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Reaktion auf Corona-Beschlüsse : „Würfeln die eigentlich?“

  • -Aktualisiert am

„Es ist bitter, dass die Mehrheit der MPK-Teilnehmer nach zwei Jahren nur an Verbote denkt“: Hans-Joachim Watzke Bild: dpa

Der Profisport ist von den Ergebnissen der Ministerpräsidentenkonferenz enttäuscht. Nur Bayern schert nach den Beschlüssen aus. Borussia Dortmund dagegen plant eine Klage.

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          Die Pandemie hat eine Menge seltsame Blüten getrieben während der vergangenen beiden Jahre. Zuvor schwer vorstellbare Einschränkungen wurden beschlossen und mussten irgendwie gelebt werden, auch der professionelle Fußball litt. Aber die Bundesliga erhielt immer viel Aufmerksamkeit und auch einige Freiheiten. Dass irgendwann der Moment kommen würde, an dem die Funktionäre sich mit guten Argumenten als Opfer darstellen würden, ist daher ziemlich überraschend.

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          Doch am Montag hat Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, als Reaktion auf die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit recht drastischen Worten darüber geklagt, dass keine Lockerungen beschlossen wurden und die Zuschauerkapazitäten massiv beschränkt bleiben. In Nordrhein-Westfalen dürfen weiterhin nur 750 Menschen in die Stadien kommen, es ist grau, kalt und trostlos in den Betonschüsseln.

          Also sagte Watzke einen Satz, der das Befinden in den Klubs, Verbänden aber auch in den Fangemeinden ganz gut beschreibt: „Es wurde immer geklagt, der Fußball bekomme in Deutschland Sonderrechte“, sagte Watzke und stellte fest: „Das Gegenteil ist gerade der Fall. Der Fußball wird zum Opfer von Symbolpolitik.“ Ganz besonders in NRW.

          Angst vor enthemmten Bildern

          Selbst in Bayern, wo in der Vergangenheit immer besonders rigoros eingeschränkt wurde, sind in den Stadien ab sofort wieder bis zu 10.000 Menschen oder 25 Prozent Auslastung erlaubt. In Berlin sind es 3000, und in Hamburg, wo die Zuschauerkapazität der Partien des FC St. Pauli und des HSV auf 2000 beschränkt bleibt, ist die gleiche Anzahl Menschen in der Elbphilharmonie zugelassen, die aber mit 2100 Besuchern auch voll besetzt wäre. „Das ist rational nicht mehr erklärbar“, sagte Alexander Wehrle, der Finanz-Geschäftsführer des 1. FC Köln, am Montag auf einer Veranstaltung und fragte sich sarkastisch: „Würfeln die eigentlich?“

          Tatsächlich entsteht der Eindruck, dass hinter den Entscheidungen keine rationale Gefahrenabwägung mehr steckt, sondern der Wunsch, Botschaften ins Land zu senden: Omikron mag nicht so gefährlich sein wie Delta, aber wir müssen weiter vorsichtig bleiben. Die Angst vor der enthemmenden Wirkung der Bilder von singenden Massen im Stadion sitzt offenkundig tief, seit jenem Wochenende Ende November, als 50.000 Zuschauer beim Derby des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach ein großes und zugleich unvernünftig wirkendendes Fußballfest feierten.

          Am Tag zuvor war erstmals in einer breiten Öffentlichkeit über Omikron berichtet worden, allen war klar, dass der Besuch eines vollen Stadions ein großes Privileg ist und vielleicht nicht mehr lange möglich sein würde. Dennoch wurde die Aufforderung, Masken zu tragen, von Tausenden ignoriert. Eine Woche lang ließen die Moderatoren der Talkshows genussvoll die Bilder aus Müngersdorf einspielen und empörte Gäste über die Verantwortungslosigkeit der Fans, der Fußballfunktionäre und der zuständigen Politiker schimpfen.

          Besonders angesprochen durfte sich Hendrik Wüst fühlen, der Ministerpräsident von NRW, der das Amt erst vier Wochen zuvor von Armin Laschet übernommen hatte. Nun ist Wüst vorsichtig, und sein CDU-Parteikollege Watzke zürnt: „Es ist bitter, dass die Mehrheit der Teilnehmer der MPK nach zwei Jahren nur an Verbote denkt und nicht auch an ein Mindestmaß an Möglichkeiten und logischen Entscheidungen. Das ist nicht verhältnismäßig, das ist auch keine Wissenschaft, das versteht kein Mensch mehr.“ Nicht nur im Fußball regt sich Widerstand gegen die neuen alten Regeln, auch die Funktionäre anderer Sportarten sehen die Unsicherheit bei den Corona-Regeln als Problem an.

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