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Schwarzbuch Börse : Jede Menge schwarze Schafe

Mit Solarworld haben Anleger dieses Jahr viel Geld verloren. Bild: dpa

Das „Schwarzbuch Börse“ listet große Kapitalvernichter auf. Damit hält es eine große Lehre für Anleger bereit.

          Es ist ein bisschen wie beim Bund der Steuerzahler. Das am Freitag veröffentlichte Schwarzbuch Börse der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) listet jede Menge Pleiten, Pech und Pannen des Kapitalmarktjahres auf. Großer Rechercheaufwand ist hierbei anders als beim Bund der Steuerzahler, der den Kämmerern in Bund, Ländern und Gemeinden auf die Finger schaut, nicht nötig. Im Schwarzbuch Börse werden vor allem Verfehlungen börsengehandelter Unternehmen genannt. Und da der Kapitalmarkt bekanntlich gnadenlos ist, zeigt der Kursverlauf meist schonungslos auf, wenn etwas schiefläuft.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Solarworld zum Beispiel. 61 Cent kostete die Aktie am Freitag nach 6,60 Euro noch im Januar. Dazwischen lag ein Insolvenzantrag. Bei Air Berlin sieht es ähnlich aus. Ist die Lektüre des Schwarzbuches trotzdem lohnenswert? Unbedingt ja! Wer zu Naivität neigt, wird dadurch angeregt, nicht alles zu glauben, sondern mehr nachzudenken und kritischer nachzufragen. Viele der gescheiterten Unternehmen haben einst schöne Versprechungen gemacht, die gut und gerne anzuhören waren. Die Kurse sind auch nicht immer nur gefallen.

          Am Ende des Tages wird es sich auch nicht vermeiden lassen, dem ein oder anderen Bilanzbetrüger oder Traumtänzer aufzusitzen. Die entscheidende Lehre aus dem Schwarzbuch sollte daher sein: Streuung. Wer alles auf eine Karte setzt, der steht am Ende einer Pleite nackt da. Wer aber sein Kapital auf 20 unterschiedliche Fonds, Aktien und Anleihen verteilt, der wird einen Ausfall verkraften können. 5 Prozent seines Geldes sind dann weg. Auch zwei Fehltritte wären zu verkraften. Und dass es viel mehr werden, ist nicht zu erwarten.

          Denn bei allem negativen Beiklang, den ein Schwarzbuch nun einmal mit sich bringt, sollte nicht vergessen werden: Die allermeisten Anleihen werden pünktlich und mit Kupon zurückgezahlt und die allermeisten Aktien steigen im Kurs. Die schwarzen Schafe aus dem Schwarzbuch sind Ausnahmen und sollten nicht als Argument für komplette Kapitalmarkt- und damit auch Renditeferne dienen.

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