https://www.faz.net/-hfn-8k544

Deutsches Handballteam : Von Schweden sind die „Bad Boys“ nicht zu stoppen

Läuft doch! Torhüter Wolff und Kreisläufer Wiencek freuen sich Bild: Reuters

Die DHB-Auswahl startet gegen Schweden erfolgreich in das olympische Turnier. Doch der Europameister gibt mehrfach einen Vorsprung aus der Hand. Ein Kuriosum gelingt Torhüter Andreas Wolff.

          2 Min.

          „Viele komische Varianten“ hat Bundestrainer Dagur Sigurdsson, wie er lächelnd erzählte, am Sonntag im Spiel seines Teams gesehen „mal mit zwei, mal mit drei Kreisläufern“. Nach sechzig Minuten wurden die deutschen Handballer sogar allesamt zu Kreisläufern, als sie jubelnd Arm in Arm im Uhrzeigersinn herumhüpften. Aber nur ein ganz kleines Stück, denn das olympische Turnier hat mit dem turbulenten 32:29-Sieg gegen Schweden erst begonnen, da ist laut Sigurdsson „Regeneration ganz wichtig“.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Am besten soll es aus deutscher Sicht acht Partien und zwei Wochen lang dauern soll, bis zum Finale. Also genau wie im Januar, als ebenfalls mit einem Sieg gegen Schweden, einem 27:26, damals nach verkorkstem Turnierstart und deutlichem Pausenrückstand, der wundersame Weg des deutschen Teams zum Europameistertitel begann – und das Spiel, in dem mit dem überragenden Torwart Andreas Wolff ein neuer Star die Bühne betrat.

          Mächtige Erscheinung, geschmeidige Paraden

          Diesmal brauchte Wolff zehn Minuten, um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken und den schwedischen Werfern mit seiner mächtigen Erscheinung und den geschmeidigen Paraden im Weg zu stehen. Als einziger im Team hatte er am Freitagabend auf die Teilnahme an der Eröffnungsfeier verzichtet, um seinen gewohnten Schlafrhythmus nicht zu stören. Er zeigte sich gegen Schweden nach kurzer Aufweckphase so ausgeschlafen wie immer.

          Ein früher Angriff mit sieben Feldspielern und ohne Torwart hatte durch ein Gegentor ins unbewachte Netz zum 1:4 geführt, doch mit einem 6:1-Lauf, flankiert durch Wolffs erste Parade, hatte das deutsche Team das Spiel in den Griff bekommen. Vor allem Julius Kühn hielt den Europameister mit sechs Toren aus dem linken Rückraum bis zur Pause stets am Drücker, obwohl die Schweden immer wieder herankamen und mehrfach ausglichen. Einmal traf Wolff, als die Schweden ebenfalls einen Angriff ohne Torwart riskiert hatten, nach gelungener Abwehr mit einem langen Wurf vom eigenen Siebenmeterraum ins leere schwedische Tor.

          Es läuft wieder! Deutschlands Handballer siegen gegen Schweden Bilderstrecke
          Olympia Handball : Deutschland gegen Schweden

          „Ein Spiel in Augenhöhe, bei dem wir einen Tick besser waren“, erlebte Sigurdsson, wobei er „fairerweise“ einräumte, „dass wir von der Verletzung von Lukas Nilsson und der Roten Karte von Tobias Karlsson profitierten“. Der Jungstar der Schweden war schon nach wenigen Minuten umgeknickt. Ihr Kapitän hatte kurz nach der Pause von den eifrig Zeitstrafen verteilenden Schiedsrichtern bereits die dritte und damit ausschließende Strafe erhalten.

          In der zweiten Halbzeit schien sich das deutsche Team einige Male seiner Sache zu sicher zu sein. Der Viertore-Vorsprung nach dem 20:16 durch Kühns siebtes Tor wurde bis zum 20:19 fast hergeschenkt, ehe man wieder auf 23:19 wegzog. Dann schmolz dieses kommode Polster vollständig ab bis zum 23:23, ehe zwei Kontertore des Rechtsaußen Uwe Gensheimer das 25:23 brachten, das man dann auch wieder hergab. So ging das weiter bis in die letzten Minuten, ehe man die Schweden endlich auf Abstand zu halten vermochte. „Immer wenn sie heran kamen, haben wir die Ruhe bewahrt“, fand Rückraumspieler Fabian Wiede. „Wir sind halt ein junges Team“, erklärte Gensheimer die Schwankungen, „aber wir haben nie den Kopf verloren. Wir haben gezeigt, dass wir mit Drucksituationen umgehen können.“

          Unter anderem mit der ganz neuen Drucksituation, die der EM-Sieg und der davon ausgelöste neue deutsche Handball-Boom, mit steigendem Sponsoren-Interesse und Rekorden beim Dauerkartenverkauf der Klubs, ausgelöst hat. Im Januar war das Land von diesem Team und dem Titel überrascht und freudig überwältigt worden. Inzwischen wird heimlich schon wieder etwas Ähnliches erwartet. Den inneren Druck, der mit äußerer Erwartung einhergeht, zu beherrschen wird eine der Aufgaben, die das Team bei Olympia anders als der EM bewältigen muss – was zum Auftakt schon recht gelungen ist.

          „Jetzt gehen wir mit Selbstvertrauen ins nächste Spiel“, fand Gensheimer. Gegner ist am Dienstag Polen. „Wenn wir unsere Dinge richtig machen, können wir nur gewinnen.“ Wiede sieht das Team „nach der langen Vorbereitung gut in Form“ und verspricht „weiter Vollgas“. Trainer Sigurdsson aber will, wegen der zu erwartenden Belastung durch „das dichte Programm“ mit weiteren Spielen gegen Brasilien, Slowenien, Ägypten und bis zu drei K.o.-Gegner, ein paar Kräfte schonen und sein Team kräftig durchwechseln. Wie man das macht? „Stück für Stück mehr Leute ins Wasser werfen.“

          Topmeldungen

          Corona-Teststation auf der Insel Ibiza

          Neues Corona-Medikament : Die Herbstzeitlose gibt Hoffnung

          In einer großen Covid-19-Studie soll der Pflanzenwirkstoff Colchicin überzeugt haben. Mit ihm wäre ein leicht verfügbares und preiswertes Mittel im Kampf gegen die schweren Krankheitsverläufe gefunden.

          Vendée Globe : Herrmann kollidiert mit Fischerboot – Dalin als Erster im Ziel

          Bei der härtesten Segelregatta der Welt überfährt Charlie Dalin als Erster die Ziellinie. Und dennoch ist der Franzose wohl nicht Sieger der Vendée Globe. Boris Herrmann entgeht auf der Jagd nach dem Podium nur knapp einer Katastrophe.

          Kulturkampf von oben : Frankreich streitet über seine Karikaturisten

          Vor einer Woche führte ein Dialog zweier Pinguine zum Shitstorm bei „Le Monde“. Jetzt zeichnen Frankreichs Karikaturisten auffällig brav. Zugleich bezichtigt ein Medienkritiker die Zunft des Kulturkampfs gegen Minderheiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.