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Harsche Kritik bei Olympia : Quarantänebedingungen in China „unzumutbar“

Leiden in der chinesischen Corona-Quarantäne: Eric Frenzel Bild: dpa

Wer bei Olympia einen positiven Corona-Test hat, muss in ein Quarantäne-Hotel. Wie Eric Frenzel. Nun übt der Chef des deutschen Teams deutliche Kritik an den Zuständen dort. Die Mängelliste ist lang.

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          Dirk Schimmelpfennig, der bei den Olympischen Spielen als Chef de Mission dem deutschen Team vorsteht, hat harsche Kritik an den Quarantänebedingungen geäußert, die betroffenen Athleten das Leben schwer machen würden. So bezeichnete er die Unterbringung von Eric Frenzel als „unzumutbar“. Es sei notwendig, im Fall des 33 Jahre alten Nordischen Kombinierers „beschleunigt zu einer Optimierung zu kommen“. Später am Samstag durfte Frenzel in ein anderes Zimmer umziehen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Das Quartier, in dem sich der Doppel-Olympiasieger von 2014 und 2018 zunächst aufhielt, weise diverse Mängel auf. Es sei zum einen „nicht groß genug“, sagte Schimmelpfennig auf einer Pressekonferenz des Deutschen Olympischen Sportbundes am Samstagmittag (Ortszeit) in Zhangjiakou. Frenzel war bei der Anreise nach Peking wie auch sein Teamkollege Terence Weber positiv auf das Coronavirus getestet worden.

          Schimmelpfennig rief das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Pekinger Organisationkomitees der Winterspiele (BOCOG) dazu auf, schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass betroffene Sportler wie Frenzel oder der deutsche Eiskunstläufer Nolan Seegert, der am Mittwoch als erster deutscher Sportler positiv getestet worden war, in „hygienisch sauberen“ Verhältnissen untergebracht würden und „ihr Essen regelmäßig bekommen“.

          Auch bei der Abnahme der PCR-Test, die klären sollen, ob die Virusinfektion nach wie vor vorliegt, müsse eine größere „Verlässlichkeit“ erreicht werden, verlangte Schimmelpfennig. Professor Bernd Wolfarth, der deutsche Olympiaarzt, sagte, dass Frenzel, Weber und Seegert bislang „durchgängig symptomfrei“ gewesen sind, „das ist eine gute Nachricht“. Er und weitere Mediziner aus dem deutschen Team stünden regelmäßig mit ihnen in Kontakt.

          „Er war mental wirklich am Ende“

          Von Seegert wurde berichtet, dass er alsbald voraussichtlich in „ein größeres Zimmer“ werden umziehen können, in dem er über eine bessere Internetverbindung verfügen soll, mit der mit der Außenwelt störungsfreier kommunizieren kann, und zudem mehr Platz besitzt, um auch Trainingsgeräte aufzustellen. So habe die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft spontan ihre Hilfsbereitschaft angeboten, sagte Schimmelpfennig, und Seegert Teile ihres Equipments bereitgestellt. Mindestens zwei negative PCR-Test sind vonnöten, um die Quarantäne wieder verlassen zu können.

          Schimmelpfennig stellte die Möglichkeit in Aussicht, dass Frenzel, Seegert und Weber die „Perspektive“ für eine Teilnahme an einem Wettkampf im weiteren Verlauf dieser Winterspiele „zurückbekommen“ könnten. Unter einer Bedingung: Die Gesundheit muss es zulassen. Frenzel zeigte am Samstag weiterhin keine Symptome und könnte deshalb sein Ausdauertraining wieder aufnehmen. Dazu soll er ein Fahrradergometer bekommen. Ein wichtiges Hilfsmittel für Körper – und Geist.

          Die Umstände der Quarantäne-Unterbringung der deutschen Sportler ist schon deshalb bemerkenswert, weil es die deutschen Rodler waren, die nach dem ersten Weltcup der Saison im Herbst in Yangqing über unhaltbare Zustände bei der Quarantäne durch die chinesischen Organisatoren geklagt hatten. Danach war der DOSB an das IOC herangetreten und hatte auf Verbesserungen bei den Olympischen Spiele gedrungen. Diese waren zugesichert worden. Die Zusicherung, so sind die Äußerungen bei aller Diplomatie Schimmelpfennigs hinsichtlich der Verbesserungsbemühungen der vergangenen Tage und Stunden zu deuten, ist nicht erfüllt worden.

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