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Handball-Nationalmannschaft : Heubergers Vertrag wird nicht verlängert

  • Aktualisiert am

Keine Zukunft als Bundestrainer: Martin Heuberger Bild: dpa

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft bekommt nach dem verloren WM-Play-off gegen Polen einen neuen Bundestrainer. Martin Heuberger muss gehen.

          2 Min.

          Nach dem WM-Aus wird Martin Heuberger als Bundestrainer der Handball-Nationalmannschaft der Männer abgelöst. Der Deutsche Handballbund (DHB) beendete am Mittwoch die Zusammenarbeit und verlängerte den zum 30. Juni auslaufenden Vertrag nicht, nachdem die DHB-Auswahl am vergangenen Samstag die Qualifikation für die WM 2015 in Qatar gegen Polen verspielt hatte.

          Ein Nachfolger wurde noch nicht genannt. Eine Entscheidung darüber soll mit Blick auf das Gesamtkonzept für den männlichen Leistungssport getroffen werden. Dies teilte der DHB nach einem Treffen zwischen Heuberger, Verbandspräsident Bernhard Bauer und Leistungssport-Vizepräsident Bob Hanning mit.

          „Wir haben uns offen ausgetauscht, die sportliche Situation und die damit verbundenen Perspektiven analysiert. Nach der verpassten WM-Teilnahme stecken wir in einer schwierigen sportlichen Situation, die keine weitere Zusammenarbeit mit Martin Heuberger als Bundestrainer mehr zulässt“, sagte Bauer laut einer Pressemitteilung des DHB.

          Heuberger glaubt demnach, dass die von ihm eingeleitete Neuausrichtung der Nationalmannschaft zukünftig Erfolg haben wird. „Ein solcher Umbruch braucht Zeit. Ich respektiere die Entscheidung des Präsidiums, den begonnenen Umbruch mit einem neuen Trainer fortführen zu wollen. Ich glaube an das Potenzial der Mannschaft“, zitiert ihn der Verband.

          Die EM-Qualifikation beginnt im Herbst

          Lange kann sich der DHB mit der Suche eines Nachfolgers nicht befassen, denn die Zeit drängt. Erster Härtetest ist die Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Polen. Im Kampf um die 15 EM-Tickets müssen sich die Deutschen mit dem zweimaligen Weltmeister Spanien, den sensationell für die WM 2015 in Qatar qualifizierten Österreichern sowie mit Außenseiter Finnland auseinandersetzen.

          Die ersten Spiele finden schon Ende Oktober statt. Fortgesetzt wird die Qualifikation im April und Juni 2015. Die jeweils beiden Ersten der sieben Vierer-Gruppen und der insgesamt beste Gruppen-Dritte qualifizieren sich für die EM vom 15. bis 31. Januar im Nachbarland, wo das Team von Michael Biegler als Gastgeber gesetzt ist. Gelingt den Deutschen der Sprung zur EM, steht die Herausforderung der Olympia-Qualifikation an. Nur der Europameister ist direkt qualifiziert.

          Zudem gibt es noch zwei zusätzliche Tickets. Welcher Platz dafür notwendig ist, entscheidet die WM 2015 in Qatar. Oder es gibt noch eine Wildcard, die die Internationale Handball-Föderation (IHF) einführen will. Deren Präsident Hassan Moustafa hatte die zweifelhafte Idee, da Handball im Ranking heruntergestuft wurde - und die TV-Quoten in Deutschland fehlten.

          Vranjes bleibt in Flensburg

          Vor allem muss der von Heuberger gestartete Generationswechsel fortgesetzt werden. Da der vom ehemaligen Nationalspieler und Sport1-Experten Stefan Kretzschmar ins Spiel gebrachte Hamburger Martin Schwalb offenbar nicht ins Anforderungsprofil des Verbandes passt, wird vor allem Dagur Sigurdsson von den Füchsen Berlin hoch gehandelt, auch wenn Hanning da mit seinem Klub ein gewagtes Risiko eingehen würde. Immerhin holte der Isländer, der schon 2011 eine glänzende Bewerbung beim DHB abgegeben hatte, mit den Füchsen gerade den DHB-Pokal.

          Der 41-jährige gilt als perfekter Teamplayer und verkörpert einen modernen Führungsstil. Zudem war er in seinem Verein auf allen Ebenen präsent und baute die Berliner Nachwuchsspieler wie Fabian Wiede und Paul Drux perfekt ins Bundesliga-Team ein. Parallel zur DHB-Entscheidung hatte Ljubomir Vranjes am Mittwoch sein Bleiben beim frischgebackenen Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt bekanntgeben. Vranjes wurde neben dem Kieler Alfred Gislason von Experten als möglicher Bundestrainer gehandelt.

          Fritz Fromm 1949-1955
          Werner Vick  1955-1972
          Horst Käsler  1972-1974
          Vlado Stenzel  1974-1982
          Simon Schobel  1982-1987
          Petre Ivanescu  1987-1989
          Horst Bredemeier  1989-1992
          Armin Emrich  1992-1993
          Arno Ehret  1993-1996
          Heiner Brand  1997-2011
          Martin Heuberger  2011-2014

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