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Im Gespräch: Karl-Heinz Körbel : „Es ist wie beim Domino: Kippt der erste Stein, fällt alles um“

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Wegweiser: Bundesliga-Rekordspieler Körbel weiß, wie es geht – und gehört auch deshalb zu den engsten Beratern von Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Bild: Picture-Alliance

Rekordspieler, Vorstandsberater, Leiter der Fußballschule: Eintracht Frankfurt-Ikone Karl-Heinz Körbel spricht vor dem Spiel gegen Stuttgart (15.30 Uhr) über die Auswärtsschwäche, das Potential von Marc Stendera und den Wunsch, Sebastian Jung zurückzuholen.

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          Gewinnt die Eintracht in Stuttgart?

          Sie hat das Zeug dazu. Aber es wird schwer. In den vergangenen fünf, sechs Auswärtsspielen bin ich teilweise erschrocken, als ich gesehen habe, welche Leistungsunterschiede sich bei einzelnen Spielern bemerkbar machen. Ich weiß nicht, ob die Mannschaft vergessen kann, was zuletzt war. Immer dann, wenn die Spieler ein bisschen an den oberen Plätzen geschnuppert haben, gab es für sie einen Denkzettel. Gesagt, dass sie es besser machen wollen als in Paderborn, Mainz oder Freiburg, haben sie auch, als die Reise nach Köln anstand. Und dort gab es wieder einen auf den Deckel. Stuttgart wird deswegen schwer, auch weil der VfB eine Mannschaft hat, die viel Klasse besitzt und Pech hatte, seitdem sie unten steht. Aber wir haben grundsätzlich das Potential, dort etwas zu holen.

          Einem ordentlichen Spiel folgte bislang stets ein schwaches: Warum gleicht der Saisonverlauf einer Achterbahnfahrt?

          So etwas gibt es im Fußball. Schon immer. Und vor allem in Frankfurt. Ich kann mich an viele Spielzeiten erinnern, in denen die Eintracht, die „launische Diva“, immer zwei Gesichter gezeigt hat. Auch bei uns in den siebziger Jahren, mit Grabowski, Hölzenbein und Pezzey, hatten wir eine solche Phase. Da haben wir zu Hause über einen ganz langen Zeitraum nur drei Punkte abgegeben, in fremden Stadien aber auch nur sechs geholt.

          Was sind die Ursachen, dass sich die Eintracht auswärts so schwer tut?

          Wir werden zu oft ausgekontert. Wir versuchen mutig mitzuspielen, und dann bricht nach einem Gegentor alles wie ein Kartenhaus zusammen. Und niemand ist in der Lage, die Entwicklung aufzuhalten. Es ist schon Wahnsinn, was zum Beispiel in Köln, wo wir so gut begonnen hatten, an Fehlern zum Schluss passierte, als alle völlig verunsichert waren. Das waren wirklich dumme Gegentore, die wir da kassiert haben.

          49 Gegentreffer gab es schon. Nur Bremen und Paderborn stehen in dieser Bilanz schlechter da. Lässt sich das Abwehrverhalten nicht zielgerichteter trainieren?

          Der Trainer versucht doch alles. Thomas Schaaf macht sich pausenlos Gedanken. Wenn das so weitergeht, fallen ihm noch die letzten Haare aus. Die Spieler auf dem Platz müssen es richten. Die Mannschaft will noch zu oft zaubern und rennt dabei ins Verderben. Ich nenne jetzt keine Namen, aber ich habe mir einige von ihnen jetzt mal zur Brust genommen und gesagt: „Spielt endlich auswärts mal einfach!“ Man kann sich auch mal hinten reinstellen, abwarten und den Gegner kommen lassen. Das ist eine legitime Taktik, wenn man darum bemüht ist, Ruhe und Sicherheit ins eigene Spiel zu bekommen. Den offenen Schlagabtausch sollten wir gegen den VfB unter keinen Umständen wieder suchen, denn dann besteht die Gefahr, dass der nächste „Tag der offenen Tür“ bei uns ist. Die Stuttgarter haben gute Knipser in ihren Reihen, die wissen, wie es geht. Wir haben zuletzt schon zu viele Mannschaften aufgebaut, die in der Krise steckten, da müssen wir gegen den VfB endlich mal mit aufhören.

          Im 4-4-2-System von Schaaf sind nur fünf defensiv orientierte Spieler vorgesehen. Zu wenig?

          Der Ausfall von Marco Russ tut uns weh. Mit ihm hätten wir die Option gehabt, nun auch mal mit einer Doppel-Sechs anzutreten. Vielleicht entscheidet sich der Trainer dafür, Johannes Flum an die Seite von Makoto Hasebe zu stellen. Du brauchst nach den vielen Auswärtspleiten, die im Gedächtnis haften geblieben sind, eine Veränderung, um den Trend zu stoppen. Momentan sind Handwerker gefragt, die groß und kopfballstark sind und die man vor der Viererkette den Stürmern des VfB als ersten Bremsklotz entgegenstellen kann. Deswegen denke ich auch, dass Alexander Madlung in der Innenverteidigung gerade so wichtig ist. Er ist nicht der Schnellste, aber den haut nichts so leicht um.

          15 Gegentreffer in der Schlussviertelstunde und zwölf Gegentore in den 15 Minuten vor der Pause sind ein Indiz dafür, dass die Mannschaft unter Konzentrationsschwächen leidet. Was lässt sich dagegen machen?

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