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Handball-Pokal : Triumph für den Trainer

  • -Aktualisiert am

Ein großer Moment: Trainer Bennet Wiegert holt mit Magdeburg 2016 den DHB-Pokal. Bild: dpa

Magdeburgs Handball-Team gewinnt nach zwanzig Jahren wieder den deutschen Pokal-Wettbewerb. Jetzt hofft der jüngste Coach der Liga auf mehr Vertrauen.

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          Im Moment des größten Triumphes seiner jungen Trainerkarriere wirkte Bennet Wiegert sehr nachdenklich. „Ich weiß, wie hoch die Ansprüche in Magdeburg sind“, sagte der 34 Jahre alte Handball-Coach, „aber schön wäre, wenn sie auch realistisch blieben. Man begegnet uns als Trainerteam mit sehr viel Skepsis. Vielleicht können wir jetzt etwas ruhiger arbeiten.“ Im Grunde lag die Saison des Traditionsvereins aus Sachsen-Anhalt am Mittwoch schon in Trümmern. Als enttäuschender Zehnter der Bundesliga war der SCM im EHF-Cup-Viertelfinale gegen Göppingen ausgeschieden; wie sollte Wiegert sich und seine Mannschaft wieder aufbauen?

          Nur wenige in Magdeburg trauen dem Sohn der ostdeutschen Handball-Legende Ingolf Wiegert zu, in die großen Fußstapfen eines SCM-Trainers zu treten, ist es doch seine erste Station in der Bundesliga. Erst im Dezember hat Wiegert den Posten von Geir Sveinsson übernommen. In der Liga ging es auch mit ihm mäßig weiter, doch nun, nach dem verdienten 32:30-Finalsieg gegen die SG Flensburg-Handewitt am Sonntagabend hofft Wiegert, dass der erste Sieg im DHB-Pokal nach 20 Jahren eine aus seiner Sicht schlechte Saison überstrahlt: „Dieser Erfolg heute macht es uns allen leichter.“ Als Wiegert sprach, feierten die 3000 Fans der Magdeburger in den Farben Grün und Rot in der Halle weiter. Die Unterstützung der Mannschaft war - wie immer - famos.

          Es waren die Tore Robert Webers (zehn) und Michael Damgaards (neun) sowie die starke Torwartleistung Jannick Greens, die Magdeburg als Sieger vom Parkett gehen ließ. Die SG wirkte drei Tage nach dem bitteren Viertelfinal-Aus in der Champions League bei KS Kielce ausgelaugt - kein einziges Mal lag sie vor 13.500 Zuschauern in Führung. „Der SCM war 60 Minuten besser und wir sind nicht auf unser Niveau gekommen. Die Kräfte waren nicht da, es war eine zu hohe Belastung. Aber das ist keine Entschuldigung.“

          Die SG Flensburg hatte am Samstag ein packendes Halbfinale nach Verlängerung gegen die Rhein-Neckar Löwen für sich entschieden, während Magdeburg ebenfalls in der Zusatzschicht gegen den Bergischen HC gewann. Die Norddeutschen stehen mit dem vermeintlich stärksten Kader der vergangenen zehn Jahre jetzt vor einer Saison ohne Lorbeeren, nachdem sie von 2013 bis 2015 jeweils einen Titel hatten gewinnen können. Das ist eine enttäuschende Bilanz einer Mannschaft, die vor der Saison auf vielen Positionen verstärkt worden war. Die vergangenen sechs Pokalenspiele hatte die SG erreicht - aber nur eines gewonnen.

          „Das Team, das den Pokal am meisten wollte“

          Die Magdeburger Nationalspieler Finn Lemke und Michael Haaß hatten mit ihren Kollegen ein erstaunlich einseitiges Finale erlebt. „Keiner in der Halle kann sagen, dass das heute unverdient war“, sagte Haaß, „wir waren hier das Team, das den Pokal am meisten wollte. Das war heute aus einem Guss, auch wenn es gar nicht zu unserer miesen Bundesliga-Saison passt“. Europameister Lemke schwang sich wie im DHB-Team zu einer grandiosen Leistung als Abwehrchef auf. Flensburg musste sich für jedes Tor quälen. Lemke sagte: „Der Sieg macht die schlechte Saison nicht besser. Ich will heute noch nicht zu viel daran denken, aber an einem Standort wie Magdeburg muss es natürlich unser Ziel sein, dauerhaft solche Leistungen zu bringen und wieder in die Spitze zu kommen.“

          Matchwinner. Robert Weber schießt zehn Tore.

          Der SCM ist immer noch dabei, finanzielle Altlasten abzutragen. Deswegen sei es keineswegs garantiert, dass seine Mannschaft in der neuen Serie wieder oben mitspiele, sagte Wiegert. Doch wenigstens ein bisschen mehr Rückhalt dürfte der jüngste Trainer der Bundesliga jetzt genießen.

          Neben Flensburg waren die Löwen der große Verlierer des stimmungsvollen Wochenendes. Selten hat man Trainer Nikolaj Jacobsen so am Boden zerstört erlebt wie am Samstag. Wieder ging ein Halbfinale gegen Flensburg verloren, das dritte hintereinander. „Letztes Jahr war es schlimm, dieses Jahr noch schlimmer“, sagte Jacobsen, „unser Gegner hat eine sehr große Moral, solche Spiele noch zu drehen.“

          Die Löwen spüren wieder Kiel im Nacken

          Die Köpfe der Löwen, Andy Schmid und Uwe Gensheimer, vergaben den möglichen Sieg in der Verlängerung durch einen Fehlpass und einen Fehlwurf. Da lag die Frage nah, ob das Auswirkungen auf die Bundesliga habe. „Wir haben etwas Wichtiges vor uns und werden alles dran setzen, diese erste Meisterschaft zu holen“, sagte Jacobsen. Allerdings kommt nun doch wieder stärkerer Gegenwind aus Kiel.

          Der THW erreichte nach großem Kampf die Champions-League-Endrunde in Köln Ende Mai, weil Trainer Alfred Gislasons Mannschaft am Samstagabend in Barcelona den Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel erfolgreich verteidigte. Das 30:33 reichte, um zum fünften Mal nacheinander das Halbfinale zu erreichen. Nun müsste der THW in den sieben verbleibenden Spielen vier Punkte und 46 Tore aufholen, um die Löwen noch abzufangen. Das wird schwer. Aber wie sagte der Kieler Abwehrchef Patrick Wiencek: „Wir glauben wieder dran.“

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