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Eintracht-Profi André Silva : Plötzlich ein anderer

  • -Aktualisiert am

Mittendrin statt nur dabei: André Silva blüht bei der Eintracht auf. Bild: dpa

Vor der Winterpause urteilte Trainer Adi Hütter gnadenlos offen über André Silva. Der einst von Ronaldo hochgelobte Stürmer schien in der Sackgasse. Doch seit dem Tor gegen Leipzig wächst beim Stürmer das Zutrauen.

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          Die Bundesliga spricht von Robert Lewandowski und von Timo Werner, wenn die besten Stürmer abgehandelt werden und seit neuestem natürlich vom norwegischen Wunderkind Erling Haaland. Es fiele niemandem ein, André Silva zu nennen. Wieso auch? Der Portugiese im Trikot der Frankfurter Eintracht hat gerade erst den Weg zurück in die Stammformation seiner Mannschaft gefunden und seine Ausbeute von vier Toren in zwölf Bundesligaeinsätzen stellt nichts Außergewöhnliches dar. Aber wenn es um das Potential geht, um die fußballerischen Möglichkeiten, dann muss Silva den Vergleich mit den großen der Branche nicht scheuen. Das ist jedenfalls die Meinung von Cristiano Ronaldo: „Wenn ich einmal zurücktrete, wird Portugal in guten Händen sein, denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden: André Silva“, sagte der Weltstar über seinen Landsmann im Sommer 2017.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Damals, mit 21, stand Silva im prallen Sonnenlicht: jung, gutaussehend, erfolgreich, Torjäger des FC Porto und der Nationalmannschaft. Für 35 Millionen Euro wechselte er zum AC Mailand, um die Fußball-Welt aus den Angeln zu heben. Das alles sollte man sich vor Augen führen, um nachzuvollziehen, was in Silva zum Jahresende 2019 in Frankfurt vorging.

          Wolken waren schon vorher aufgezogen. Der AC Mailand – nicht so recht zufrieden mit ihm – lieh ihn an den FC Sevilla aus. Und auch in Spanien vermochte der Portugiese nicht vollends zu überzeugen. Als er nach Mailand zurückkehrte, spürte er weiterhin kein rechtes Vertrauen und willigte in den Last-Minute-Tausch mit Ante Rebic ein. In der Hoffnung, bei der Eintracht reichlich Spielpraxis zu erhalten und darüber seine Treffsicherheit wiederzuerlangen, um nach diesem kleinen Umweg seine Laufbahn wieder zum Funkeln zu bringen. Aber was passierte? Nach einem Blitzstart und drei Toren in vier Begegnungen wurde es richtig dunkel um ihn.

          In der Winterpause kam die Einsicht

          Erst brachten ihn Beschwerden an der Achillessehne aus dem Spiel und dann völlig aus dem Rhythmus. Bis zum Ende der Winterpause brachte er es nur noch auf einen Startelfeinsatz. „Er besitzt gerade nicht den Level, den wir uns vorgestellt haben“, fällte Trainer Adi Hütter im Dezember ein gnadenlos offenes Urteil. Es bezog sich auf Athletik und Durchsetzungsvermögen sowie auf Laufbereitschaft und Defensivarbeit. Silva kam einfach nicht am Gegner vorbei oder (im Pressing) an ihn heran. Sein Können blitzte sekundenweise auf, als er Paciência gegen die Bayern das fünfte Tor auflegte, als er in Paderborn Dosts 1:2 mit einem Lupfer auf Ndicka einleitete. Aber Silva benötigte ein bisschen Extrazeit, ein bisschen Extraraum, um konstruktiv zu werden, der einem Profi in der Bundesliga vom Gegner kaum einmal zugestanden wird. „Portugiesen sind halt manchmal so, dass sie so ein bisschen mit dem Ball spielen wollen. Wenn du in der Bundesliga aber nicht richtig arbeitest und anläufst, wird es schwer“, beschrieb Hütter den Silva Ende 2019.

          Befreiendes Tor: André Silva verwandelt den Elfmeter gegen Leipzig.

          Irgendwann in der Winterpause kam dem Portugiesen die Einsicht, dass spielerische Lösungen allein den Glamour-Faktor seiner Karriere nicht zurückbringen würden. Als er am dritten Rückrundenspieltag in Düsseldorf zur zweiten Halbzeit seinen Landsmann Gonçalo Paciência ersetzen durfte, präsentierte sich der 24-Jährige in einer ganz anderen körperlichen Verfassung. Silva vermochte das grausame Frankfurter Spiel gegen die Fortuna zwar auch nicht maßgeblich zu verbessern, aber er gewann einige Zweikämpfe, und er plazierte den Freistoß zum 1:1 auf Chandlers Kopf. Hütter berief ihn drei Tage später im Pokalspiel gegen Leipzig in seine erste Elf. Als es galt, einen Handelfmeter zum 1:0 zu nutzen, trat der Portugiese selbstbewusst an und erledigte den Job.

          Seit diesem Tor ist Silva ein anderer. Der Stürmer fand das Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und den Glauben an den Lohn durch harte Schweißarbeit. Noch immer gelingt ihm nicht jede Aktion, noch immer verliert er Zweikämpfe. Aber Silva ist nun ein ernstzunehmender Gegner, mit einer annehmbaren Erfolgsquote und großer Frustrationstoleranz. „Ich denke, dass jetzt der Knopf aufgegangen ist und er verstanden hat, dass er auf dem Platz arbeiten muss“, lobte Hütter nach dem 5:0 über Augsburg, zu dem Silva wiederum ein Tor beigetragen hatte. Der Stürmer bestätigt das: „Ich fühle mich sehr gut, mental und physisch bin ich jetzt in bester Verfassung. Ich will weiter hart arbeiten und die nächsten Spiele weiter so performen.“ Sollte das so sein, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Silva nicht nur gute Spiele, sondern auch große Momente liefern wird. Das Können dazu besitzt er.

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