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Olympia-Gold in der Abfahrt : Ein Österreicher verhindert den Showdown

  • -Aktualisiert am

Der Österreicher Matthias Mayer lässt sich bei der Abfahrt von nichts und niemandem aufhalten Bild: AP

Matthias Mayer gelingt, was Hermann Mayer nie gelungen war: Der Österreicher stiehlt den Favoriten Bode Miller und Aksel Svindal die Show und gewinnt Gold in der Olympia-Abfahrt. Im Weltcup war er bisher nie über Rang fünf hinausgekommen.

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          Bode Miller brauchte lange, bis er aus dem Zielraum kam. Länger, als er davor für die ganze Abfahrt benötigt hatte. Beim Abschwingen hatte er die letzte Ecke des Zielraums angesteuert, jenen Fleck, an dem er am weitesten weg war von allem und jedem. Da ging er dann erst mal in die Knie. Kauerte am Boden, mit hängendem Kopf. Aus der Traum vom Abfahrts-Gold, aus auch dieser Traum, nach dem knapp verpassten Kitzbühel-Sieg vor zwei Wochen.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es war mucksmäuschenstill in diesem Moment in der Zielarena im Alpinzentrum Rosa Khutor, das Rennen war unterbrochen. Nicht, weil Bode Miller das Ziel erreicht hatte, als Sechstschnellster nur, und nicht, weil dadurch sein Olympia-Traum zerbrochen war. Sondern, weil nach Startnummer 15 immer eine Unterbrechung kommt, und die Startnummer 15, die hatte an diesem Tag eben Bode Miller. So kam es, dass in diesem Moment im ganzen Zielgelände nur die klagende Melodie einer einsamen Trompete auf den Rängen zu hören war. Dazu schob sich Miller wie in Zeitlupe, wie ein alter Mann, Stockschub für Stockschub, nach seinem wohl letzten olympischen Abfahrtsrennen aus dem Zielraum. Ein Abgang wie im Kino. Endzeitstimmung in Krasnaja Poljana.

          Sieger im zweiten Trainingslauf

          Vor der Olympia-Abfahrt am Sonntag hatten viele einen Showdown der Speed-Könige erwartet - ein Duell um Gold zwischen dem 36 Jahre alten Amerikaner Miller und dem norwegischen Abfahrts-Weltmeister Aksel Lund Svindal. Nach dem Rennen hatte keiner der beiden eine Medaille in Händen. Die gingen an andere: Gold an den Österreicher Matthias Mayer, Silber an den Italiener Christof Innerhofer, Bronze an den Norweger Kjetil Jansrud. Ein Podiums-Trio, das viele überraschte - nicht aber die beiden Top-Favoriten. Svindal, am Ende Vierter, hatte Mayer schon nach dem Training auf der Rechnung gehabt, denn: „Bode war schnell, ich war schnell, aber Matthias Mayer war der Beständigste.“

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          Der Österreicher gewann den zweiten Trainingslauf, und er zeigte auch bei den beiden anderen, dass er mit der Olympia-Strecke prächtig zurechtkam. Am Sonntag musste Mayer dennoch mächtig bangen, am Ende lag er nur sechs Hundertstelsekunden vor Innerhofer - gut anderthalb Meter nach 3495 Metern Abfahrt. Die reichten aber für Gold in der Königsdisziplin, das erste für die Ski-Nation Österreich seit Fritz Strobl 2002. Und sie führten bei manchem Nicht-Österreicher zu der Frage: Wer ist eigentlich Matthias Mayer?

          So sieht ein Olympiasieger aus: Matthias Mayer Bilderstrecke

          Die Frage war verständlich. Denn: Der 23 Jahre alte Mayer hat noch nie zuvor ein Olympia-Rennen bestritten. Er hat auch noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen, und er stand noch nie in einer Weltcup-Abfahrt auf dem Podium. Am nächsten kam er dem Podest Ende Dezember vergangenen Jahres in Bormio mit Platz fünf. Im Super-G war Mayer dagegen schon zweimal Zweiter - in jener Disziplin also, in der es auf technisches Können bei hoher Geschwindigkeit ankommt. Dieses Können demonstrierte der Kärntner dann auch auf der extrem anspruchsvollen Olympia-Abfahrt in Krasnaja Poljana, in den vielen langgezogenen Kurven, aus denen er mehr Tempo mitnahm als alle anderen.

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