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DFL-Präsident Rauball : Ein Abgang ohne Wehmut

  • -Aktualisiert am

Eine runde Sache: Unter Präsident Reinhard Rauball ist die Bundesliga ökonomisch gewachsen. Bild: dpa

Reinhard Rauball geht nach zwölf Jahren an der Spitze der DFL. Seine Amtszeit ist verknüpft mit einer Erfolgsgeschichte der Bundesliga. Mit Eigenlob aber will sich der „kleine Doktor“ partout nicht schmücken.

          Über seine zwölf Jahre als Präsident der Deutschen Fußball-Liga e. V. (DFL) spricht Reinhard Rauball wie ein Notar über eine Beurkundung. Von Berufs wegen als Dortmunder Rechtsanwalt und Notar der Sache verpflichtet, versagt er seiner Erfolgsbilanz den Hauch einer emotionalen Unterfütterung. Nüchtern, sachlich, leidenschaftslos referierte der 72 Jahre alte Doktor der Rechtswissenschaft vor ein paar Tagen in einem Dortmunder Hotel über seine Zeit an der Spitze der DFL, die an diesem Mittwoch bei der Berliner Generalversammlung des Dachverbandes des deutschen Profifußballs zu Ende geht.

          Der viermal einstimmig gewählte Präsident einer Gemeinschaft mit nicht immer einheitlichen Interessen hinterlässt einen Spitzenplatz, der nicht mehr besetzt wird. Statt eines gewählten Präsidenten wird in Zukunft Christian Seifert, seit 14 Jahren Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL GmbH, erster Sprecher des neugewählten DFL-Präsidiums sein. Er war Rauballs engster Vertrauter in der Zeit, in der die beiden die in der Deutschen Fußball-Liga heimische Erste und Zweite Bundesliga zu ökonomisch erfolgreichen Aushängeschildern des deutschen Fußballs gemacht haben. Mit Eigenlob aber wollte sich der „kleine Doktor“, wie sie den Präsidenten von Borussia Dortmund seit seiner ersten von drei BVB-Amtszeiten (1979 bis 1982, 1984 bis 1986, 2004 bis heute) in seiner Heimatstadt nennen, partout nicht schmücken.

          Befragt zu seinen Emotionen im Angesicht des nahenden Abschieds, ließ er sich nicht in die Seele schauen. „Ich bin der Auffassung, dass man diese Dinge in einer solchen Position nicht nach außen tragen sollte.“ Er gehe an diesem Mittwoch ohne Wehmut und glaube auch nicht, dass er die „schöne Zeit“ als Vormann der DFL, die er im großen Ganzen genossen hat, „vermissen werde“. Schließlich hat Rauball, den die Vollversammlung zum Ehrenpräsidenten der DFL berufen wird, seinen Rückzug schon im vergangenen September angekündigt und mit dem von ihm und Seifert initiierten Wunsch nach einer Strukturreform innerhalb der Gremienarbeit verknüpft. Folgerichtig sagt der in der niedersächsischen Stadt Northeim geborene Rauball heute: „Es war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich kann damit sehr gut leben und weiß mit meiner Zeit auch was anzufangen.“

          Seine Amtszeit ist verknüpft mit einer Erfolgsgeschichte der Bundesliga, deren Gesamtumsatz von 1,93 Milliarden Euro in seiner ersten Präsidentensaison auf inzwischen 4,4 Milliarden Euro wuchs. „Bei der ganzen Entwicklung und den hohen Zuschauerzahlen – den höchsten aller europäischen Ligen – sehe ich keine Entfremdung“, sagt Rauball, der den Profifußball auf einem Stammplatz „in der Mitte der Gesellschaft“ sieht.

          Auch darum hat der Mittler zwischen manchmal widerstrebenden Interessen viele Jahre gekämpft. Bei komplexen Themen wie der 50+1-Regelung, dem Thema Kostenbeteiligung der Liga an Polizeieinsätzen bei Risikospielen oder der Verhandlung der Grundlagenverträge zwischen DFB und DFL hat Rauball stets Geschick bewiesen. In schweren Momenten wie den Pariser Anschlägen am 13. November 2015, als auch das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland zur Zielscheibe von Terroristen wurde, hat er sich als umsichtiger Delegationsleiter bewährt. Und so gut wie immer hat es der scheidende DFL-Präsident geschafft, bei den Abstimmungen über die wichtigen Fragen für den deutschen Profifußball ein einstimmiges Meinungsbild herbeizuführen. Das war ihm sehr wichtig, „denn bei Mehrheitsentscheidungen ist die Gefahr groß, dass Verlierer produziert werden“.

          Reich bemessen wird die Zeit zwischen seinen juristischen Verpflichtungen und seinen Zusatzaufgaben im Sport auch in Zukunft nicht sein. Der noch immer begeisterte Fußball- und Tennisspieler („Ich habe immer zwei gepackte Sporttaschen im Auto.“) bleibt nach Lage der Dinge für drei weitere Jahre Präsident seines Herzensklubs Borussia Dortmund, der für ihn „die höchste emotionale Kraft außerhalb meiner Privatsphäre“ besitzt, und ist dazu in weiteren Funktionen ehrenamtlich gefragt. Dazu führt er, bereits zum zweiten Mal, den Deutschen Fußball-Bund bis zum 27. September kommissarisch an der Seite seines Vizepräsidentenkollegen Rainer Koch als Präsident, ehe Fritz Keller, noch Präsident des SC Freiburg, in Frankfurt zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden dürfte.

          Watzke kandidiert nicht für DFL-Präsidium und Aufsichtsrat

          Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vom Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund zieht bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur seine Kandidaturen für die Wahlen des neuen Präsidiums und Aufsichtsrats zurück. Watzke reagiert damit auf die sich abzeichnenden Machtverhältnisse zugunsten der kleineren Vereine und und dem wachsenden Einfluss des „Teams Mittelstand“, dem Clubs wie Hertha BSC, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, Eintracht Frankfurt oder Werder Bremen angehören. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Watzke-Verzicht berichtet. Die DFL wählt am Mittwoch ihr neues Präsidium. Ligapräsident Reinhard Rauball (72) scheidet nach zwölf Jahren aus. Einen Nachfolger im klassischen Sinne wird es nicht geben, da das Amt im Zuge der im Juni beschlossenen Strukturreform abgeschafft wird. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Christian Seifert (50), wird künftig auch „Sprecher des DFL-Präsidiums“ sein. Als stellvertretender Präsidiumssprecher soll der Schalker Peter Peters gewählt werden. (dpa)

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