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Großer Preis von Wiesbaden : Wie ein geölter Blitz

  • -Aktualisiert am

Beflügelt: Sieger Kamal Bahamdan nimmt auf seiner Stute Noblesse des Tess die Hindernisse im Schlosspark Bild: Michael Kretzer

Der saudi-arabische Springreiter Bahamdan gewinnt den Großen Preis von Wiesbaden. Das ist freilich keine Überraschung: Mit der Stute gehörte er 2012 zur olympischen Bronze-Equipe.

          Spätestens seit Pfingstmontag kennt man in Wiesbaden die Nationalhymne des Königreichs Saudi-Arabien. Sie wurde im ehrwürdigen Schlosspark zu Biebrich gespielt. Und das nicht etwa im Rahmenprogramm für folkloristische Gastauftritte galoppierender Wüstensöhne. Nein, der Sieger des Großen Preises von Wiesbaden 2015 kommt aus Saudi-Arabien und heißt Kamal Bahamdan. Mit seiner französischen Stute Noblesse des Tess gelangen dem 45 Jahre alten Reiter im ersten wie im zweiten Umlauf fehlerfreie Runden, beim zweiten Mal war er mit 45,45 Sekunden Schnellster unter allen Tadellosen – das brachte ihm den Sieg und ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro, das wahrscheinlich nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Saudi-Arabiens Springreiter dürften zu den bestausgestatteten Sportlern der Welt gehören. Mit seiner flinken Schimmelstute übertrumpfte Bahamdan manch einen Crack mit großem Namen: Zweiter zum Beispiel wurde Christian Ahlmann aus Marl mit Taloubet, dem Hengst, mit dem er 2011 in Leipzig Weltcupsieger war (45,93 Sekunden) und der sich zur Freude der ganzen Szene von einer schweren und langwierigen Verletzung wieder erholt hat. Zu den Geschlagenen gehörten auch Bahamdans Trainer Ludger Beerbaum (Platz 7 mit Zinedine), der Nachwuchs-Crack Bertram Allen aus Irland (Achter mit Quiet Easy) oder auch Wiesbadens Eingeborener und Weltcupsieger von 2014 Daniel Deußer (nicht im zweiten Umlauf mit Toulago).

          Dass Saudis im Springreiten auftrumpfen – darüber staunt die Branche schon lange nicht mehr. Immer wieder katapultieren sich Pferdesportler aus dem Wüstenland wie geölte Blitze direkt an die Spitze des internationalen Top-Sports. Erstmals fiel einer von ihnen bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney auf: Khaled al Eid gewann die Bronzemedaille in der Einzelwertung. Bei den Welt-Reiterspielen 2010 in Kentucky beeindruckte Abdullah al Sharbatly mit Platz zwei. Vor knapp drei Jahren dann der bisherige Höhepunkt: In London 2012 erkämpften sich Saudi-Arabiens Springreiter die olympische Bronzemedaille – weit vor der deutschen Equipe, die es nicht einmal in den zweiten Durchgang schaffte.

          Aber natürlich haben die Wunder im Pferdesport eine ganz irdische Ursache: Hier geht es ums Geld. Es heißt, bei dem dritten Platz der saudi-arabischen Springreiter handele sich um die teuerste olympische Medaille aller Zeiten. Angeblich hatten die Saudis 40 Millionen Euro dafür ausgegeben, wobei der größte Posten die siebenstelligen Preise für Spitzenpferde sind. An denen logischerweise die alte Welt ordentlich verdient. Auch Noblesse des Tess wurde für London gekauft, auch Kamal Bahamdan gehörte zur Bronze-Mannschaft.

          Reisekosten aus der Privatkasse

          Wie man in Wiesbaden sah, ist die Stute immer noch in Topform. „Unser wichtigstes Ziel sind die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Rio“, sagte er jetzt in Wiesbaden. Der Saudi Equestrian Fund, den 2009 König Abdullah per Erlass ins Leben rief, wird bis dahin noch reichlich sprudeln und zum Beispiel einen internationalen Pferdesport-Manager wie Jan Tops noch reicher machen, als er sowieso schon ist. Aber auch Ludger Beerbaum wird profitieren: Dieses Jahr ist Bahamdan mit seinen Pferden an Beerbaums neues Trainingszentrum in Riesenbeck gezogen und erhält den Feinschliff nun vom vierfachen Olympiasieger in Deutschland.

          Nur am Rande sei erwähnt, dass das Internationale Olympische Komitee weiter darum ringen muss, dass Saudi-Arabien auch Sportlerinnen zu den nächsten Spielen entsendet. Und dass der Saudi Equestrian Fund den international gefeierten Einsatz der Springreiterin Dalma Rushdi Malhas bei den Youth Olympics 2010 in Singapur nicht finanziert hat. Dafür waren die königlichen Millionen nicht vorgesehen. Die Reisekosten musste der Vater der Sportlerin aus seiner Privatkasse bestreiten. Vielleicht kann ja ein Blick auf das Ranking der Springsport-Serie Rider’s Tour den saudischen Sportpolitikern einen kleinen Hinweis darauf geben, welche Rolle die Frauen im Sport aufgeklärter Gesellschaften spielen: Nach drei Veranstaltungen liegt da Kamal Bahamdan an zweiter Stelle. Hinter einer Frau: Janne-Friederike Meyer aus Hamburg, in Wiesbaden mit Goja Fünfte.

          „Wiesbaden wird bunter“

          Dort hatte am Pfingstmontag aber niemand Lust auf Diskriminierungs- und andere Menschenrechtsdiskussionen, zumal der Reiterverband von Qatar schon im zweiten Jahr Hauptsponsor des Pfingstturniers ist. So freute man sich beim Wiesbadener Reit- und Fahrclub ganz besonders über den Sieger aus einem weiteren muslimischen Land. „Wiesbaden“, sagte etwa Turnierleiter Michael Krieger, „wird bunter.“ Zumal das Engagement der Qatarer nicht nur auf Pferdesport, sondern auch auf kulturellen Austausch und Geschäftsanbahnungen ausgerichtet ist. Die hohen Gäste ließen denn auch ausrichten, sie seien mit den Pfingsttagen in der hessischen Landeshauptstadt hochzufrieden.

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