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Handball-Nationalmannschaft : Bittere Stunde

  • -Aktualisiert am

Zum Verzweifeln: Ob Bundestrainer Martin Heuberger den Umbau der Handball-Nationalmannschaft weiter leiten darf, ist ungewiss Bild: dapd

Das deutsche Handball-Nationalteam hat erstmals die Qualifikation für eine Europameisterschaft verpasst. Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht - doch der kommt alles andere als überraschend.

          Martin Heuberger spricht klar und deutlich, und er ist auch ohne Mikrofon zu verstehen - die Pressekonferenz in den Katakomben der Frankenstolz-Arena in Aschaffenburg findet ja quasi im kleinen Kreis statt. Die mobile Wand mit den Logos der Sponsoren des Deutschen Handball-Bundes verdeckt den Blick auf ein paar ungewöhnliche Utensilien, es hatte offenbar keine Zeit mehr gegeben, sie wegzuräumen. Ein Putzeimer steht in der Ecke, ein Besen, und das passt zur Stimmung. Gerade eben hat die Männer-Auswahl des Deutschen Handball-Bundes zum ersten Mal die Qualifikation für eine Europameisterschaft verpasst, da müsste also mal richtig durchgefegt und vielleicht auch noch feucht durchgewischt werden. Und die Frankenstolz-Arena scheint derzeit ein passender Ort für historische Abstürze zu sein. Gerade erst hat hier der TV Großwallstadt den bitteren Moment des ersten Bundesligaabstiegs der Vereinsgeschichte erlebt, und schon folgt das nächste sportliche Begräbnis.

          Verspielt: Das 25:27 in Montenegro sorgte für die verpasste Qualifikation
          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dass es so kommen könnte, hatte sich lange abgezeichnet. Nicht erst nach der Heimniederlage im Frühjahr gegen Montenegro, mit der sich das deutsche Team in die Bredouille gebracht hatte. Platz fünf bei der WM im Januar schien noch ein Beleg dafür gewesen zu sein, dass der Umbruch der Mannschaft reibungsloser verlaufen würde, als viele Mahner vorhergesagt hatten. Doch eine weitere Niederlage in der Tschechischen Republik und das 25:27 in Montenegro am Mittwoch vergangener Woche sorgten dafür, dass Platz zwei in der Qualifikationsgruppe verspielt worden war, da half nun auch das 38:19 gegen Israel im letzten Spiel nicht mehr weiter. Das schon qualifizierte Team Montenegros verlor nämlich wie befürchtet in der Tschechischen Republik, und diese beiden Mannschaften fahren nun im kommenden Jahr zur EM nach Dänemark. Die Deutschen müssen wie schon im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen zuschauen.

          Das größte Handballfest der Geschichte

          Heuberger spricht von einem Umbau, den er gerne weiter begleiten möchte; von der Reife, die seiner Mannschaft noch fehle, weil es ihr an internationaler Erfahrung mangele; dass er nur mit dem arbeiten könne, was ihm die Bundesliga anbiete; dass der Gegner Montenegro zwei Wochen Zeit hatte, sich auf die Partie gegen Deutschland vorzubereiten, die Deutschen aber nur zwei Tage; und er redet davon, dass man nun endlich nicht mehr nur sprechen, sondern auch handeln solle.

          Wer dabei die Augen schließt und gedanklich die Frankenstolz-Arena verlässt, hört Heiner Brand sprechen, wie er fast dieselben Worte benutzt. Etwa 1997, in einer Schulturnhalle in Erlangen, als die Deutschen gerade eine WM-Qualifikation verpasst hatten und Brand den Neuaufbau betreiben sollte. Es waren fast dieselben mahnenden Sätze, und das blieb auch so, als die Mannschaft 2002 in Stockholm EM-Zweiter und ein Jahr später WM-Zweiter geworden war. Brand musste später lauter reden, und ohne Mikrofon wäre es nicht mehr gegangen, weil die Begeisterung immer größer geworden war um diese deutsche Handballmannschaft. Europameister 2004 in Slowenien, dann olympisches Silber in Athen, und der Erfolg der Nationalmannschaft konterkarierte gleichzeitig die Forderungen des Bundestrainers nach mehr Einsatzzeiten in der Bundesliga für deutsche Spieler - obwohl sein Abwehrchef Petersen damals nur Ersatzspieler und Assistenztrainer beim THW Kiel war.

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