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Handball-Bundesliga : Aufschwung mit Grenzen bei den Löwen

  • -Aktualisiert am

Reine Kopfsache: Die Rhein-Neckar Löwen stemmen sich mit frischem Mut gegen den THW Kiel – doch der Tabellenführer siegt 27:21. Bild: dpa

Die Mannheimer haben unter ihrem neuen Trainer Martin Schwalb wieder Spaß am Handball. In Kiel gibt es nun aber trotzdem einen Dämpfer. Dort ist man sehr erleichtert, den nächsten Brocken aus dem Weg geräumt zu haben.

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          Es sind andere Rhein-Neckar Löwen, die seit Ende Februar in der Handball-Bundesliga auftreten. „Martin Schwalb hat uns die Freude am Handball zurückgegeben“, sagt Andy Schmid, der Spielmacher und Kopf der Löwen. „Du brauchst als Mannschaft einfach einen Chef, der uns zeigt, wie er es haben will, einen, der eine klare Richtung vorgibt.“ Acht Monate hatte Kristján Andrésson vorher versucht, die Löwen bei seinem ersten Cheftrainer-Job im deutschen Handball-Oberhaus auf Kurs zu bringen. Das war misslungen, und der Klub entließ ihn folglich vor knapp drei Wochen. Alles, was jetzt aus der Mannschaft an Aussagen zu Andrésson kommt, legt man natürlich gegen den jungen Trainer aus Schweden aus. Dem trat Schmid entgegen: „Es war nicht alles schlecht mit ihm.“ Doch in den ersten Spielen mit Schwalb mit drei Siegen merkte man dem Team sofort an, wie dringend es einen Anführer auf der Bank benötigt hat.

          Das war auch am Sonntag in Kiel nicht anders. „Schwalb kommt in die Halle, er hat eine Aura, alle wollen was von ihm. Keiner will was von uns. Er nimmt den ganzen Druck weg, und wir können uns allein um Handball kümmern“, sagte Schmid. Vorher hatten sich Schmid und andere Führungsspieler um vieles kümmern müssen, was eigentlich Trainersache ist. Das ist nun vorbei – und wie von der Leine gelassen legten die Löwen eine mutige, starke erste Halbzeit hin und führten 15:13 in Kiel. Die Sparkassen-Arena war still, der Tabellenführer wankte. Doch letztlich war er obenauf – 27:21.

          „In der zweiten Halbzeit haben wir leider keine guten Lösungen mehr gefunden“, sagte Schwalb. Mit einer 7:1-Torfolge legte der THW, gestützt auf Torwart Niklas Landin und Anführer Domagoj Duvnjak, den Grundstein für den Sieg, der am Ende zu hoch ausfiel. Nur sechs Tore gelangen den Löwen in der zweiten Halbzeit. Schwalb hin oder her: Da kam dann nicht mehr viel aus dem Kader, der geschwächt ist, weil Alexander Petersson mit einer Grippe ausfiel und Uwe Gensheimer verletzt ist. Trotzdem, weil auch den Kielern nicht alles gelang, waren die Löwen in der 47. Minute auf 19:20 herangekommen. Doch immer, wenn es knapper hätte werden können, hielt Landin einen Ball, oder die Löwen-Variante mit einem siebten Feldspieler missglückte. Drei Bälle warfen die Kieler ins leere Löwen-Tor.

          Schwalb hat als Trainer des HSV Handball zwischen 2005 und 2014 viele Schlachten in der Ostseehalle geschlagen. Nun kehrte er nach langer Pause zurück und war sofort im Kampfmodus. Er jubelte, er kommandierte, er nahm die Spieler in den Arm – da saß eindeutig ein Chef auf der Bank, und nicht wenige bei den Löwen fragten sich, was mit ihm als Trainer so alles möglich gewesen wäre: „Wir haben Kiel eine Halbzeit in deren Halle so dominiert, wie man Kiel eben dominieren kann“, sagte Schmid, „es wäre mehr möglich gewesen heute.“ Und Rechtsaußen Patrick Groetzki ergänzte: „Eine solche Leistung hätte ich vor ein paar Wochen nicht für möglich gehalten.“

          Schwalb wirkte gelassen, wollte nicht zu viel auf sich und seinen Anteil geben: „Sobald ich in der Halle bin, habe ich andere Gedanken als die, wie ich vielleicht wirke. Ich will nicht sagen, es war business as usual. Aber es ist keine besondere Situation. Ich mache mir Gedanken über meine Mannschaft und meine Aufgabe hier.“ Diese Einstellung, kombiniert mit Siegermentalität, soll Schwalb auch auf die Rhein-Neckar Löwen übertragen. Man hat ihn als Trainer des HSV schon ganz anders in Kiel erlebt als am Sonntag. Aber das ist ja auch schon ein paar Jahre her.

          Beim Gegner in Kiel hatte man gewusst, dass der Trainerwechsel frische Kräfte bei den Löwen freigesetzt hatte. „Hier hat zwar der Sechste beim Ersten gespielt, aber es war ein Spitzenspiel mit allem Drum und Dran“, sagte der Kieler Trainer Filip Jicha. „Wir sind auf einen sehr selbstbewussten Gegner getroffen.“ Manager Viktor Szilagyi lobte, dass die Löwen eine ganz andere Körpersprache hätten als bislang: „Sie sind sehr mutig in die Zweikämpfe gegangen.“ Doch für mehr als einen Achtungserfolg langte es für Schwalb bei seiner Rückkehr in die Ostseehalle nach mehr als 2100 Tagen eben doch nicht. Es wäre auch vermessen, zu erwarten, dass der Coach quasi durch Handauflegen alle Probleme der Löwen beseitigen könnte.

          In Kiel war man sehr erleichtert, den nächsten Brocken aus dem Weg geräumt zu haben. Der THW hat keine Verletzungssorgen, das Team wirkt vollkommen fokussiert auf den Gewinn des Meistertitels und von Trainer Jicha sehr gut geführt. Doch auch in einem funktionierenden Kollektiv braucht es manche Individualisten, um ganz oben anzukommen – das waren am Sonntag wieder einmal Landin und Duvnjak.

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