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Quarantäne oder Training : Nordische Variation

Trainieren geht über Isolieren: Vinzenz Geiger im Fluge Bild: dpa

Eric Frenzel sitzt im Hotel fest, Nachzügler Manuel Faißt soll nicht starten, Vinzenz Geiger leidet als Kontaktperson unter den Regeln. Was wohl der erste Wettkampf für die deutschen Kombinierer bringt?

          2 Min.

          Aus dem Computer spricht plötzlich eine Stimme. „Hallo“, sagt Eric Frenzel. Man kann ihn nur hören, nicht sehen. In seinem Zimmer im Quarantänehotel ist die Internetverbindung nicht gut genug, um sich mit Video in das Gespräch einzuschalten, das der Deutsche Skiverband am Dienstagmittag organisiert hat. „Mir geht’s gesundheitlich sehr gut – soweit ich das einschätzen kann“, sagt Frenzel, 33 Jahre alt, Nordischer Kombinierer, corona-positiv.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          In Sotschi 2014 und Pyeongchang 2018 hat er für Deutschland Gold gewonnen. In Peking, bei seinen wahrscheinlich letzten Olympischen Spielen, sollte es noch eine Medaille werden. Jetzt, fünf Tage und mehrere positive Tests nach seiner Ankunft in China, sitzt er immer noch in dem Hotel fest. Er kann höchstens zuschauen, wenn an diesem Mittwoch der erste Wettkampf in der Nordischen Kombination aus­getragen wird. „Ich hoffe, dass es übertragen wird“, sagt Frenzel. In seinem Zimmer empfängt er nur chinesisches Fernsehen.

          Vier Stunden später. Skisprungschanze in Zhangjiakou. Man kann Eric Frenzel hier nicht hören, aber sehen. Auf dem großen Bildschirm, wo die neuesten Ergebnisse des Sprungtrainings angezeigt werden, steht zumindest sein Name. Dahinter drei Buchstaben: DNS. Did not start. Ist nicht angetreten. Das steht auch hinter dem Namen des Norwegers Jarl Magnus Riiber. Er, der Weltmeister, der Olympia-Favorit, ist in China, muss am Mittwoch aber auch aussetzen. Klar, Corona.

          Am Tag vor der ersten Medaillenentscheidung in der Nordischen Kombination kann man besonders gut beobachten, wie das Virus und die Maßnahmen, die die Organisatoren in China durchsetzen, die Olympischen Spiele verändern. Man muss dafür nur immer wieder die Perspektive wechseln. Vom Computer mit Eric Frenzels Stimme zur Skisprungschanze in Zhangjiakou und wieder zurück.

          Wenigstens Ergometer und Hanteln

          Aus dem Computer spricht plötzlich eine neue Stimme. Sie gehört keinem Menschen, sondern einer Maschine. Auf Deutsch sagt sie: „Hallo, dein Mittag­essen.“ Man hört, wie Eric Frenzel sich bewegt. Der Essensservice ist da. Was gibt’s? „Ich habe noch nicht rein­geschaut“, sagt Frenzel, als er wieder ins Mikrofon spricht. Das Essen schmeckt ihm aber. Mit seinem neuen Zimmer ist Frenzel ohnehin zufrieden.

          Und mit dem alten? Als er seine drei Taschen in dieses stellte, sei dort kein Platz mehr gewesen. „Ich konnte zwei Schritte gehen, dann war ich im Bad, einen Schritt, dann war ich am Esstisch, einen Schritt, dann war ich im Bett.“ Außerdem löste sich die Tapete von der Wand. Und sauber sei’s auch nicht gewesen. Mit der Hilfe seines Verbands konnte er umziehen. Jetzt habe er drei- bis viermal so viel Platz – und ein Ergometer und Hanteln.

          Zurück zur Skisprungschanze in Zhangjiakou. Am Dienstag springt im Training nur ein Deutscher: Manuel Faißt, der nach den Corona-Fällen von Eric Frenzel und Terence Weber eingeflogen worden ist. Für den ersten Wettkampf ist er aber nicht nominiert worden. Das Problem: Wenn er einmal mitmacht, darf er nicht mehr ausgewechselt werden. Dann wäre entweder Frenzel oder Weber nicht mehr einsatz­berechtigt. An diesem Mittwoch starten deswegen nur drei Deutsche.

          Darunter auch Vinzenz Geiger, der Dritte des Gesamtweltcups. Als Kontaktperson von Frenzel und Weber wurden ihm in der Vorbereitung eigene Regeln vorgeschrieben. Er muss mit einem anderen Bus fahren. Und durfte während des Sprungtrainings nicht den Lift benutzen. Einmal, so sagte es der Bundestrainer Hermann Weinbuch der Deutschen Presse-Agentur, sei er erst fünf Minuten vor seinem Sprung oben auf der Schanze gewesen. „Man kann gar nicht mit ihm arbeiten. Und so ist er auch gesprungen. Das war sehr, sehr schwierig für ihn.“

          Aus dem Computer spricht Eric Frenzel und erzählt, was für ihn schwierig war. Der Positivtest, das Quarantänehotel, das erste Zimmer, der erste Abend. „Das war für mich das Schwierigste.“ Seine Familie, Freunde und auch Fans munterten ihn mit ihren Nachrichten wieder auf. Er hofft, dass er noch an den Start gehen, seine Leistung zeigen kann. Davor hat er aber noch einen anderen „größten Wunsch“: Endlich „rausgehen zu können“.

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