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Reitturnier in der Festhalle : Insel der Seligen

  • -Aktualisiert am

Marcus Ehning ist als feste Größe bei dem Reitturnier in der Frankfurter Festhalle eingeplant. Bild: dpa

Am vierten Advent gibt sich die Reitsportelite in der Frankfurter Festhalle die Ehre. Doch die Veranstalter haben mit einer immer größeren Konkurrenz im Ausland zu kämpfen.

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          Geld ist nicht alles. So wird gerne argumentiert, wenn alternativ mit sogenannten weichen Faktoren gepunktet werden kann. Beim Hallenreitturnier am vorletzten Wochenende in Prag, im Vorjahr noch in zeitlicher Konkurrenz zu Frankfurt, waren 1,25 Millionen Euro an Preisgeldern zu gewinnen. Vom 19. bis 22. Dezember sind in der Festhalle 365.000 Euro zu holen. Der Gesamtetat wird mit zirka 1,9 Millionen Euro veranschlagt. Der bundesweite Trend: Die Ansprüche an Turnierveranstalter werden größer, ihre Zahl schrumpft gleichzeitig. Helfermangel wird beklagt, weniger werdende Sponsoren – da erscheint das Festhallenturnier in der Regie der Familie Linsenhoff und Rath wie eine Insel der Seligen. „Es müsste noch ein, zwei, drei Turniere in der Art von Frankfurt geben“, antwortete Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu unlängst auf die Frage nach ihren Wünschen, falls eine Fee sie danach fragen würde. Warum Frankfurt? Das Flair der Festhalle, die Infrastruktur mit Stallungen und Abreiteplatz, exzellenter Boden, begeisterungsfähiges Publikum.

          Die Zuschauer ziehen mit, ohne heute schon bis ins Detail zu wissen, wer von den Assen am Wochenende des vierten Advents am Start sein wird. Mitte November waren schon 5000 Eintrittskarten mehr verkauft als zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Otto Becker, Bundestrainer der Springreiter, verspricht „einen guten Mix aus jungen Leuten und Routiniers“, wenn es um die Namen auf seiner finalen Liste der Startberechtigten geht.

          Marcus Ehning ist eine feste Größe, ebenso Daniel Deußer. Der Hamburger Derbysieger Nisse Lüneburg wird dabei sein, der deutsche Meister Felix Haßmann, selbstverständlich Guido Klatte, vor einem Jahr der Sieger im Großen Preis. Auch Gerrit Nieberg, Jörg Oppermann, David Will, Janne Friederike Meyer-Zimmermann wie auch Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung sind unter den Startern. Wochen vor Nennungsschluss haben der Schweizer Pius Schwizer und der Ire Denis Lynch Frankfurt den Vorzug vor London gegeben, das sich mit seinem Turnier in den Wembley-Hallen mit dem in der „Gud Stubb“ überschneidet.

          Deutschland hat seine Vorreiterrolle im Reitsport verloren

          Traditionell rollt Frankfurt den roten Teppich für die Dressurelite von heute und morgen aus. Mit von der Partie unter anderen: Jessica von Bredow-Werndl, Helen Langehanenberg, Hubertus Schmidt, Ingrid Klimke, die gerade vom Weltreiterverband als „Sportlerin des Jahres“ ausgezeichnet wurde, und Dorothee Schneider, die gleich vier Pferde an den Start bringt. Von Isabell Werth heißt es, sie überlege noch, ob sie kommt. Das Preisgeld für die klassischen Fünf-Sterne-Prüfungen Grand Prix, Grand Prix Special und Grand Prix Kür ist auf 70.000 Euro angehoben worden.

          Gleichwohl sprechen Monica Theodorescu wie auch Otto Becker mit einer Stimme, wenn sie registrieren: Die Turniere jenseits der Grenzen werden immer besser, Deutschland habe seine Vorreiterrolle im immer globaler werdenden Reitsport verloren. Das liegt nicht nur am Lockruf des Geldes. Es gehe zum Teil unbürokratischer zu, die Startmöglichkeiten für mehrere Pferde würden großzügiger gehandhabt, und die Startgebühren seien ziviler. Erfahrungswerte von Aktiven im Ausland. Der deutsche Dachverband wird reagieren: Die Reduzierung der Veranstaltergebühren ist geplant, muss aber noch verabschiedet werden.

          „Die anderen geben Gas“, sagt Winzersohn Otto Becker, der aus Großostheim stammt, in seiner direkten Art. Die Turnierlandschaft habe sich halt verändert, in Frankfurt jedenfalls stimme das Umfeld. Da passt der Generationswechsel mit Matthias Alexander Rath als Cheforganisator des Festhallenturniers in die Zeit: Es wird erstmals digitale Werbebanden geben, beim Comeback des Jump & Drive wird es nicht nur um Schnelligkeit und Geschicklichkeit mit Pkw wie Pferd gehen, es wird mit den E-Autos auch sauberer und leiser zugehen. Der gewohnte Sound wird fehlen, aber man kann ja nicht alles haben, wie sie in Reiterkreisen längst wissen. Mehr Geld, mehr Show, mehr Event, so wie in Prag? Bei der pompösen Siegerehrung dort haben die Reiter angesichts von Stichflammen und Feuerwerk ihre Pferde lieber in ihren Boxen gelassen. Schwer vorstellbar, dass Frankfurt eines Tages diesen Weg einschlagen wird. „Die Pferde sind die Basis, und sie bleiben der Mittelpunkt“, hat Ann Kathrin Linsenhoff versichert, deren Eltern einst die Pioniere des Festhallenturniers waren. Es klang wie ein in Stein gemeißeltes Vermächtnis, das die neue Generation an der Spitze des Turniers zu bewahren hat.

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