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Rick Zabel : Aus dem Windschatten des Vaters

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Etappensieg bei der Flandern-Rundfahrt der Junioren: Rick Zabel im April 2013 Bild: dpa

Debüt auf der großen Radsport-Bühne: Rick Zabel, Sohn des erfolgreichen Sprinters und geständigen Doping-Sünders Erik Zabel, startet erstmals beim Giro d’Italia. Mit Gänsehaut und Zeitverlust.

          Sein Aussehen und seine Gesten: Ganz der Vater. Rick Zabel, Sohn des einst umjubelten Erik Zabel, hat im Alter von 21 Jahren die große Bühne des Radsports betreten und gibt sein Debüt in einer großen Länderrundfahrt. Schon bevor er in seinem amerikanischen Team BMC den ersten Kilometer des 98. Giro d’Italia hinter sich gebracht hat, ragt er aus der Anonymität des Feldes von 197 Fahrern als jüngster Teilnehmer und berühmter Filius heraus.

          „Na klar, den Namen Zabel kennen viele, besonders in Sanremo“, erzählt der Junior, der zum ersten Mal vor dem Girostart „Gänsehaut bekam“, als er im Training mit seinem Team einen beleuchteten Tunnel hinter Sanremo passierte. „Dort hingen Tafeln mit den Namen der Mailand-Sanremo-Sieger von der Decke - ein irres Gefühl für mich“, berichtet Rick Zabel, dessen Vater den Frühjahrsklassiker an der Blumenriviera in seiner aktiven Laufbahn zwischen 1997 und 2001 vier Mal gewann. Zabel senior, der 2013 umfangreiches Doping zu seiner Zeit bei Telekom und T-Mobile gestand, drückte seinem Sohn vor Ort die Daumen.

          Das große Ziel des BMC-Profis an der Seite des früheren Weltmeisters Philippe Gilbert ist in erster Linie „bis Mailand durchkommen“. Die Drei-Wochen-Distanz mit insgesamt 3846 Kilometern macht dem Jungprofi, der kurz vor dem Abitur das Sportgymnasium für die Radkarriere verlassen hatte, nicht so sehr Sorgen wie die brutale letzte Woche mit den Alpenriesen Mortirolo oder Colle delle Finestre. „Da geht’s ums Überleben“, vermutet der Newcomer, der die Ratschläge seines Vaters beherzigen will: „Kämpfen, kämpfen, kämpfen, niemals aufgeben und Achtung vor Klimaanlagen in den Hotels wegen Erkältungsgefahr!“

          Als Fahrertyp schätzt er sich so ein: „Ich bin sicher nicht der Allerschnellste, mittlere Steigungen gehen aber ganz gut.“ Sein großer Traum im Radsport? „Vielleicht mal einen Klassikersieg bei der Flandern-Rundfahrt oder in Sanremo, Etappensiege bei Rundfahrten.“ Immerhin standen bei ihm 2013 vor der Vertragsunterschrift die ersten Adressen des Radsports Schlange: „Quickstep und Sky hatten auch Interesse.“

          Das Ergebnis zählt (noch) nicht

          Aber große Siege sind Zukunftsmusik für den Lehrling im harten Business. Er wartet auf seinen ersten Profisieg. „Ich bin hier, um der Mannschaft zu helfen. An einen eigenen Etappensieg denke ich eigentlich weniger, aber träumen darf man ja“, sagt Zabel junior, der auf die Doping-Vergangenheit seines Vaters überhaupt nicht gerne angesprochen wird.

          Ricks Bilanz nach den ersten beiden Tagen des „großen Abenteuers Giro“: 25 Sekunden Zeitverlust beim Teamzeitfahren in Sanremo, 1:09 Minuten am Sonntag auf dem Weg nach Genua. „Er verlor ein bisschen an der letzten Steigung sechs Kilometer vor dem Ziel. Aber das zählt nicht. Er ist hier zum Lernen und Erfahrung zu sammeln, das Gesamtergebnis interessiert uns in seinem Fall nicht“, urteilte sein Teamchef Valerio Piva. Er ist mit den Leistungen des Sohnes aus bekanntem Haus „sehr zufrieden“.

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