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Jahresausblick : Bankenverband beklagt Unsicherheit bei Investitionen

Hautgeschäftsführer des Bankenverbands: Christian Ossig Bild: dpa

Private Banken verweisen auf die geringe Nachfrage nach Unternehmenskrediten und erwarten eine spürbare Verteuerung der Immobilienkredite.

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          Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) blickt zuversichtlich auf die Wachstumsaussichten in diesem Jahr. Die Interessenvertretung der privaten Institute mit Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzendem Christian Sewing als Präsident an der Spitze hält ein Wachstum von 3,5 Prozent für möglich. Auf der Videokonferenz am Mittwoch sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig: „Das wäre ein wirklich kräftiger Wachstumsschub, der uns wirklich zuversichtlich ins neue Jahr blicken lässt.“

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Trotzdem verwies er auf Risiken, zu denen er den Ukraine-Konflikt, die Corona-Pandemie, die Lage in China sowie die Energiepreise zählte. Mit Sorge blickt er auf die geringe Nachfrage nach Unternehmenskrediten. Dies hält Ossig, der nach dem Ausscheiden von Andreas Krautscheid seit Freitag alleiniger Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands ist, für problematisch. „Wir haben nach wie vor eine hohe Unsicherheit bei Investitionen“, lautet seine Erklärung.

          Darüber hinaus türmten sich neue Herausforderungen auf, von denen die Inflation die größte darstelle. Ossig bekräftigte seine Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die er schon am Montag in einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geübt hatte.Die EZB müsse dringend einen Fahrplan vorlegen, wie sie aus dem Krisenmodus aussteigen wolle. „Wir brauchen das Ende der massiven Anleihenkäufe und der Negativzinspolitik“, forderte Ossig.

          Widersprüchliche Politik

          Mit Unverständnis reagieren die privaten Banken auf die Verschärfung der Eigenkapitalregeln für Wohnimmobilienkredite, die das Bundesfinanzministerium, die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin im Ausschuss für Finanzstabilität vor wenigen Wochen beschlossen hatten. Bei einigen Instituten sei ein Anstieg der Eigenkapitalanforderungen um 10 Prozent zu erwarten, sagte Ossig. Er befürchtet nun Auswirkungen auf die Konditionen für Immobilienkredite, die sich seinen Worten zufolge nach dem Stopp der KfW-Bauförderprogramme spürbar verteuern dürften.

          Die zusätzlichen Kapitalpuffer schränkten die Kreditvergabekapazität der Banken ein, was Ossig als widersprüchlich zu der Politik hält, die Banken dazu anhalte, den Übergang in eine klimaneutrale Wirtschaft zu finanzieren.

          Ohne Regeln große Risiken

          Die Entscheidung der EU-Kommission, Atomkraft und Gasenergie als Übergangstechnologien und damit als nachhaltig einzustufen, kommentierte er nicht. Doch klare Regeln für nachhaltige Finanzierungen und Anlagen, wie sie die sogenannte EU-Taxonomie vorgeben will, seien erforderlich, damit die Banken das „Minenfeld des Greenwashing umschiffen“ könnten. Ohne klare Regeln gebe es für die Banken große Risiken, die ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen könnten.

          So muss sich die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, gegenüber Aufsichtsbehörden mit Vorwürfen auseinandersetzen, wonach sie ihre nachhaltigen Anlagen zu großzügig ausgewiesen habe. Die Transformation der Wirtschaft kann nach den Worten Ossigs für die Banken viele Gelegenheiten bringen.

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