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Martin Heuberger : Unbeirrbarer Diener des Handballs

Klare Strategie: Martin Heuberger verfolgt seinen eigenen Weg Bild: dapd

Die Kritik am neuen Bundestrainer hat während der Handball- EM nachgelassen. Martin Heuberger gewinnt an Statur. An diesem Montag (18.20 Uhr) trifft sein Team auf Dänemark.

          3 Min.

          Die Schmerzen tauchen immer wieder auf, vor allem in diesen Tagen, die fordernd sind und nervenaufreibend. Martin Heuberger leidet unter einer Hüftarthrose, Folge seiner Laufbahn als Handballspieler. Bei größerer körperlicher Anspannung macht sie ihm heute noch zu schaffen, zum Beispiel bei der Europameisterschaft in Serbien. Heuberger lässt sich dann von den deutschen Physiotherapeuten behandeln, um sich gleich danach wieder in die Arbeit zu stürzen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Es gibt ja eine Menge zu tun, auch nachts, wo man ein bisschen mehr Ruhe hat, um sich mit der eigenen Taktik und den Besonderheiten des nächsten Gegners zu beschäftigen. Das war bei seinem Vorgänger Heiner Brand so, bei Heuberger ist das nicht anders. Der Einsatz hatte sich zuletzt ja auch gelohnt, mit dem Einzug in die Hauptrunde der EM, mit dem die zuvor schwachen Deutschen auch frische Hoffnung schöpften im Kampf um die Teilnahme an einem Olympia-Qualifikationsturnier. Das war eine kleine Befreiung für die Mannschaft und für Heuberger, der - seit langem ein Diener des Handballs - antreiben und wachrütteln will, der den Erfolg ins Land des Weltmeisters von 2007 zurückbringen möchte.

          Keine kühnen Aussagen

          Das ist ein schwieriges Unterfangen, trotz des Zwischenhochs, das sich in Nis angedeutet hatte, vor allem beim Sieg über Schweden. Und auch beim Unentschieden gegen Gastgeber Serbien am Samstagabend. Am Montag (18.20 Uhr/F.A.Z.-Ticker) trifft Deutschland nun auf Dänemark. Heuberger spürte Genugtuung, auch weil er - ungeachtet mancher Widerstände - konsequent seine Pläne umgesetzt hatte, er blieb aber auch zurückhaltend. Der bodenständige Schwarzwälder ließ sich nicht hinreißen zu kühnen Aussagen, er versuchte, die Situation weiterhin realistisch einzuschätzen.

          Es gehe um das große Ziel Olympia, betonte er immer wieder, um nichts anderes. Noch nie hatte es Olympische Spiele ohne ein deutsches Männerteam gegeben, und würde Deutschland in Serbien an seiner wichtigsten Herausforderung scheitern, würde sein Renommee noch einmal deutlich beschädigt werden. Heuberger ist sich dessen natürlich bewusst, aber er sagt auch deutlich, dass ein weiterer Rückschlag ihn nicht stoppen würde. „Auch dann ginge der Weg weiter.“ Nur ein bisschen anders als gedacht vielleicht, mit einem schnelleren Umbruch im Nationalteam. Heuberger, der ein loyaler Assistent der Handball-Ikone Brand war, musste innerhalb kurzer Zeit sein Profil schärfen, sich von dem Schatten Brands lösen.

          „Ich habe meine Strategie entwickelt“

          Er scheint dabei - offensichtlich unbeirrbar - klare Fortschritte zu machen. Obwohl er gleich am Anfang seiner Amtszeit in Turbulenzen geraten war, mit dem letzten Platz etwa beim traditionsreichen Supercup in Deutschland. Damals schlug ihm Kritik entgegen, weil er den Wettbewerb als „Zwischenstation“ eingestuft hatte, weil er immer wieder Personalwechsel in seinem Team vornahm. „Jeder darf sich äußern“, sagte Heuberger zu der Schelte, die er etwa von dem früheren Nationalspieler Stefan Kretzschmar erhalten hatte. Wirklich beeinflussen konnte sie ihn nicht: „Ich habe meine Strategie entwickelt.“ Die Spieler sollten ihn kennenlernen, umfassend, sie sollten erfahren, woran sie mit ihm sind in seiner neuen Funktion - nur das zählte für Heuberger. Er setzte neue Reize mit veränderten Trainingsformen, die Spieler nahmen das gerne an, zumal sie ihre belebende Wirkung erkannten. Heuberger fand dazu einen besseren Zugang als Brand zur Liga; auch dies hilft dem deutschen Handball bei der Suche nach neuer Stabilität.

          So langsam scheint der Trainer seine Spieler zu erreichen - der Erfolg gibt ihm recht Bilderstrecke
          So langsam scheint der Trainer seine Spieler zu erreichen - der Erfolg gibt ihm recht :

          Jüngst hatte Heuberger, für den Ehre und Disziplin bedeutende Begriffe sind, auch mit personellen Rochaden für Aufsehen gesorgt. Solche Dinge gehören zwar zum Wesen des Handballs, in dem häufig Umbesetzungen in einem Team vorgenommen werden. Trotzdem war es mutig, Kapitän Pascal Hens beispielsweise 60 Minuten auf der Bank sitzen zu lassen und stattdessen dem Flensburger Kraftprotz Lars Kaufmann eine Bewährungschance zu geben. Im Tor zu variieren, mal auf Carsten Lichtlein zu setzen und dann wieder auf Silvio Heinevetter, mutet weniger überraschend an - auf die deutschen Torhüter ist schließlich in der Regel immer Verlass. Das war auch in Brands Ägide so. Auch auf der Linksaußenposition, wo gegen Schweden der Mannheimer Uwe Gensheimer mit seinem bemerkenswerten Wurfrepertoire aufgetrumpft hatte, wird Heuberger weiterhin flexibel agieren und bei Bedarf wieder auf den Kieler Dominik Klein zurückgreifen - er gilt als abwehrstärker im Vergleich zu Gensheimer. Von der öffentlichen Meinung wird Heuberger sich in solchen Fällen nicht leiten lassen.

          Er hat an Statur gewonnen in der jüngeren Vergangenheit, keine Frage. Heuberger hatte auch immer hervorgehoben, dass er sich schon entwickeln werde, auf seine eigene Art, solide und verlässlich. Demnächst wird ihm vermutlich Markus Baur zur Seite stehen, ein Weltmeister von 2007. Baur soll Bundestrainer der Junioren werden, die Heuberger einst sehr erfolgreich betreut hatte, und daneben auch dem A-Team des Deutschen Handball-Bundes nahe sein. Heuberger kann das getrost als Bereicherung betrachten - und keineswegs als Gefahr.

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