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Skispringer Karl Geiger : Mit Schweizer Schubkraft zur Tournee

Karl Geiger bei seinem Erfolg in Engelberg am 15. Dezember 2018 Bild: AFP

Skispringer Karl Geiger präsentiert sich bereits in Tournee-Form. Als Vierter im Weltcup gehört der Oberstorfer auch zu den Favoriten und sammelt kurz vor dem Start noch mehr Selbstvertrauen an seiner Lieblingsschanze.

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          Zurück am Ende der Straße. Zurück im Klosterdorf Engelberg, dem Sehnsuchtsort von Karl Geiger. Gewiss: Seine Heimat ist das Tal der Schanzen – Oberstdorf. Doch mit Engelberg, hoch oben auf 1000 Meter im Zentralschweizer Kanton Obwalden, verbindet Geiger Spezielles. Es ist die Stätte seines ersten Weltcup-Siegs, seines Durchbruchs. Vor ziemlich genau einem Jahr flog der Allgäuer dort weiter und sauberer als alle anderen. Sogar besser als der spätere Tour-Dominator Ryoyu Kobayashi, der als dritter Skispringer nach Sven Hannawald und Kamil Stoch den Grand Slam perfekt machte. Vier Siege bei allen vier Springen der Vierschanzentournee, die nach Weihnachten genau dort startet, wo sich Geiger bestens auskennt: Vor seiner Haustür auf der Oberstdorfer Schattenbergschanze.

          Über Engelberg zurück in die Heimat – und dann weiter nach Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen. Das geht besonders gut mit Schub, mit Rückenwind, mit Eindrücken und Erlebnissen, die über den Tag hinaus wirken. Für Geiger ist Engelberg wie eine Frischzellenkur. „Auf Engelberg freue ich mich sehr“, sagt der 26 Jahre alte Skispringer. Seine Motivation, es wie im Vorjahr auf der größten Schweizer Naturschanze ganz besonders gut zu machen: „Ich weiß, dass ich auf dieser Schanze sehr gut springen kann. Die Bedingungen sind dort meist stabil. Ich schaue optimistisch nach Engelberg.“

          Engelberg ist die letzte Weltcup-Station vor der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee. Im Land der Eidgenossen werden noch einmal Duftmarken gesetzt, müssen Skispringer wie Kobayashi und der seit Wochen stark auftrumpfende Österreicher Stefan Kraft zeigen, dass sie in der Kombination von Anfahrt, Absprung und Flugsystem auch bei der Generalprobe die Besten sind. Und natürlich nicht zu vergessen: Karl Geiger.

          Im Weltcup derzeit Vierter

          Der Oberstdorfer ist gut in Schuss. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Bundestrainer Stefan Horngacher bekommt ihm. Im aktuellen Weltcupranking steht Geiger mit 237 Punkten auf Platz vier. Zwischen das japanisch-österreichische Führungsduo und den Deutschen hat sich der wiedererstarkte Norweger Daniel Andre Tande vorgearbeitet. Engelberg bietet dem deutschen Team, aus dem Geiger derzeit herausragt und andere wie der dreifache Weltmeister Markus Eisenbichler noch nach Form und Fluggefühl suchen, die Chance, das im Skispringen so dringend benötigte Selbstvertrauen zu finden. Der Tiroler Horngacher, Nachfolger seines erfolgreichen Landsmanns Werner Schuster, der elf Jahre lang als Bundestrainer beim Deutschen Skiverband gewirkt hat, weiß um die Strahlkraft, die von der Generalprobe in der Schweiz ausgeht. „Engelberg liegt den deutschen Springern traditionell gut. Man muss in der Regel mit Rückenwind rechnen.“ Die Schweizer haben unlängst ihre Skisprungschanze modernisiert und rausgeputzt. Mit für Horngacher angenehmen Begleiterscheinungen. „Es gibt jetzt einen harmonischen Anlauf.“

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          Mehr als nur harmonisch ging es an Geigers Glückstag zu. „Einfach genial“ fand der Oberstdorfer damals seine Siegsprünge, mit denen er ins Schaufenster der weltweit besten Skispringer rückte. Engelberg bietet eine filmreife Bühne für die Bilder, die man vom Skispringen kennt. Tollkühne Athleten nehmen auf der Groß-Titlis-Schanze Fahrt auf, suchen nach dem passenden System und dem perfekten Absprung – und fliegen. Geiger landete an seinem Tag der Tage bei 141 Metern und wusste sofort: Ihm ist Außergewöhnliches gelungen. Endlich. Der erste Sieg. Eine Punktlandung bei der Tour-Probe für die Weitenjäger. Wer in Engelberg gewinnt, ist mehr als nur Tagesgespräch.

          „Ich bin eher von der ruhigeren und entspannteren Art“

          Geiger war im Gespräch, wurde bei der nachfolgenden Vierschanzentournee Elfter – und ist der geblieben, der er ist. „Ich bin eher von der ruhigeren und entspannteren Art“, sagt er selbst. „Mich bringt so schnell eigentlich nichts aus der Ruhe.“ Auch Monate später, als er gemeinsam mit Eisenbichler, Stephan Leyhe und Richard Freitag im feinen Zwirn auf der Bühne des Baden-Badener Kurhauses steht, bekommt das Publikum einen angenehmen, zurückhaltenden Sportler zu sehen. Das Weltmeisterteam als Mannschaft des Jahres – ein Coup mit Seltenheitswert. Dass sich letztmalig bei der Wahl der deutschen Sportjournalisten das Skisprungteam auf Platz eins wiedergefunden hat, liegt ein Vierteljahrhundert zurück.

          Geigers Strategie, um in der komplexen Sportart Skispringen konstant und erfolgreich zu sein: „Ich versuche, cool zu bleiben. Im Wettkampf aber haue ich drauf. Da bin ich eher hopp oder top.“ Und abseits der Schanze? Fokussiert auf komplett andere Dinge, beispielsweise die Energie- und Umwelttechnik, in der er im Sommer seine Bachelorarbeit geschrieben hat.

          Stichwort Umwelt: Es trifft sich gut, dass Doppel-Weltmeister Geiger, der zudem noch mit einer Silbermedaille von den Nordischen Titelkämpfen in Seefeld zurückgekommen ist, in Engelberg finale Witterung für die Vierschanzentournee aufnimmt. Die größte Naturschanze der Schweiz ist harmonisch und ohne Bausünden in die Landschaft hoch oben am Ende der Straße eingebettet.

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