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Nach „Wut-Brief“ : DHB weist Vorwurf der Vetternwirtschaft zurück

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„Es gibt keine Vetternwirtschaft. Es geht um den Handball und nicht um Personen“: DHB-Präsident Bernhard Bauer Bild: dpa

Der Handballbund hat den Betreuerstab seiner Männer-Nationalmannschaft verschlankt. In einem Brief erheben bisherige Teamärzte schwere Vorwürfe gegen das Verbandspräsidium. Die DHB-Führung verteidigt die Maßnahmen.

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          Kein Olympia, keine EM und nun ein Ärzte-Streit: Kurz nach dem Aufwärtstrend durch den Supercup-Gewinn herrscht erneut Unruhe im deutschen Handball-Lager. Im Zwist um die Verkleinerung des Betreuerstabes bei der Nationalmannschaft hat der Deutsche Handballbund (DHB) Vorwürfe der bisherigen Auswahlärzte zurückgewiesen. „Es gibt keine Vetternwirtschaft. Es geht um den Handball und nicht um Personen“, sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Dortmund.

          Streitpunkt ist die Ablösung von Berthold Hallmaier durch Kurt Steuer als verantwortlicher Arzt der Männer-Auswahl. Die Empörung darüber schrieben sich sieben Mediziner mit Hallmaier an der Spitze in einem „Wut-Brief“ von der Seele, den das Magazin „Sport Bild“ veröffentlichte. Darin werfen sie der neuen DHB-Führung um Chef Bauer und seinen Vizepräsidenten für Leistungssport, Bob Hanning, „Vetternwirtschaft, Selbstdarstellung und Geltungssucht“ vor. Allerdings hat sich in Ralf Schaeffer ein Mitunterzeichner bereits wieder von dem Schreiben distanziert.

          Die Veränderungen waren schon beim Turnier um den Supercup Anfang November sichtbar geworden. Dort hatte Steuer die medizinische Betreuung der Nationalspieler in seinen Händen. Zudem hatte Hanning in kleiner Runde bereits Teile seines Leistungssportkonzeptes erläutert, zu dem auch ein kompaktes Betreuerteam gehört. „Professor Steuer hat die Qualität und die Zeitkapazität“, erklärte der DHB-Vizepräsident.

          Bauer verteidigte die Maßnahme. „Wir müssen alles prüfen und nur das Beste behalten.“ Wie Bundestrainer Martin Heuberger räumte er aber ein, dass es bei der Kommunikation hätte besser laufen können. „Das ist der einzige Vorwurf, den man uns machen kann“, sagte der Verbandschef. „Die aktuelle Vorgehensweise zeugt von schlechtem Stil und wirkt sich für die Außendarstellung des DHBs extrem ungünstig aus“, monierten die Mediziner. Allerdings: Nach Aussage von Bauer soll der Ärzte-Brief auch eher beim Sportmagazin als in der Dortmunder Geschäftsstelle des Verbandes gewesen sein.

          „Ganz wichtig ist das Vertrauensverhältnis“

          Heuberger selbst hält die Veränderungen für sinnvoll. „Es war nicht alles mit mir abgesprochen, aber generell begrüße ich die Verschlankungen“, erklärte er in Dortmund. Das sei schließlich Teil des Konzeptes - und letztlich auch gut für seine Nationalspieler. „Ganz wichtig ist das Vertrauensverhältnis der Spieler zu den Ärzten. Wenn bei jeder Maßnahme ein anderer Arzt ist, entsteht kein Vertrauensverhältnis“, betonte der Bundestrainer.

          Der nächste Einsatz für die Nationalspieler und ihre Betreuer ist bereits in der kommenden Woche. Vom 2. bis 4. Dezember findet ein Lehrgang in Barsinghausen statt. Für diesen hat der Flensburger Rückraumspieler Steffen Weinhold seine Teilnahme abgesagt. Wegen Atemproblemen muss er sich nach Auskunft von Heuberger einem Eingriff unterziehen. Seinem Einsatz beim Vier-Nationen-Turnier vom 3. bis 5. Januar in Dortmund, Krefeld und Oberhausen gegen die EM-Teilnehmer Österreich, Russland und Island steht derzeit aber nichts im Wege.

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