https://www.faz.net/-gtm-9f6y8

Letzter der Bundesliga : Stuttgart entlässt Trainer Korkut am Telefon

  • Aktualisiert am

Aus in Stuttgart: Trainer Tayfun Korkut muss gehen. Bild: dpa

Vergangene Saison führte er den VfB fast noch in die Europa League. Nach dem tiefen Fall auf den letzten Bundesliga-Platz muss Trainer Tayfun gehen – obwohl der Klub ihm am Vorabend noch das Vertrauen ausspricht.

          2 Min.

          Vom Sinneswandel seines Chefs erfuhr Tayfun Korkut am Sonntagmorgen am Telefon. Kurz nach der 1:3-Niederlage des VfB Stuttgart bei Hannover 96 hatte VfB-Sportvorstand Michael Reschke seinem Trainer in Interviews trotz des Absturzes auf den letzten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga noch das Vertrauen ausgesprochen. Eine nächtliche Krisensitzung und nur wenige Stunden Schlaf später folgte die Trennung von Korkut. „Ich habe ihn heute Morgen angerufen“, sagte Reschke am Sonntag und berichtete von einem kurzen Gespräch – was ihm aber unausweichlich schien: „Wir sind Tabellenletzter. Fünf Punkte nach sieben Spielen. Wenn du das fortsetzt, dann steigst du ab.“

          Bundesliga

          Diese Erkenntnis wollte Reschke direkt nach der enttäuschenden Vorstellung in Hannover aber nach eigenen Angaben noch nicht mit der Öffentlichkeit teilen. „Es ist definitiv noch genug Substanz in der Mannschaft und im Trainerteam, um einen Neustart zu schaffen“, hatte es am Samstagabend geheißen, um Debatten in den Medien über Korkut zu vermeiden. Am Sonntag berichtete Reschke dann davon, dass sich Präsident Wolfgang Dietrich und er schon unmittelbar nach Schlusspfiff auf eine Krisensitzung mit dem Vorstand geeinigt hatten. In Dietrichs Wohnung besprachen sich die Vorstände, auch Kommunikationschef und Geschäftsführer Oliver Schraft war dabei. Am Ende stand die Entscheidung zur Freistellung Korkuts fest. „Die Entwicklung der Mannschaft war nicht so, wie wir uns das erhofft haben“, sagte Dietrich schlecht rasiert und sichtlich zerzaust von den Stunden zuvor am Sonntagmorgen auf dem Trainingsgelände.

          Dort leitete mittlerweile schon Andreas Hinkel die erste Einheit nach Korkut. Der frühere Nationalspieler soll bis auf Weiteres die Mannschaft trainieren. Eine Dauerlösung mit dem ehemaligen Coach der zweiten VfB-Mannschaft scheint aber derzeit nicht vorstellbar. „Wir haben Vertrauen in Andreas Hinkel, dass er nötigerweise auch ein oder zwei Spiele als Interimstrainer machen kann“, sagte Dietrich. Die kommenden Gegner heißen Borussia Dortmund und TSG 1899 Hoffenheim. Parallel sucht Reschke aber bereits nach einem neuen Cheftrainer, von dem er klare Vorstellungen hat. „Es geht sicher darum, ein bisschen erfrischender, ein bisschen aggressiver und torgefährlicher zu spielen“, sagte der 61-Jährige.

          Mit diesem Anforderungsprofil beschrieb der Manager gleichzeitig die ganze Misere, die letztlich zum Aus von Korkut führte. Dem früheren türkischen Nationalspieler wurde am Ende nicht nur die Niederlage in Hannover als solche zum Verhängnis, sondern auch die Art und Weise, wie sie zustande kam. Oder viel mehr: Die Art und Weise, wie er als Trainer mit seiner Strategie für dieses wichtige Kellerduell danebenlag.

          Gezeichnet vom Spiel: Stuttgarts Angreifer Mario Gomez spielte trotz Platzwunde weiter und erzielte dabei den Anschlusstreffer.

          Korkut bot selbst gegen das bisherige Tabellenschlusslicht fünf Abwehrspieler und nur zwei Offensivkräfte (Daniel Didavi, Mario Gomez) auf. Das war ein fatales Signal an beide Teams. Das eigene blieb nur eine Woche nach dem vermeintlich befreienden Erfolgserlebnis gegen Werder Bremen erstaunlich passiv. Dem Gegner überließ der VfB ohne Not die alleinige Spielkontrolle. „Die Idee, die wir uns vorgenommen haben, hat nicht funktioniert“, sagte Korkut selbstkritisch. „Und das ist letztendlich meine Verantwortung als Trainer.“ Schon vor der Partie in Hannover hatte es Kritik an Korkuts Spielidee gegeben, mit der die Schwaben in der vergangenen Saison noch so erfolgreich gewesen waren.

          Der 44 Jahre alte Korkut hatte die Mannschaft erst Ende Januar von Hannes Wolf übernommen und souverän zum Klassenverbleib geführt. Dank einer Erfolgsserie von acht Spielen in Serie ohne Niederlage hätte der VfB unter Korkuts Regie sogar fast noch die Qualifikation für die Europa League geschafft. In der neuen Saison aber folgte trotz zahlreicher Verstärkungen die Wende. Die gestiegenen Ansprüche des VfB konnte Korkut in dieser Spielzeit bisher nie erfüllen.

          Weitere Themen

          Wachsen im Verborgenen

          Handball in Hannover-Burgdorf : Wachsen im Verborgenen

          Die „Mission Understatement“ läuft bestens. Die Handballer aus Hannover-Burgdorf sind die Senkrechtstarter der Saison. An diesem Donnerstag könnten sie ihren Vorsprung an der Tabellenspitze ausbauen.

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Ohne Worte: Die Bayern um Manuel Neuer sind enttäuscht.

          Wildes Spiel in Augsburg : Später Bayern-Schock nach Lewandowski-Rekord

          In der Anfangsphase gibt es für den FC Bayern gleich zwei schlechte Nachrichten: Ein früher Rückstand und ein wohl langer Ausfall von Niklas Süle. Danach sieht es auch dank Lewandowski lange gut aus, ehe in der Nachspielzeit alles noch schlimmer kommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.