preetz nicht wissen können.

          „Für Chaos gesorgt“

          Klinsmann war am Dienstag völlig überraschend nach nur elf Wochen von seinem Amt als Cheftrainer bei den Berlinern zurückgetreten. „Der Trainer hat natürlich für ein Chaos gesorgt, was es im deutschen Fußball in der Bundesliga noch nie gegeben hat“, sagte der frühere Hertha-Coach Peter Neururer bei RTL/ntv. „Er hat auf dem Transfermarkt zugeschlagen wie kein anderer in ganz Deutschland und hat dann zwei Wochen später gesagt „ich spüre das Vertrauen nicht“. Unglaubwürdiger in der Auftrittsweise eines Trainers kann man nicht sein.“

          Durch den plötzlichen Rücktritt wird es Klinsmann aus Sicht von Lothar Matthäus derweil deutlich schwieriger haben, noch einen anderen Verein als Trainer zu finden. „Der Name Klinsmann“ sei bei deutschen Klubs „wahrscheinlich eine Schublade tiefer gerutscht“, sagte Rekord-Nationalspieler Matthäus über seinen früheren Mitspieler beim Pay-TV-Sender Sky. Es würde jetzt „schwierig“ für Klinsmann.

          „Ich dachte, er ist von den USA rübergekommen nach Berlin, weil er weiß, dass da was bei der Hertha dahintersteckt. Finanziell, meine ich. Sonst hätte er das doch nicht gemacht“, meinte der frühere Hertha-Trainer Jürgen Röber bei t-online.de. „Ich finde das total schade. Hertha und Klinsmann, das passte irgendwie. Das, was er sagte, löste in Berlin einen kleinen Hype aus. Da geht jetzt die Post ab, dachte ich.“

          Torwarttrainer Petry zurück

          Nach dem Rücktritt Klinsmann ist unterdessen Torwarttrainer Zsolt Petry zur Profimannschaft zurückgekehrt. Der 53-Jährige wird „ab sofort“ wieder diese Position im Trainerteam einnehmen, wie der Berliner Bundesligaverein am Mittwoch mitteilte. Der bisherige Torwarttrainer Max Steinborn werde zur U23 zurückkehren, die Profis aber weiterhin unterstützen.

          Klinsmann hatte bei seinem Amtsantritt Ende November übergangsweise bis Jahresende Bundestorwarttrainer Andreas Köpke nach Berlin geholt und Petry aus seinem Trainerteam gestrichen. Auch nach dem Ende von Köpkes Zeit bei Hertha war Petry nicht zu den Profis zurückgekehrt.

          Klinsmann selbst hat seinen überraschenden Schritt auch mit seinem Wunsch nach größeren Kompetenzen erklärt. „Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer – nach dem englischen Modell – die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power“, sagte der frühere Bundestrainer der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Bei Hertha ist Geschäftsführer Preetz für Transfers zuständig.

          Weiter im Aufsichtsrat?

          Sein Entschluss, nach nur elf Wochen zurückzutreten, sei keine spontane Entscheidung gewesen, sagte Klinsmann: „Wir haben in den vergangenen Tagen deutliche Reaktionen und Anzeichen bekommen, dass sich die angesprochene Situation nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert.“ Er werde Berlin verlassen, aber weiter als sportlicher Berater der Firma Tennor von Investor Lars Windhorst tätig sein und auch seinen Posten als Aufsichtsratsmitglied ausfüllen. „Es geht um die Zukunft von Hertha BSC und Berlin. Wie geht es weiter mit den Stadionplänen? Kommt ein vorzeigbares Trainingsgelände? Eine zweite Mannschaft, die in der 3. Liga dabei ist? Ein Profi-Team, das eine dauerhafte Rolle in Europa spielt“, sagte Klinsmann.

          Seine sportliche Bilanz mit Hertha sieht der 55-Jährige positiv. „Ich habe ein Himmelfahrtskommando übernommen und habe nur in einem Spiel schlechter abgeschnitten als gehofft“, sagte Klinsmann. „Dem Trainerteam ist gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren und von der Abstiegszone wegzubringen. Ich bin sicher, die Jungs schaffen den Klassenerhalt. Und zwar souverän.“ Als Tabellen-14. stecken die Berliner weiter im Kampf um den Klassenverbleib.

          Über die Zukunft von Klinsmann als Aufsichtsratsmitglied scheint entgegen der Aussagen des zurückgetretenen Trainers indes noch keine endgültige Entscheidung gefallen zu sein. Die offene Frage der Rückkehr in das Gremium soll geklärt werden, wenn sich die Wogen geglättet haben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld von Investor Windhorst am Mittwoch.

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