https://www.faz.net/-gtl-7hgu4

Keine Polizei bei Schalke-Spielen : NRW-Innenminister Jäger fordert Kooperation

  • Aktualisiert am

Die Forderung einiger Schalke-Fans beim Heimspiel gegen Leverkusen könnte bald Realität werden Bild: dpa

Nach seiner Ankündigung, die Polizei nicht mehr bei Heimspielen des FC Schalke 04 einzusetzen, signalisiert NRW-Innenminister Ralf Jäger Gesprächsbereitschaft. Die Gewerkschaft der Polizei ruft unterdessen zum Dialog auf.

          2 Min.

          Einen Tag nach seiner Ankündigung, die Polizei bis auf weiteres bei Fußballspielen des FC Schalke 04 aus dem Stadion abzuziehen, hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) Kooperationsbereitschaft des Bundesligisten eingefordert. „Wir sind gesprächsbereit. Und wir wollen ja gute, sichere und stimmungsvolle Fußballspiele haben - auch auf Schalke. Und das muss man natürlich in der Zukunft anpeilen“, sagte Jäger am Freitag dem TV-Sender N24. Dies setze aber eine Kooperationsbereitschaft des Bundesligisten voraus. „Und die kann ich zur Zeit nicht erkennen.“

          Für seine Reaktion auf die heftige Schalke-Kritik am Polizeieinsatz in der Arena beim Spiel gegen PAOK Saloniki am 21. August erntete Jäger Zustimmung, aber auch Kritik. „Ich kann mir das nur so erklären, dass an Schalke ein Exempel statuiert werden soll“, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag).

          „Kriegserklärung an die gesamte Bundesliga“

          In den „Ruhr Nachrichten“ sprach Bosbach von einer „Retourkutsche zulasten von Schalke 04“ und einer „Lex Schalke“. Es sei ein Verlust an Sicherheit für die friedlichen Besucher zu befürchten, wenn die Polizei bei Ausschreitungen oder Straftaten künftig erst auf Anforderung von außerhalb des Stadions an einen möglichen Tatort herangeführt werden müsste.

          „Wir sind gesprächsbereit“: NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD)

          Noch einen Schritt weiter ging der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der NRW-CDU, Peter Biesenbach. Er geißelte Jägers Vorgehen als „pubertäre Trotzreaktion“ und „Kriegserklärung an die gesamte Bundesliga“. Die nordrhein-westfälische Polizei sei nicht Jägers „Privatarmee“, die er nach „Gutsherrenart“ führen dürfe. „Eine Entscheidung von derart großer Tragweite darf nicht aus der Hüfte geschossen werden. Zudem spielt er fahrlässig mit der Gesundheit und der Sicherheit der Fußballfans“, kritisierte der CDU-Innenexperte Biesenbach.

          Innenminister geben Jäger Rückendeckung

          Einige Innenminister anderer Bundesländer sprachen Jäger hingegen ihre Unterstützung aus. „Ich kann das schon nachvollziehen, wenn da mal einem Innenminister der Kragen platzt“, sagte Boris Rhein (CDU), der als hessischer Innenminister Vorsitzender der 37. Sportministerkonferenz am Freitag in Wiesbaden war. Man habe das Thema bei der Tagung aber nur gestreift. Rhein geht nicht davon aus, dass es in anderen Bundesländern eine ähnliche Maßnahme gebe. „Ich glaube, Ralf Jäger hat ein ganz deutliches Signal gegeben. Schule wird das nicht machen“, meinte er.

          Rückendeckung gab es für Jäger auch von Lorenz Caffier, dem Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns. „Für die Sicherheit der Zuschauer in Fußballstadien ist der Veranstalter verantwortlich - und nur dieser.“ Deshalb sei er erstaunt, „dass diejenigen, die ihre Hausaufgaben für die Sicherheit der Zuschauer und damit ihrer Gäste offensichtlich nicht vollumfänglich gemacht haben, sich hinterher und ohne das notwendige Wissen und Können über den Einsatz der Polizei beschweren“, meinte Caffier.

          Gewerkschaft ruft zum Dialog auf

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat im Fall Schalke die beteiligten Parteien zum Dialog aufgerufen. „Wir haben großes Verständnis für die massive Verärgerung unserer Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, die für einen mit den Verantwortlichen von Schalke 04 abgestimmten Einsatz zu Unrecht kritisiert wurden. Unterdessen haben die weit über zehn Millionen Zuschauer allein in einer Bundesligasaison das Recht auf ein sicheres Fußballerlebnis und damit auch auf die Präsenz der Polizei“, sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek.

          Radek ergänzte, dass die Sicherheit bei Fußballspielen nur mit einem vertrauensvollen Zusammenwirken von Polizei und Sicherheitskräften erreicht werden könne. Es sei unrealistisch, dass die Vereine aus dem Stand heraus genügend gut ausgebildetes Sicherheitspersonal stellen könnten.

          Weitere Themen

          Bleibt Sancho beim BVB? Video-Seite öffnen

          Manchester United ruft : Bleibt Sancho beim BVB?

          Es ist mehr als nur eine Sommerloch-Frage, zumindest hier bei Borussia Dortmund: Bleibt der englische Jung-Star Jadon Sancho, oder wechselt er demnächst zu Manchester United? Laut Medienberichten will der englische Klub die Dortmunder von einer Art Ratenzahlung überzeugen, um die 120 Millionen Euro zu bezahlen.

          Casillas nimmt Abschied

          Fußball-Transferticker : Casillas nimmt Abschied

          Preziosi will sich von seinem Schmuckstück trennen +++ Torwartwechsel zwischen Berlin und Augsburg +++ Pak darf nicht mehr in Österreich spielen +++ Hagi entlässt sich selbst +++ Alle Infos im Transferticker.

          Topmeldungen

          Identitätspolitik : Junge Linke gegen alte Linke

          Was alte Linke über Minderheiten sagen, finden junge Linke rassistisch. Und was die Jungen sagen, galt bei den Alten früher als Vorstufe des Faschismus. Es geht ein tiefer Riss durch das linke Lager.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.