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Box-Weltmeister Joshua : Bereit für den Megafight

  • -Aktualisiert am

Nach dem Fight ist für Anthony Joshua vor dem Fight: „Ich muss noch einen Gürtel einsammeln“ Bild: AFP

Der britische Superstar Anthony Joshua untermauert seine Ansprüche, die Nummer eins im Schwergewicht zu sein. Fehlt nur noch der Vereinigungskampf mit WBC-Weltmeister Tyson Fury.

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          Da war sie wieder, seine Lieblingswaffe. Anthony Joshua holte den Aufwärtshaken im dritten Durchgang aus dem Futteral, um seinen Gegner, den Bulgaren Kubrat Pulev, nach einem ersten Niederschlag abermals zu Boden zu bringen. Als es auch dann noch mal weiterging, setzte er nach – entschlossen, aber nicht bedingungslos. Die Gelegenheit zum vorzeitigen Triumph würde vermutlich wiederkommen, sozusagen auf Wiedervorlage. Und siehe da: Einige Momente später, in Runde neun, ging alles wie von selbst. Eine ganze Serie von Aufwärtshaken führte jetzt zum dritten Niederschlag; ein harter Cross bewirkte Nummer vier und zugleich das Ende der Show.

          Etwa 1000 ausgesuchte Zuschauer in der Londoner Wembley Arena haben in der Nacht auf Sonntag einen Lernschritt erleben können. Im April 2017 hatte sich der 1,98 Meter große Modellathlet aus Watford bei dem Versuch, Wladimir Klitschko aus dem Kampf zu nehmen, noch völlig ausgepumpt. So sehr, dass er in der gleichen Runde völlig entkräftet selbst zu Boden ging und angezählt wurde. Die Entthronung des dominanten Schwergewichts aus der Ukraine gelang zwar noch, wäre jedoch um ein Haar am hastigen Sturm und Drang gescheitert. Jetzt, im Duell mit Kubrat Pulev, dem bulgarischen Pflicht-Herausforderer der IBF, zeigte sich der einstige Olympiasieger gereifter. Intelligente Boxer machen im Laufe ihrer Ringkarriere eben eine Entwicklung durch: Sie hüten sich davor, fatale Fehler noch einmal zu begehen. Manchmal werden sie dafür mit einem dieser funkelnden Championgürtel belohnt. Manchmal, wie in diesem besonderen Fall, sind es deren gleich drei. Der frühere Olympiasieger, der unter dem Label „AJ“ firmiert, ist ja nicht irgendeiner unter rund 70 Champions, die vier Weltverbände in allen Gewichtsklassen führen. Er hat den Anspruch, die eindeutige Nummer eins im Schwergewicht, also der König aller Klassen zu sein. Da gehört ein deutlicher Sieg über einen 39-jährigen, wenn auch sehr robusten Bulgaren zu den höfischen Pflichten.

          Aber was ist schon selbstverständlich in diesem sonderbaren Limit? Im Sommer 2019 hatte Joshua seine Trophäen der Weltverbände WBA, IBF und WBO in New York sensationell gegen den unbesungenen Andy Ruiz jr. verloren. Ein peinlicher Ausrutscher, der sich ein halbes Jahr darauf im saudi-arabischen Diriyah korrigieren ließ.* Besonders angriffslustig hatte er bei dem keimfreien Punktsieg allerdings nicht gewirkt. Weshalb die meisten Fachblätter sowie unabhängige Internetportale dazu übergingen, ab sofort Joshuas englischen Landsmann Tyson Fury als Maß aller Dinge zu führen. Der konnte im Februar den schlaggewaltigen WBC-Champion Deontay Wilder aus den Vereinigten Staaten in furioser Manier bezwingen.

          Höchste Zeit also für Joshua, sich mit einer überzeugenden Vorstellung wieder ins Licht zu stellen. Die Mission gelang, weil der 31-jährige sich in seinem 25.Profikampf (24 Siege, davon 22 vorzeitig) nie wirklich hinreißen ließ. Nicht beim Wiegetermin, als ihn Pulev bedrohlich anpöbelte und die Security-Leute in Alarmstimmung versetzte. Und nicht im Seilgeviert, wo man ihm Spuren von Ringrost nach einjähriger coronabedingter Pause zunächst anmerkte. Sein vier Zentimeter kleinerer Widersacher blieb auch in Abwesenheit von dessen Cheftrainer Ulli Wegner zudem länger im Kampf, als viele es ihm zugetraut hatten. Und versuchte immer wieder, ihn mit Finten, Blicken oder Sprüchen zu irritieren.

          Chancenlos: Kubrat Pulev (l.) geht gegen Anthony Joshua k.o.
          Chancenlos: Kubrat Pulev (l.) geht gegen Anthony Joshua k.o. : Bild: Andrew Couldridge/AP

          Mancher Beobachter fühlte sich wohl daran erinnert, wie Pulev vor seinem ersten WM-Versuch 2014 gegen Wladimir Klitschko befand, der Weltmeister boxe „wie ein Mädchen“. Auch damals wurde „The Cobra“ mit einer Abbruchniederlage bestraft. In den Szenarien für die Zukunft spielt der giftige Routinier (28 Siege, 2 Niederlagen) jedoch keine Rolle mehr. Da geht es vielmehr um den Showdown zwischen Joshua und Fury, der neben zigmillionen Pfund auch eine neue, lange nicht mehr gekannte Begeisterung um einen Gipfel in der Königsklasse lostreten könnte. Es ist der Megafight, für den Joshua sich in diesen Tagen schon häufiger bereiterklärt hat. „Ich muss noch einen Gürtel einsammeln“, ließ er sich schon vor dem Kampf in Wembley vernehmen, der ihm und Promoter Eddie Hearn wegen der Zuschauer-beschränkungen deutlich weniger Einnahmen als sonst eingebracht hat. „Und wer immer ihn hat – ich bin entschlossen, gegen diese Person zu kämpfen.“

          *Anmerkung der Redaktion

          In einer vorherigen Version dieses Artikels stand, dass Ruiz Mexikaner ist. Er ist allerdings Amerikaner, der in Kalifornien geboren ist. Zudem hieß es, dass Joshua in Saudi-Arabien verlor. Das stimmt nicht. Die Niederlage im Sommer 2019 war in New York, der Rückkampf, den Joshua ein halbes Jahr später gewann, fand in Diriyah statt. Wir haben beides korrigiert.

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