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Chef Everke tritt zurück : Anleger strafen Vapiano-Aktie ab

Eine Vapiano-Filiale in Hanau Bild: Reuters

Cornelius Everke wird die Restaurantkette nicht aus der Krise führen. Nach seiner Rücktrittsankündigung vom Sonntag fällt der Aktienkurs am Montag auf ein neues Tief.

          Wer immer auf die Idee kam, vor gut zwei Jahren am Börsengang der Restaurantkette Vapiano teilzuhaben, dürfte diese Entscheidung seitdem mehr als einmal bereut haben. Wer die Aktie noch halten sollte, hat am Montag abermals Gelegenheit dazu. Mit einem Minus von 10,5 Prozent fällt der Kurs auf 3,84 Euro und damit einmal mehr auf einen neuen Tiefststand.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grund ist, dass der Vorstandsvorsitzende Cornelius Everke am Sonntag überraschend seinen Rücktritt schon für Ende des Monats angekündigt hat. Die Begründung ist eine häufig zu lesende: Es gebe persönliche Gründe , der Vertrag werde einvernehmlich beendet. Ganz zu überzeugen vermag das nicht. Handelt es sich nicht um gravierende persönliche Gründe, was natürlich nie auszuschließen ist, so wäre wohl eine längere Übergangsfrist für eine Nachfolgelösung oder zumindest eine frühere Ankündigung im Sinn des Unternehmens gewesen. Denn einen Nachfolger gibt es noch nicht und so muss die Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall bis mindestens April 2020 einspringen.

          Der Rücktritt kommt um so überraschender, als Everke noch vor drei Monaten noch davon sprach, als Vapiano verbindliche Kreditzusagen von Banken und Großaktionären vermeldete, dass „die Weichen für die weitere Umsetzung unserer neuen Strategie gestellt“ seien. Nun findet die Fahrt in die Zukunft ohne ihn statt.

          Die dreimal verschobenen Geschäftszahlen für 2018 lesen sich nicht gut. Auf vergleichbarer Basis war der Umsatz um ein Prozent gesunken und fiel im ersten Quartal diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum abermals um 3,5 Prozent. Schon operativ machte das Unternehmen 2018 Verluste, immerhin konnte man da im ersten Quartal noch einen kleinen Gewinn verbuchen.

          VAPIANO SE INH. O.N.

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          Das Eigenkapital schrumpfte derweil munter vor sich hin. Lag die Eigenkapitalquote Ende 2017 noch bei 37 Prozent auf durchaus normalem Niveau, waren es Ende 2018 noch 13 Prozent noch 5,6 Prozent. Berücksichtigt man eine bilanztechnisch bedingte Aufblähung der Bilanzsumme, betrug die Quote auch nur noch rund 10 Prozent.

          Everke hatte angekündigt, das ehrgeizige Tempo der Neueröffnungen deutlich zu drosseln, sich auf den Kernmarkt Europa zu konzentrieren und einzelne unrentable Standorte zu schließen. Auch sollten stärker Franchisenehmer eingebunden und Prozesse in den Filialen vereinfacht werden, denn diese seien zu kompliziert und langsam.

          Der überraschende Rücktritt komme nach noch nicht einmal neun Monaten im Amt und nur wenige Monate nach Vorstellung der Umbau-Strategie, schreibt Analystin Annabel Hay-Jahans von der Berenberg Bank. Everke habe die grundsätzlichen Probleme erkannt, daher sei sein Rücktritt nun eine schlechte Nachricht.

          Zum Zeitpunkt des Börsengangs schon schien die Bewertung des Unternehmens mit einem dreistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis schon ambitioniert. Mit 23 Euro konnte Vapiano damals auch seine ursprünglichen Preisvorstellungen nicht durchsetzen. Bis Mai 2018 hielt sich der Kurs noch, im September mit einer Senkung der Prognosen fiel er binnen weniger Wochen um zwei Drittel. Gerade 100 Millionen Euro kostet das Unternehmen noch, weniger als ein Sechstel des Buchwerts. Die Krise, von der Anleger hofften, sie habe ihren Höhepunkt überschritten, ist nach den Ereignissen des Vorabends so virulent wie zuvor.

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