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THW Kiel : Zeitz hat Zeit für sich

  • Aktualisiert am

Christian Zeitz und Kollegen starten mit einem Rekord Bild: dpa

Der formstarke Kieler Rückraumspieler Christian Zeitz steht nicht im deutschen EM-Aufgebot - und kann damit gut leben. Sein Klub stellt indes einen Startrekord auf.

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          Niemand hat angerufen, also ist die Sache für ihn erledigt. Christian Zeitz bleibt bei seinem „Nein“. Zwar hatte Bundestrainer Martin Heuberger angekündigt, das Gespräch mit dem formstarken Kieler Rückraumspieler zu suchen, ihn vielleicht doch noch überreden zu können, bei der Europameisterschaft im Januar in Serbien im deutschen Trikot aufzulaufen - doch Hoffnung hatte Zeitz dem Bundestrainer kaum gemacht: „Falls er sich meldet, werde ich mir seine Argumente anhören. Aber eigentlich steht meine Entscheidung“, hatte Zeitz kurz vor Weihnachten gesagt. Heuberger hat sich den Anruf gespart. Er weiß, dass der 31 Jahre alte Handballprofi des THW ein zäher Brocken ist, wenn es um Überzeugungsarbeit geht. Er kennt ihn ja gut genug aus seiner Zeit als Heiner Brands Assistent.

          18 Spiele, 36:0 Punkte - Rekord

          Am Donnerstag trifft sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in der Sportschule Steinbach; die heiße Phase der Vorbereitung auf die EM beginnt. Zeitz wird dann wieder Zeit für sich haben: ausruhen, regenerieren, Handball höchstens im Fernsehen gucken. Seit er 2008 aus der Nationalmannschaft zurücktrat, hat er es nie bereut. „Mir war die Doppelbelastung einfach zu viel. Dass ich seit zwei Jahren austrainiert wie nie bin, liegt auch daran, dass ich keine Länderspiele mehr machen muss“, sagt Zeitz. In Kiel finden sie seine Entscheidung richtig gut. Am zweiten Weihnachtstag schuf der THW durch den Sieg beim VfL Gummersbach einen neuen Bundesliga-Startrekord - auf beeindruckende 36:0 Punkte schraubte der Rekordmeister seine Bilanz.

          Zeitz war mit vier Treffern daran beteiligt, die Gummersbacher in einem engen Spiel zu besiegen. In allen kniffligen Partien der vergangenen Wochen war der Linkshänder im Kieler Rückraum eine der entscheidenden Figuren: ob in der Bundesliga gegen den HSV, in Flensburg oder Magdeburg, in der Champions League in Montpellier und gegen Kopenhagen oder im DHB-Pokal in Berlin. Auf Zeitz ist Verlass, ob er von der Bank kommt oder in der Start-Sieben steht. Er wirft seine Tore, auch und gerade dann, wenn es zum Ende hin unübersichtlich wird auf dem Parkett.

          Solch einen Spieler könnte Heuberger in Serbien gut gebrauchen. Im Flensburger Holger Glandorf und in Adrian Pfahl aus Gummersbach verfügt der neue Auswahlcoach über zwei gute rechte Rückraumspieler. Doch als Universalist in Abwehr und Angriff ist Zeitz der stärkste der Drei - und derjenige mit dem größten Überraschungsmoment. Pfahl und Glandorf sind verlässliche Größen, Zeitz dagegen bringt auch einen Schuss Genialität mit. Seinen Hang zum Handball-Wahnsinn hat er zuletzt mehr und mehr abgelegt. „Früher war ich zu ungeduldig, wollte in fünf Minuten zeigen, was ich kann“, sagt Zeitz. „Jetzt bin ich ruhiger und reifer.“

          Schweigsamer Einzelgänger

          Er selbst weiß, woran der persönliche Aufschwung in seinem achten Kieler Jahr liegt. In der für THW-Verhältnisse schwachen Spielzeit 2010/2011 war Zeitz der beste Kieler - auch, weil Trainer Alfred Gislason ihm vertraute, ja vertrauen musste: Der auf halbrechts gesetzte Kim Andersson fiel verletzt nahezu die ganze Serie aus. Zeitz war plötzlich unangefochtener Stammspieler und zeigte seine konstanteste Saison im THW-Trikot. Es war spannend zu sehen, wie er mit den Anforderungen dieser Spielzeit umgehen würde, denn Andersson ist wieder fit und einer der Lieblinge Gislasons. Für Zeitz hieß das meist: zurück auf die Bank. Doch er genießt das Spiel gerade ohne Lamento, selbst wenn es nur zu Kurzeinsätzen reicht.

          Da hilft es, dass der schweigsame Einzelgänger Zeitz sein Image des bösen Buben abgelegt hat. Früher pflasterten Rote Karten und böse Fouls seinen Weg, knallharte Würfe über den Scheitel des Torwarts waren seine Waffe. Deswegen wird er heute noch in fremden Hallen ausgepfiffen, obwohl er inzwischen weniger aggressiv und mehr mit Auge spielt. Zuhause in der Ostseehalle, da ist Zeitz längst ein Held. Jubel brandet auf, wenn er sein Sweatshirt auszieht und von der Bank aufsteht. In Kiel wurde er gerade zum Sportler des Jahres 2011 gewählt. Sie mögen ihren „Zeitzi“. Und dass er in Serbien nicht dabei ist, das finden die meisten Kieler Fans gut: So kann er sich wenigstens nicht verletzten.

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