FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Tour de France Radsport :
Watt-Monster und tragische Helden

Von
Michael Eder
Lesezeit:
Roth

Die Frankreichrundfahrt war geprägt von Hitze, Stürzen und Corona. Manche Radprofis schossen auch ohne Gelbes Trikot an die Spitze, andere erlitten trotz großer Leistung bittere Enttäuschungen. Sieben Tour-Geschichten schildern das Leben und Leiden im Feld.

Wout van Aert: Der Superman

Wout van Aert war im Feld der 176 Fahrer, deren Zahl sich im Lauf der Tour auf 135 verringerte, immer gut zu sehen. Die zweite, dritte und vierte Etappe fuhr er in Gelb, den Rest in Grün, dem Trikot des punktbesten Sprinters. Das war hilfreich, man erkannte ihn sofort im großen Pulk. Die Ideallösung war das Grüne Trikot aber nicht. Ein seinen Leistungen angemessener Dresscode hätte anders ausgesehen. Rote Hose, blaues Trikot, darauf ein großes rotes „S“ auf gelbem Grund. Und ein roter Umhang. Superman. So jedenfalls ist er diese Tour gefahren. Wie Superman. Bei acht Etappen stand er auf dem Podium. Drei gewann er. Viermal war er Zweiter. Rund 650 Kilometer ist er vorn im Wind gefahren. Jonas Vingegaard, seinem Kapitän im niederländischen Team Jumbo-Visma, bescherte er mit einer grandiosen Aktion auf der 18. Etappe in den Pyrenäen den Tour-Sieg, als er sich ein paar Kilometer vor dem Ziel in Hautacam in steilem Gelände vor ihn spannte und Vorjahressieger Tadej Pogacar den beiden nicht mehr folgen konnte. Van Aert war immer zur Stelle, wenn einer aus seinem Team in Schwierigkeiten war. Dann kam Superman angeflogen. Wo immer es brannte, war er zur Stelle. Er zog seinen Kapitän in Richtung Sieg, er beschützte ihn im Getümmel. Er holte Ausreißer zurück, riss selbst aus, war Sprinter und Bergziege in einem. Und wenn gerade mal nichts zu tun war, holte er sich einen Etappensieg. Mag man da nicht nur an Superman, sondern auch an Doping denken? „Eine Scheißfrage“ sei das, sagte van Aert am Samstag nach dem Zeitfahren.
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