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Handball-Nationalspieler Böhm : Einer, der alles gibt

  • -Aktualisiert am

Mit Durchsetzungsvermögen: Fabian Böhm (Mitte) Bild: dpa

Der energische Draufgänger Fabian Böhm könnte in der Nationalmannschaft bald eine Hauptrolle übernehmen, obwohl er ein Spätstarter ist. Was aber macht den Handball-Profi so stark?

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          Es kann nicht schaden, wenn der Bundestrainer einen mag. Als Christian Prokop vor einem Jahr über seine Hoffnungen sprach, wer denn bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark überraschen könne aus dem deutschen Team, kam er auf Fabian Böhm. Prokop pries seinen Mut, seinen Willen, nannte ihn „Krieger“. Selbst Insider mussten damals nachschauen, wie dieser Fabian Böhm eigentlich zum Handball-Profi und, mehr noch, zum Joker im Ärmel des Bundestrainers geworden war, spielte Böhm doch bei der TSV Hannover-Burgdorf – und die hatte eine ganz schwache Saison erwischt.

          In diesen Oktobertagen hat sich das Blatt gewendet. Der Deutsche Handballbund (DHB) wirbt mit Prokop und Böhm für das Länderspiel am 26. des Monats gegen Kroatien. Und das liegt nicht nur daran, dass es in der TUI-Arena auf der Expo-Plaza im Süden Hannovers stattfindet, also Böhms Heimspiel ist. „Fabian ist als Kapitän in Hannover-Burgdorf noch einmal gereift“, lobte Prokop. Böhm darf sich mit 30 Jahren inzwischen als Stammspieler beim DHB fühlen. Seine Leistungen bei der WM haben auch im eigenen Team Eindruck gemacht. Weil da einer alles gibt, der nicht mit dem größten Handball-Talent gesegnet ist.

          Am Montag begann der letzte Lehrgang der Nationalmannschaft in diesem Jahr. Erst in Zagreb, dort spielen Böhm und seine Kollegen an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) gegen Kroatien. Dann geht es in Hannover weiter mit Training und zweitem Spiel gegen die Kroaten im Rahmen des „Tag des Handballs“ am Samstag. Für Böhm ist klar, dass solche Gelegenheiten etwas Besonderes sind: „Ich bin jedes Mal wieder stolz, zu den 17 besten Spielern Deutschlands zu gehören“, sagt er.

          Jubeltruppe: Hannovers Handballer um Fabian Böhm (links) mischen derzeit die Bundesliga auf.

          Seit Kai Häfner die „Recken“ Richtung Melsungen verlassen hat, sind die Erwartungen an Böhm auch in Hannover enorm gestiegen. Er soll nicht nur der Mann für „leichte Tore“ aus dem Rückraum sein, sondern auch in der Abwehr zupacken, wertvolle Anspiele beisteuern, mit seiner Kraft im Grunde die ganze Mannschaft ziehen. Bislang gelingt das. Ohne selbst in jedem Spiel vollkommen zu überragen, hat der neue Anführer der TSV seinen Anteil daran, dass Hannover auch nach den Auftritten gegen Flensburg, Magdeburg und die Löwen Tabellenführer der Bundesliga ist.

          „Fabian ist für das gesamte Gefüge enorm wichtig“, sagt Sven-Sören Christophersen, der Sportliche Leiter der Recken. Die Mannschaft hat sehr viele junge Spieler, und Regisseur Morten Olsen ist ein ruhiger Typ, der sich auf den Handball konzentriert. Da braucht es einen energischen Draufgänger wie Böhm.

          Den sieht auch Prokop in ihm. Als im Halbfinale der WM gegen Norwegen kaum etwas lief im deutschen Rückraum, vertraute der Bundestrainer Böhm. Mehr als andere stemmte er sich damals gegen die Niederlage, erzielte sechs Tore bei sieben Versuchen, war hinterher untröstlich. Im Spiel um Platz drei gegen Frankreich dann sah man Böhms Limitierungen – das war ein bisschen zu viel Herz und zu wenig Überlegung.

          Was nicht weiter verwundern kann. Böhm ist über einige Umwege 2013 bei HBW Balingen zum Profi geworden. Mit 27 Jahren wechselte er schon als Nationalspieler nach Hannover. Dort zählt er stets zur Stamm-Sieben. Aber anders als die internationale Konkurrenz hat Böhm nie in der Champions League gespielt, und seine Anzahl an Einsätzen bei großen Turnieren ist auch gering.

          Es ist nun wieder so, dass Prokop gut überlegen muss, wie er die Problemzone Rückraum ausfüllt. Als Spielmacher für die EM in Norwegen, Österreich und Schweden werden Tim Suton gewiss und Martin Strobel sehr wahrscheinlich ausfallen. Den formschwachen Steffen Fäth hat Prokop aktuell nicht nominiert. Verletzt ist Kiels Halbrechter Steffen Weinhold. Bleiben für die drei Rückraumpositionen von den Arrivierten nur Fabian Wiede auf halbrechts, Paul Drux als Spielmacher und Julius Kühn und Böhm auf halblinks. Es kann also gut sein, dass Böhm auch in der Nationalmannschaft ab sofort eine Hauptrolle übernehmen wird.

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          Der gebürtige Potsdamer ist einer, der über den Tellerrand schaut. Zusammen mit dem früheren Essener Kollegen Hannes Lindt hat er 2013 eine Stiftung gegründet, die soziale Projekte unterstützt, Brunnenbauten in Afrika zum Beispiel. Finanziert wurde das Ganze über eine Kleiderkollektion aus Bio-Baumwolle mit dem Zeichen der Marke drauf, einem Tukan. „Der Tukan“ ist deswegen auch Böhms Spitzname. Allerdings liegen Projekt und Projektarbeit gerade auf Eis, weil der Alltag bei Lindt und Böhm zu sehr verplant ist, was unterem anderem daran liegt, dass Böhm gerade zum zweiten Mal Vater geworden ist.

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