https://www.faz.net/-gtl-870rs

Von Platz 2 auf 28 : Weitsprung-Drama im Siebenkampf

  • Aktualisiert am

Die Einsamkeit nach dem Fehlversuch: Katarina Johnson-Thompson Bild: Reuters

Fünf Minuten lang diskutiert Katarina Johnson-Thompson mit den Kampfrichtern, doch auch ihr dritter Weitsprung bleibt ungültig. Null Punkte statt Aussicht auf Gold. Weltmeisterin wird Jessica Ennis-Hill.

          2 Min.

          Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking haben schon am zweiten Tag ihr erstes großes Drama erlebt. Die Britin Katarina Johnson-Thompson war auf bestem Weg, die Führung im Siebenkampf zu übernehmen, als sie im Weitsprung drei ungültige Versuche hinlegte. Bei ihrem dritten und entscheidenden Sprung trat die 22-Jährige am Sonntagmorgen nur um wenige Millimeter über. Der Traum von einer Medaille war ausgeträumt. Sie fiel in der Gesamtwertung vom 2. auf den 30. Platz zurück.

          Trotz ihrer beiden Fehlversuche zuvor war Johnson-Thompson bei ihrem dritten Anlauf mit vollem Risiko gesprungen. Und der Sprung ging weit. Doch sie war hauchdünn übergetreten. Fünf Minuten lang debattierte die junge Britin mit den Kampfrichtern, doch die blieben hart: ungültig. Der britische Verband legte umgehend Protest ein, aber der wurde abgewiesen. Geschätzte 6,90 Meter wäre dieser Versuch weit gewesen, damit hätte Johnson-Thompson die Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill vom ersten Platz verdrängt. Tröstend nahm die Favoritin ihre Herausforderin danach in den Arm.

          „Nicht in der Natur eines Athleten, die sichere Option zu wählen“

          So blieb am Ende nur die Frage, warum Johnson-Thompson ein so großes Risiko einging, statt einfach einen Sicherheitssprung hinzulegen. Die Antwort gab der britische Verband schon kurze Zeit später via Twitter: „Es liegt nicht in der Natur eines Athleten, die sichere Option zu wählen und mit Silber zufrieden zu sein. Du trittst bei einem Wettkampf an, um ihn zu gewinnen.“ Trotz ihres „Salto Nullo“ trat sie im Speerwerfen und über 800 Meter tapfer an und belegte am Ende Rang 28 in der Gesamtwertung.

          Diskussionen nach dem dritten Versuch: gültig oder ungültig? Bilderstrecke

          Auch Carolin Schäfer vom TV Friedrichstein verdarb sich ihre Medaillen-Chancen mit drei ungültigen Versuchen im Weitsprung. „Ich habe mich noch nie so einsam gefühlt in einem großen Stadion“, sagte sie der ARD. Die 23-Jährige war als Zweite der Weltjahresbestenliste nach Peking gereist und galt als Anwärterin auf ein Medaille, war aber schon am ersten Tag hinter den Erwartungen geblieben.

          Gold für Jessica Ennis-Hill

          Den WM-Titel gewann schließlich Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill unangefochten - nur 13 Monate nach der Geburt ihres Sohnes Reggie. Die 29-Jährige Britin siegte mit 6669 Punkten vor der Kanadierin Brianne Theisen-Eaton (6554) und der Lettin Laura Ikauniece-Admidina (6516). „Das ist definitiv einer der größten Momente meiner Karriere“, sagte Ennis-Hill. „So zurückzukommen und hier in Peking zu gewinnen, ist großartig. Mein Coach und ich haben unglaublich hart gearbeitet, um an diesen Punkt zu kommen.“

          Beste Deutsche wurde die Frankfurterin Claudia Rath, die sich durch einen starken 800-Meter-Lauf zum Abschluss noch auf Platz fünf mit 6441 Punkten verbesserte. „Ich bin sehr zufrieden“, meinte die Frankfurterin. „Ich habe zwar keine persönliche Bestleistung geschafft, aber die gute Platzierung macht das mehr als wett.“ Die Leverkusenerin Jennifer Oeser, die wie Ennis-Hill im vergangenen Jahr Mutter geworden war, kam am Ende mit 6308 Punten auf Rang zehn.

          Weitere Themen

          FC Bayern trifft auf Olympiakos Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern trifft auf Olympiakos

          Am dritten Spieltag müssen die Bayern nach Griechenland zu Olympiakos Piräus, dem Tabellen-Dritten in der Gruppe B. Trainer Niko Kovac warnte auf der letzten Pressekonferenz vor der Partie und vor dem Gegner.

          Topmeldungen

          Die typische Landschaft des Teufelsmoor bei Worspwede bei Bremen.

          Bedrohte Moorgebiete : Die unterschätzten Klimaretter

          Die Moore sind gefährdet. Immer mehr dieser Feuchtgebiete trocknen aus. Dabei sind sie für das Erdklima mindestens so wichtig wie unsere Wälder, wie zwei aktuelle Studien belegen.
          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.