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Handball : Serdarusic und der Lockruf des Scheichs

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Noka Serdarusic (rechts) hat sich mit 65 Jahren noch einmal neu erfunden Bild: Picture-Alliance

Die zusammengekaufte Handball-Truppe aus Paris ist europaweit unbeliebt. Wer nur mit den Geldscheinen wedelt, erreicht die Herzen der Fans nie – eine schwere Aufgabe für den früheren Bundesliga-Coach Trainer Noka Serdarusic.

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          Die Reise in die Vergangenheit beginnt an diesem Samstag (17.30 Uhr / Live bei Sky) in Flensburg. Noka Serdarusic dürfte Ende Juni geschmunzelt haben, als er sah, welche Gegner ihm die Auslosung der Champions-League-Gruppen bescherte. Flensburg, Kiel, Celje - diese drei Klubs decken mehr als 30 Jahre seiner langen Karriere als Handballtrainer ab.

          Mit diesen drei Teams muss sich sein neuer Klub Paris Saint-Germain messen - emotionale Begegnungen für Serdarusic, die an ganz unterschiedliche Phasen seines Lebens erinnern. Gefühle wird er höchstens nach innen zulassen. Nach außen gibt Serdarusic den Pragmatiker, will von der Pikanterie der Duelle nichts wissen. Ist ja auch alles lange her.

          Der alte Handballfuchs hat sich mit 65 Jahren noch einmal neu erfunden. Raus aus der Provinz, rein in die Metropole. Nachdem Serdarusic 2009 über die Handball-Manipulationsaffäre gestolpert und trotz Freispruchs in allen Anklagepunkten drei Jahre später auf dem deutschen Markt nicht mehr vermittelbar war, führte sein Weg über die slowenische Nationalmannschaft, RK Celje und eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit 2014 nach Frankreich.

          Das kleine Aix-en-Provence hielt Serdarusic in der Liga. Immer wieder wurde er mit großen Vereinen in Verbindung gebracht. Im Sommer war es so weit. Serdarusic unterschrieb beim reichsten Klub der Handballwelt. PSG: Gefördert mit den Millionen der „Qatar Sports Investment“, suchte Statthalter Nasser Ghamin Al-Khelaifi einen Trainer, der ihm die Champions League schenken würde. Serdarusic wurde auserkoren, seinen Ziehsohn Nikola Karabatic und dessen Bruder Luka nahm Serdarusic mit.

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          Er trainiert nun eine Mannschaft, die er selbst zu Kieler Glanzzeiten in dieser Ausprägung nicht besaß: Neben den Brüdern Karabatic, Mikkel Hansen und William Accambray sind es die Altstars Thierry Omeyer, Luc Abalo, Daniel Narcisse und Igor Vori, die bei PSG sattes Gehalt beziehen. Jüngst kam heraus, dass der dänische Shooter Hansen 85 000 Euro brutto pro Monat verdienen soll.

          Die zusammengekaufte Truppe ist europaweit unbeliebt. Wer nur mit den Geldscheinen wedelt, erreicht die Herzen der Fans nie. So ist es Serdarusics erste Aufgabe, aus großen Namen ein Team zu zimmern. Ein Hingucker und Hallenfüller ist PSG allemal. Und werden jüngere Flensburger Fans in Serdarusic den ehemaligen THW-Coach erkennen und auspfeifen, ist er für alte Weggefährten im Norden auch derjenige, mit dem die SG 1993 in die Bundesliga aufstieg.

          Im Team kommt Noka Serdarusic gut an

          Seine Geschichte in Kiel von 1993 bis 2008 ist wesentlich weitreichender. Mit ihm und Manager Uwe Schwenker wurde der THW zur stärksten Kraft in Europa. Über das im Februar 2009 beginnende Ende mit Schrecken will Serdarusic nicht mehr sprechen. Freispruch ist Freispruch, das ist seit dem Urteil 2012 sein Wahlspruch. Der in Mostar geborene ehemalige Kreisläufer wagt in der französischen Hauptstadt gemeinsam mit Ehefrau Mirjana den Neustart, während andere seines Alters Richtung Rente schielen.

          Im Team kommt Noka Serdarusic gut an. Omeyer, Karabatic und Narcisse kennt er noch aus Kiel. Sie helfen, wenn es sprachlich klemmt. Andere, wie Mikkel Hansen, sollen Abwanderungspläne beiseitegeschoben haben, als sie erfuhren, dass Serdarusic komme. Nun muss der Coach liefern, zwei Jahre läuft sein Vertrag. Dass er vorsorglich darauf hingewiesen hat, dass in der Champions League vier, fünf Teams ebenfalls Titelaussichten hätten - nämlich Barcelona, Veszprem, Kielce, Kiel und Flensburg -, wird beim Geldgeber verhallt sein. Allerdings hat das, was die Vorgesetzten sagen oder denken, Serdarusic nie besonders interessiert.

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