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Galoppsport : Am Zügel des Wett-Riesen

  • -Aktualisiert am

Unter französischer Führung: die dort ansässigen staatlichen Wett-Riesen dominieren den Galoppsport Bild: dpa

Der deutsche Galoppsport steht mehr denn je unter französischem Einfluss. Selbst der Marktführer aus Iffezheim muss sich den dort ansässigen staatlichen Wett-Riesen anpassen.

          Für Galoppsport-Traditionalisten ist es ein Greuel. Der Ablauf des international wichtigsten Vollblut-Meetings in Deutschland ändert sich stetig. Längst vorbei sind die Zeiten, an denen nicht nur das Fach-Publikum wusste, wann welches Rennen der Großen Woche gelaufen wird. Doch auch der Marktführer in Iffezheim muss sich anpassen: Baden Racing muss Rücksicht nehmen auf den staatlichen Wett-Riesen aus Frankreich, die PMU.

          Denn wenn die Franzosen deutsche Veranstaltungen in ihr Wettprogramm aufnehmen, werden die Rennen in etwa 12.000 Annahmestellen in Frankreich bewettet. In Deutschland gibt es vielleicht 200. So beginnt die Große Woche am späten Freitagnachmittag. Und auch am kommenden Mittwoch wird wegen der PMU spät gestartet.

          Unbehagen mischt sich bei

          „Die Franzosen schätzen an uns, wie pünktlich und genau wir die Rennen abwickeln“, sagt Benedict Forndran. Er hat vor seiner Aufgabe als Geschäftsführer von Baden Racing selbst bei der PMU in Paris gearbeitet. Die in Frankreich getätigten Wettumsätze kommen den Rennvereinen und Aktiven in Deutschland zu Gute. Sie helfen, die Rennpreise zu finanzieren und zu erhöhen. Das wiederum bestärkt Züchter und Besitzer, tätig zu werden. Die jahrelange Abwärtsspirale im Galoppsport kann so gebremst werden.

          Doch es mischt sich auch Unbehagen bei, denn die PMU will mehrheitlich Anteile an der Wettgesellschaft der Rennvereine, German Tote, kaufen. Die Verträge stehen kurz vor der Unterzeichnung. Womöglich geschieht dies schon während der Großen Woche, denn das Meeting ist auch sportpolitisch von großer Bedeutung. Man kennt sich und trifft sich in Baden-Baden. Von den 22 Rennvereinen hat sich nur München offen gegen den Verkauf gestemmt. Die Furcht ist, dass die PMU zu viel Einfluss auf die Termingestaltung bekommt. Schon jetzt sind fast ein Drittel der rund 170 Renntage im Jahr von der PMU geprägt. Und die Deutschen sind so etwas wie der Lückenfüller im reichhaltigen Angebot der Franzosen. Das hat zur Folge, dass sich ähnlich wie in Frankreich an vielen PMU-Tagen nur wenige Menschen auf die Rennbahn verirren.

          Dabei ist der Galoppsport in Deutschland unter normalen Bedingungen attraktiv als Zuschauersport: Bei der Großen Woche rechnet der Veranstalter mit etwa 60.000 Besuchern an den sieben Renntagen. Für Forndran überwiegt bei dem PMU-Abkommen dennoch das Positive: „Es ist wie die Demokratie die am wenigsten schlechte Lösung. Im schlechtesten Fall ist man meiner Meinung nach mit dem Deal immer noch besser dran als im besten Fall ohne den Deal.“

          In einer Hinsicht blickt der Geschäftsführer ohnehin zuversichtlich auf die nächsten Tage: „Es ist sportlich gesehen die größte Große Woche in meiner fünfjährigen Amtszeit.“ Er begründet dies vor allem mit der Aufwertung von zwei der sechs Hauptrennen von der Europa-Kategorie Gruppe 3 in Gruppe 2. Höhepunkt des Meetings ist am Finaltag, dem 6. September, wieder der Große Preis von Baden (Gruppe 1). Es ist das Rennen mit der höchsten internationalen Reputation in Deutschland und ein gutes Sprungbrett für den Prix de l’Arc de Triomphe, der wichtigsten Galopp-Prüfung in Europa.

          Versteigerung beliebter als die Rennen selbst

          „Der Start von Derbysieger Nutan, von dem wir zuletzt Widersprüchliches gehört haben, ist abgesagt“, sagt Forndran. Der Hengst gehört dem Freiburger Banker Jürgen Imm, der Nutan auch selbst gezüchtet hat. Vor zehn Jahren hat er das Derby schon einmal gewonnen. Den Hengst Nicaron kaufte er auf der BBAG Jährlingsauktion, für 28.000 Euro. Die Versteigerung am rennfreien Freitag in einer Woche übt mittlerweile eine größere internationale Anziehungskraft als die Rennen selbst aus. „Deutsche Blutlinien sind sogar in den Vereinigten Staaten gefragt“, sagt BBAG-Geschäftsführerin Carola Ortlieb. Die Auktionsbilanz kann sich sehen lassen: Schon elf spätere Derbysieger sind in Iffezheim durch den Versteigerungsring gegangen.

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