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Felix Neureuther : Die Gegner im lädierten Nacken

  • -Aktualisiert am

Felix Neureuther hat an diesem Samstag im Slalom mehr als einen Konkurrenten. Bild: AP

Felix Neureuther kämpft: Der Slalom an diesem Samstag (13.45 Uhr) wird mehr als ein Duell mit dem Österreicher Marcel Hirscher. Im Windschatten lauert ein forscher Norweger.

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          Hirscher gegen Neureuther, Neureuther gegen Hirscher. Ein Duell um Olympia-Gold, ein Duell der beiden besten Slalomläufer der Welt, ein Duell auch noch zwischen Österreich und Deutschland, und das am vorletzten Tag der Spiele (1. Lauf 13.45 Uhr/ live in ZDF und F.A.Z.-Liveticker) – die Dramaturgie schien perfekt, ein großes Finale der alpinen Ski-Wettbewerbe im Alpinzentrum Rosa Khutor garantiert. Da spielte es dann auch keine große Rolle mehr, dass die Duellanten selbst, Marcel Hirscher, der Slalom-Weltmeister, und Felix Neureuther, der WM-Zweite, von einem Zweikampf eigentlich nichts wissen wollten. Weil sie selbst den Kreis der Gold-Kandidaten viel größer einschätzten.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nun, vor der Entscheidung im Slalom an diesem Samstag, sieht es ganz danach aus, als hätten die beiden recht behalten. Deutlicher, als ihnen lieb sein dürfte. Neureuther kämpft noch immer mit den körperlichen Folgen seines Autounfalls, dem Schleudertrauma und den Rückenprellungen, die er erlitten hat. Nach dem achten Platz im Riesenslalom am Mittwoch trainierte er in den Tagen darauf für seine Spezialdisziplin, zunächst ohne weitere Beschwerden. Dennoch ist offen, wie sehr ihm der lädierte Nacken unter Maximalbelastung zu schaffen machen wird.

          Hirschlers Start verlief nicht nach Wunsch

          Hirscher erlebte zwar eine reibungslose Anreise, dank des Anflugs im privaten Lear-Jet eines Sponsors, sein Start in die Spiele verlief aber trotzdem alles andere als nach Wunsch – Platz vier im Riesenslalom. Neunmal in Folge war der österreichische Skistar davor im Weltcup im Riesenslalom auf dem Podium gestanden. Jetzt erwischte es ihn ausgerechnet bei Olympia. Hirschers Frust war gewaltig. „Vierter“, sagte der 24 Jahre alte Gesamtweltcupsieger in der ersten Enttäuschung, „da kann ich ja auch gleich zu Hause bleiben“.

          Der Erzrivale: Marcel Hirscher

          So richtig warm mit den Spielen in Sotschi war Hirscher zuvor schon nicht geworden – nicht nur, weil sich die russische Bewerbung einst gegen die seiner Heimat Salzburg durchgesetzt hatte. All die Sicherheitsbedenken, das Grübeln darüber, ob Freunde und Familie überhaupt mitfliegen sollten zu Olympia, „das sind Gedanken, die wir uns eigentlich nicht machen sollten“, fand Hirscher. „Das sollte bei einem Fest wie Olympia selbstverständlich sein.“

          Gegen Tore und das Schleudertrauma: Felix Neureuther

          Doch nicht nur atmosphärisch, auch sportlich hatte Hirscher bisher seine Schwierigkeiten mit Olympia in Sotschi. Die hohen Temperaturen und der weiche Schnee kommen ihm nicht gerade entgegen, Hirscher fühlt sich auf harten, eisigen Pisten deutlich wohler. Und er ist auch lieber auf steileren Hängen unterwegs, steiler jedenfalls als dort, wo der olympische Riesenslalom ausgefahren wurde. Der sei eher „ein schöner Hang für ein Seniorenrennen“ gewesen, wie Peter Schröcksnadel fand, der Präsident des Österreichischen Skiverbands. „Auf diesem Hang“, sagte Hirscher, „war für mich nicht mehr drin“. Der Eindruck nach dem ersten Olympia-Auftritt fiel deshalb zwiespältig aus: „Es steht hier nicht alles unter einem guten Stern.“

          Ein Solo für einen Norweger?

          So könnte aus dem deutsch-österreichischen Duell plötzlich ein Solo für einen Norweger werden – den 19 Jahre alten Henrik Kristoffersen. Er verblüffte die Ski-Welt in diesem Winter regelmäßig mit Spitzenplätzen im Slalom, fuhr forsch, unbeschwert und bemerkenswert konstant. Bei den Slalom-Klassikern in den letzten Wochen vor Olympia schien er immer schneller zu werden – Platz drei in Adelboden, Platz zwei in Kitzbühel, Platz eins in Schladming. Kristoffersen schien vor lauter Erfolg gar nicht mehr zu wissen, wie ihm geschieht.

          Spätestens da begannen sich viele zu fragen: Wer ist eigentlich dieser Henrik Kristoffersen? Sein österreichischer Trainer Christian Mitter beschreibt ihn als „sehr disziplinierten Läufer“. Er war als Jugendlicher schon erfolgreich und bewältigte im vergangenen Winter ein gewaltiges Programm, startete oft in Europacup und unterklassigen Fis-Rennen, um sich in der Startreihenfolge nach vorne zu arbeiten. Das ging irgendwann auf Kosten der Kräfte, Spitzenresultate im Weltcup blieben noch aus, bei der Weltmeisterschaft in Schladming schied er im Slalom im zweiten Lauf aus, im Riesenslalom wurde er Zwanzigster. Die Resultate holte Kristoffersen dann in dieser Saison nach – als er, so sein Trainer, „den sechsten Gang“ fand.

          Beim Fis-Rennen in Schladming landete Henrik Kristoffersen (Mitte) vor Marcel Hirscher (links) und Felix Neureuther.

          Auf den setzt er nun auch bei Olympia, und wie cool die Norweger dort auftreten, ist hinlänglich bekannt. Kein Skirennfahrer war bei den Spielen erfolgreicher als Kjetil-Andre Aamodt mit acht Medaillen, davon vier goldene. In Sotschi gewann Kjetil Jansrud überraschend Gold im Super-G und Bronze in der Abfahrt. Jetzt kann Kristoffersen nach Platz zehn im Riesenslalom den nächsten Coup landen. Die Lockerheit und Unerschrockenheit der Norweger bei Großereignissen hat auch damit zu tun, dass die Alpinen, was die öffentlichen Erwartungen im eigenen Land angeht, gewöhnlich im Windschatten ihrer prominenten nordischen Kollegen unterwegs sind. Macht Henrik Kristoffersen so weiter wie bisher, könnte das aber zumindest an diesem Samstag anders sein.

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