https://www.faz.net/-gtm-8mcvr

BVB-Torwart Roman Bürki : Ein Rückhalt für die Draufgänger

  • -Aktualisiert am

Roman Bürki Bild: Reuters

Von der Unsicherheit des Vorjahres ist bei Roman Bürki nichts mehr zu sehen. Der BVB-Torhüter überzeugt mit Taten – und entlockt vor dem Spitzenspiel gegen Hertha am Abend sogar seinem Trainer ein Lob.

          3 Min.

          Bei Borussia Dortmund reden alle über den großen Umbruch, über neue etablierte Kräfte wie André Schürrle und Mario Götze, über junge Himmelsstürmer wie Ousmane Dembélé und Raphaël Guerreiro - über Fußballprofis also, die dem Spiel des BVB Flügel verleihen, Struktur und Tempo. Die Anhänger sprechen über den zuweilen mitreißenden Angriffsfußball und auch über die Fehler, die sich beim Abwehrverhalten einschleichen. Aber das ist nicht alles, was auffällt, wenn die Borussen versuchen, ihre Position als Bayern-Verfolger mit Leben zu füllen, etwa an diesem Freitagabend (Anstoß: 20.30 Uhr) im Heimspiel gegen den Bundesliga-Zweiten Hertha BSC Berlin. Auch ganz hinten hat sich etwas getan. Es ist immer noch Roman Bürki, der dort seinen Job macht. Aber ist das noch derselbe Spieler wie in der vergangenen Saison?

          Vergleicht man den aktuellen Bürki mit dem des Vorjahres, können Zweifel aufkommen. In seiner ersten Dortmunder Spielzeit wirkte er nicht immer souverän und wurde zuweilen sogar zum Unsicherheitsfaktor. Cheftrainer Thomas Tuchel und Sportdirektor Michael Zorc sahen sich so manches Mal gezwungen gegenzusteuern, wenn Bürki in die Kritik geriet. Mit Beginn dieser Saison hat sich einiges geändert. Der Fünfundzwanzigjährige wirkt wie befreit, verglichen mit dem ersten Eindruck geradezu unbeschwert.

          Das Gefühl der klaren Nummer eins

          Inzwischen verkörpert Bürki ziemlich genau das, was Tuchel von Anfang an in ihm gesehen hat: einen sicheren Rückhalt, der auch mal komplizierte Situationen entschärft, in denen gegnerische Fans den Torschrei schon auf den Lippen haben. So wie beim 5:1 in Wolfsburg – einer Partie, die trotz deutlicher BVB-Führung hätte kippen können, wenn Bürki sich nicht so reaktionsschnell, so zupackend, so nervenstark gezeigt hätte. „Er ist im Sommer mit der Ausstrahlung eines großen Selbstvertrauens zu uns zurückgekommen, das macht ein paar Prozentpunkte aus, die man manchmal gar nicht beschreiben kann“, sagt Tuchel. Es komme ihm vor, als habe Bürki „nicht mehr das Gefühl, der Torwart von Freiburg zu sein, der jetzt beim BVB ist, sondern Dortmunds klare Nummer eins“.

          Was für eine Wandlung im Vergleich zu dem Mann, der anfangs Zweifel weckte, ob er dem neuen Arbeitsplatz, den immensen Ansprüchen und dem langen Schatten seines Vorgängers gewachsen sein würde. Vom damaligen Bundesliga-Absteiger SC Freiburg gekommen, hatte Bürki einen schweren Start erwischt in Dortmund, wo alles größer, unberechenbarer wirkte als im badischen Fußball-Biotop. Zwar hatte er sich als Favorit des Trainers in einem angeblich offenen Konkurrenzkampf gegen den langjährigen Stammtorhüter Roman Weidenfeller durchgesetzt. Aber Bürki strahlte nicht die Souveränität, nicht die Sicherheit und auch nicht die Strafraum- und Körperbeherrschung aus, die man von ihm kannte, kurzum, nicht die Eigenschaften, mit denen er in Freiburg den Eindruck erweckt hatte, eines Tages ein nahezu kompletter Torwart werden zu können.

          Nachdem er die BVB-Ikone Weidenfeller verdrängt hatte, wirkte Bürki wie jemand, der auf dem Fußballplatz sein inneres Gleichgewicht sucht und sich dabei unter Druck fühlt. Es dauerte eine Weile, bis es Bürki im Laufe der Rückrunde gelang, zurechtzukommen mit diesem auch selbstauferlegten Druck. Dabei half ihm vor allem die Geduld, die sein Vorgesetzter aufbrachte. Während in der Öffentlichkeit die Frage aufkam, ob es nicht besser gewesen wäre, den Generationswechsel noch ein wenig aufzuschieben, ließ Tuchel auch nach schwächeren Leistungen keine Torwartdiskussion zu, sondern sprach seinem Günstling das Vertrauen aus. Der Fußballlehrer sieht sich bestätigt. Aufgrund der schwierigen Anfangsphase habe Bürki „an Persönlichkeit gewonnen“, sagt er.

          Neue Arbeitsteilung für die Torhüter

          Das schlägt sich auch in der veränderten Arbeitsteilung im Tor nieder. Bürki ist nicht mehr nur in der Bundesliga gesetzt, sondern bestreitet auch die Spiele in der Champions League. Weidenfeller bleibt nur noch der DFB-Pokal; in der vergangenen Saison hatte der Routinier sich noch mit den internationalen Spielen – allerdings in der Europa League - über seine Rückstufung hinwegtrösten können. Bürkis holpriger Start hatte aber auch ganz praktische Gründe. „In Freiburg konnte ich einen Fehler im selben oder in einem anderen Spiel durch drei, vier Glanzparaden wiedergutmachen“, sagt er. „Das ist in Dortmund anders. Hier habe ich viel weniger Arbeit.“

          In dieser Saison haftet Bürkis Torwartspiel wieder etwas Selbstverständliches an, beinahe so, als hätte der Schweizer mit einem Update diverse Sicherheitslücken geschlossen. Mittlerweile ist er es, der anderen auf dem Platz ein gutes Gefühl gibt. Davon profitieren nicht nur seine unmittelbaren Vorderleute in der Abwehr, sondern auch die jungen Spieler, die auf dem Weg nach vorn gern ein Risiko eingehen. Sie stürmen elegant und schnell, aber manchmal ein wenig zu wild und verspielt drauflos und vernachlässigen dabei gewisse Spielregeln und Gesetze des geordneten Offensivspiels - offenbar auch in dem Bewusstsein, dass im eigenen Tor jemand steht, der schwer zu bezwingen ist. Insofern sei Bürki derzeit „die Versicherung der Gesetzlosen“, schreibt die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und zitiert in diesem Zusammenhang Tuchel, den Mann also, der besonders viel Wert darauf legt, dass die Spieler seine Fußballgesetze einhalten. „Ich bin so glücklich über die Entwicklung von Roman, explizit seit der Sommerpause.“

          Weitere Themen

          Die Eintracht begeistert wieder

          3:0 gegen Leverkusen : Die Eintracht begeistert wieder

          In einer mitreißenden Partie bezwingen die Frankfurter Leverkusen 3:0. Die Tore erzielen Paciencia und Dost. Rönnow hält den Sieg fest. Bayer verpasst die Tabellenführung.

          Wachsen im Verborgenen

          Handball in Hannover-Burgdorf : Wachsen im Verborgenen

          Die „Mission Understatement“ läuft bestens. Die Handballer aus Hannover-Burgdorf sind die Senkrechtstarter der Saison. An diesem Donnerstag könnten sie ihren Vorsprung an der Tabellenspitze ausbauen.

          Topmeldungen

          Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten, spricht bei einer Wahlkampfkundgebung im Lake Charles Civic Center.

          Amerika : Vereinzelte Republikaner wenden sich gegen Trump

          Einzelne Republikaner erwägen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump zu unterstützen. Die Mehrheit steht nach wie vor hinter ihrem Präsidenten und will das auch mit einer offiziellen Abstimmung bestätigen.
          Der britische Premierminister Boris Johnson steht beim EU-Gipfel in Brüssel im Zentrum.

          Europäische Union : Britisches Parlament stimmt über Brexit-Vertrag ab

          Stimmt das britische Unterhaus heute für den Vertrag, den Premierminister Boris Johnson mit der EU ausgehandelt hat, wird Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten. EU-Kommissar Günther Oettinger schließt weitere Verhandlungen aus, sollte es nicht zu einer Einigung kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.