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Champions Day in Ascot : Der Arc kann noch warten

  • -Aktualisiert am

Flott unterwegs: Almanzor mit Christophe Soumillon in Ascot. Bild: Imago

Für den französischen Trainer des Ascot-Siegers Almanzor ist die Ehrung durch die Queen wichtiger als der Klassiker in Paris. Am Preisgeld liegt es nicht. Es gibt andere Gründe.

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          Der Herbst ist die Zeit für das große Geld: Innerhalb von nur wenigen Wochen ballen sich die lukrativsten Galopprennen Europas – in Irland, Frankreich und am Samstag in England. Viele Jahre lang hatte das erste Oktober-Wochenende in Paris eine absolute Sonderstellung. Der Prix de l’Arc de Triomphe als Herzstück und ein hochklassiges Rahmenprogramm an zwei Tagen schienen unerreichbar. Doch die Galopp-Zentralen in Irland und vor allem in England haben in den vergangenen Jahren mächtig nachgerüstet. Der vor sechs Jahren ins Leben gerufene British Champions Day ist auf bestem Wege, dem französischen Nachbarn den Rang abzulaufen.

          Am Preisgeld liegt es nicht. Zwar ist der Champions Day mit einem Gesamtpreisgeld von knapp fünf Millionen Euro inzwischen der wertvollste Renntag im britischen Jahreskalender, doch diese Summe gibt es seit dem Zufluss der Petro-Dollars aus Qatar allein schon im Arc zu verdienen. Es hat mit anderen Faktoren zu tun: der besonderen Atmosphäre der Rennbahn in Ascot nur wenige Galoppsprünge von der königlichen Residenz Windsor Castle entfernt.

          Und vielleicht auch mit dem Umstand, dass hier die Ehrenpreise von der britischen Königin Elisabeth II. höchstpersönlich überreicht werden. Die Entscheidung des britischen Galoppverbands BHA, den Champions Day von Newmarket nach Ascot zu verlegen, hat sich ausgezahlt. Newmarket bei Cambridge ist in England als Trainingszentrale und Standort der wichtigsten Vollblutgestüte unerreicht, doch es hat längst nicht den Glamourfaktor wie Ascot.

          Vor allem aber spricht die sportliche Qualität für den Champions Day. 2012 feierte hier Frankel nach 14 Rennen ohne Niederlage seinen vielumjubelten und tränenreichen Abschied von der Rennbahn. Das vielleicht beste Rennpferd der Neuzeit, das nun im Gestüt als Deckhengst steht, triumphierte ein letztes Mal für seinen von einer Krebserkrankung schwer gezeichneten und inzwischen verstorbenen Trainer Sir Henry Cecil. In diesem Jahr nun siegte in den Champions Stakes ein würdiger Frankel-Nachfolger – der dreijährige Hengst Almanzor.

          „Er ist ein erstaunliches Pferd“

          „Ich liebe dieses Pferd“, schwärmte sein Trainer Jean-Claude Rouget. „Ich hatte dieses Rennen seit dem Sommer als Ziel ausgerufen und habe mich nicht beirren lassen. Und ich bin froh darüber.“ Nachdem Almanzor Mitte September in Leopardstown die Irish Champion Stakes gewonnen hatte, war der Druck der französischen Öffentlichkeit groß, ihn im Arc laufen zu lassen. Doch der 63-jährige Rouget, der nicht in der französischen Galopp-Metropole Chantilly, sondern in der Provinz bei Pau trainiert, blieb hart.

          Dabei fehlt bei mehr als 6000 Erfolgen insgesamt der Arc noch in der Siegerliste. Vielleicht ist Almanzor 2017 dafür bereit, der Hengst soll schließlich im nächsten Jahr im Training bleiben. Sein Reiter, Christophe Soumillon, ist überzeugt, dass er das nötige Stehvermögen hat, um statt der 2000 Meter der Champion Stakes auch die 400 Meter längere Strecke des Pariser Megarennens zu bestreiten.

          „Er ist ein erstaunliches Pferd, alles sieht einfach bei ihm aus“, sagt Soumillon. „Wir haben es noch nie mit ihm versucht, aber ich bin mir sicher, dass er 2400 Meter stehen kann.“ Wie schon in Leopardstown belegte die vierjährige Stute Found hinter Almanzor den zweiten Rang. Mit zwei Längen war sie in Ascot deutlicher geschlagen als noch in Irland, aber das kann nicht verwundern. Denn Found hat in der Zwischenzeit noch den Prix de l’Arc de Triomphe gewonnen.

          Es ist schon erstaunlich, was der irische Meistertrainer Aidan O’Brien dieser eisenharten Stute zutraut und zumutet. In drei Jahren hat sie schon 20 Rennen bestritten, allein in diesem Jahr neun Prüfungen auf meist höchstem Niveau. So war sie 2016 bereits sechs Mal Zweite in Gruppe-1-Rennen wie den Champion Stakes. „Sie ist unglaublich gut gelaufen“, sagte O’Brien. „Und das nur zwei Wochen nach dem Arc.“

          „Sie ist eine großartige Stute“

          Das arbeitsreiche Jahr für Found könnte aber noch immer nicht zu Ende sein. Es ist gut möglich, dass sie Anfang November in Santa Anita bei Los Angeles versuchen wird, ihren Titel im Millionenrennen Breeders’ Cup Turf zu verteidigen. Denn O’Brien ist auf dem besten Weg, den Weltrekord des ehemaligen amerikanischen Trainers Bobby Frankel zu brechen. Der hatte 2003 insgesamt 25 Gruppe-1-Rennen in seiner Heimat gewonnen. O’Brien steht in dieser Saison bereits bei 21 Erfolgen weltweit.

          Am Samstag steuerte die von ihm betreute dreijährige Stute Minding in den Queen Elizabeth Stakes den fünften Sieg auf höchstem Niveau in diesem Jahr bei. „Sie ist eine großartige Stute“, so O’Brien. „Sie hat über 1600, 2000 und 2400 Meter gewonnen und jetzt wieder über 1600 Meter gegen ältere Stuten und Hengste. Das können nur ganz besondere Pferde leisten.“

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