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Formel 1 in Brasilien : Hamilton bleibt der Coolste im Regen-Chaos

  • -Aktualisiert am

Mal wieder allen gezeigt: Lewis Hamilton ballt die Faust nach seinem Sieg in Sao Paulo Bild: AP

Fünf Safety-Car-Phasen, zwei Pausen, fast der Abbruch: Lewis Hamilton trotzt beim Nervenspiel in São Paulo dem Wetter und all seinen Gegnern. Nico Rosberg verhält sich ebenfalls clever – und hat nun beste Aussichten auf den WM-Titel.

          Nico Rosbergs Versuch, beim vorletzten Formel-1-Rennen der Saison Weltmeister zu werden, ist ins Wasser gefallen. Am Sonntag verlor der Mercedes-Pilot das Duell um den Tagessieg beim spektakulären, von Unfällen und Unterbrechungen geprägten Großen Preis von Brasilien gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton. Der Brite verkürzte mit seinem dritten Sieg in Serie im Regen von São Paulo seinen Rückstand in der Fahrerwertung zwar auf zwölf Punkte. Rosberg aber reicht nach Rang zwei vor Max Verstappen im Red Bull ein dritter Rang beim Finale in Abu Dhabi zum ersten WM-Titel. „Ich wollte gewinnen, aber ich kann mit dem Ergebnis ganz gut leben“, sagte Rosberg.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Hinter dem Safety Car startete das Feld in die vorletzte Runde der Saison. Der Regen war zwar nicht stark, aber der stundenlange Niederschlag aus den Wolken über der Millionenmetropole hatte zu viel Wasser auf die Piste gespült. Nach sechs geleiteten, kontrollierten Touren auf der Rennstrecke José Carlos Pace, untermalt durch Wasserstandsmeldungen via Funk von mehr oder weniger besorgten Fahrern, bog das Sicherheitsfahrzeug ab und die Sause begann: Hamilton hielt seine Führungsposition, ihm folgte Rosberg und dann schnell Verstappen, der den Ferrari-Mann Räikkönen überholte und sich mit dem Silberpfeil-Duo absetzte vom Feld, um zehn Sekunden.

          Wie gewonnen, so zerronnen

          Doch wie gewonnen, so zerronnen auf der Wasserbahn. Erst drehte sich Sebastian Vettel (Ferrari) und fiel zurück, dann schlug Marcus Ericsson mit dem Sauber rückwärts in die Leitplanken ein. Er blieb unverletzt, aber die Wrackteile auf der Piste zwangen die Rennleitung, das Safety Car hinaus zu schicken und die Boliden aufzureihen wie Perlen an der Kette. Schon war der schöne Vorsprung dahin.

          Verstappen verlor sogar Platz drei, weil er die Gelegenheit für einen Wechsel von Regenreifen auf Intermediates nutzte. Doch kaum hatte die Rennleitung zum nächsten Renn-Versuch geblasen, da schleuderte Räikkönen quer über die Zielgerade, Form und Fassung des roten Renners verlierend beim Einschlag in die Streckenbegrenzung. Der Weltmeister von 2007 mit dem begnadeten Fahrgefühl hat seinen Rennwagen auf der Geraden nicht im Griff, in seinem 250. Grand Prix? Am Finnen lag es wohl nicht.

          Kein Vorbeikommen: Nico Rosberg (hinten) muss Lewis Hamilton in Sao Paulo den Vortritt lassen Bilderstrecke

          Auch Verstappen hatte Mühe, seinen Boliden in der Spur zu halten, just vor dem kreiselnden Ferrari. „Das ist schlecht, das ist dumm, wie viele sollen noch verunglücken?“, rief Vettel in den Boxenfunk: „Ich wäre fast in Kimi hineingefahren, man sieht kaum was. Es geht einfach nicht.“ Das Signal kam an, weil Vettels Kollegen ähnlich argumentierten. Die Rennleitung leitete die Autos nach zwanzig Runden in die Boxengasse, in dieser Reihenfolge: Hamilton vor Rosberg, Verstappen, Nico Hülkenberg (im Ziel 7. Rang), Sergio Perez (beide Force India) sowie weiter hinten Vettel als 15.

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