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Formel1 in Singapur : Im Zirkus ist wieder Platz für Talente

Max Verstappen ist vielleicht das größte, aber nicht das einzige Talent in der Formel1 Bild: dpa

Die Königsklasse des Motorsports bekommt eine Frischzellenkur. Neben Max Verstappen sind auch noch andere Talente am Start. Und jedes von ihnen ist eine gute Nachricht für die Rennserie.

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          Am Freitagnachmittag vor einem Grand Prix kommen die Fahrer zusammen und sprechen über das, was wichtig sein wird an diesem Rennwochenende. Über Eigenarten der Strecke, über Regeln und Sicherheit. All das gehört zur Routine, aber manchmal sind selbst die Ältesten bei diesen Runden noch erstaunt. Jenson Button zum Beispiel. 36 Jahre ist der Brite alt, seit der Saison 2000 ist er Teil der Formel 1. Einmal saß Button nun bei einer dieser Besprechungen neben Max Verstappen, dem 18 Jahre alten Supertalent in Reihen von Red Bull, Button lächelte zunächst, beinahe lachte er sogar, dann drehte er sich zum Niederländer und sagte: „Hey Max, als ich meinen ersten Grand Prix gefahren bin, warst du gerade mal ein Jahr alt. Das ist verrückt!“

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So schnell vergeht die Zeit. Die Königsklasse des Motorsports verändert gerade wieder einmal ihr Gesicht, die Rennserie bekommt eine Frischzellenkur verpasst. Button zieht sich zurück, wird in der kommenden Saison nur noch Test- und Ersatzfahrer sein bei McLaren, der 35 Jahre alte Felipe Massa macht gleich ganz Schluss und beendet bei Williams seine Karriere. Beide machen Platz für eine neue Generation von Fahrern. Verstappen ist der klangvollste Name unter ihnen. Ein Siegfahrer der Gegenwart und ein Weltmeister der Zukunft – das sehen all die Experten in ihm. Und nichts anderes erwartet der Hochgelobte von sich selbst.

          Dabei polarisiert der Jüngste auf der Strecke mitunter wegen seines kompromisslosen Fahrstils.
          Dabei polarisiert der Jüngste auf der Strecke mitunter wegen seines kompromisslosen Fahrstils. : Bild: Reuters

          Andere müssen noch beweisen, dass sie das Zeug für die Weltspitze haben. Pascal Wehrlein und Esteban Ocon zum Beispiel, 21 und 19 Jahre sind sie alt. Beide zählen zum Mercedes-Nachwuchsprogramm und bilden beim Manor-Team die jüngste Fahrer-Paarung im Feld. Der vierte im Bunde: Stoffel Vandoorne. In der kommenden Saison steigt der 24 Jahre alte Belgier nach dem Button-Aus zum Stammfahrer bei McLaren auf.

          Geld allein reicht nicht mehr

          Jeder von ihnen ist eine gute Nachricht für die Rennserie. Denn nicht mehr nur das Geld reicht als Eintrittskarte in den schnellsten Zirkus der Welt, das Talent rückt wieder mehr in den Fokus. Das unterscheidet diese Fahrer von klassischen Paydrivern der vergangenen Jahr wie Pastor Maldonado (Wiliams und Lotus), Giedo van der Garde (Caterham und Sauber), Marcus Ericsson (Caterham und Sauber), Felipe Nasr (Sauber) und Rio Haryanto (Manor). „Wir haben uns jahrelang darüber beschwert, dass so viele Paydriver in die Szene kommen – das ist nun anders“, sagt Toto Wolff vor dem Großen Preis von Singapur an diesem Sonntag (Start: 14 Uhr/Live auf RTL und im Formel1-Ticker auf FAZ.NET). Nur wenige kennen sich in den Zukunftsfragen der Branche so gut aus wie der Österreicher, der nicht nur verantwortlich ist für das Weltmeister-Team Mercedes, sondern auch als Talentscout unterwegs ist.

          Wehrlein und Ocon zählen längst zum Mercedes-Kader und werden Schritt für Schritt an größere Aufgaben herangeführt. Auch Verstappen hätte Wolff gern verpflichtet, allerdings hatte Red Bull seinerzeit die besseren Argumente und konnte Junior und Senior Verstappen sofort ein Cockpit beim Schwesterteam Toro Rosso anbieten. Auch über Vandoorne hat sich Wolff immer wieder Gedanken gemacht, denn für seinen Geschmack musste der Belgier mit dem großen Talent viel zu lange auf seine Chance in der Formel 1 warten. „Das sind Fahrer, die ganz allein aufgrund ihrer Qualitäten in die Formel 1 gekommen sind, das ist großartig“, sagt Wolff. „Es sind aufregende Zeiten. Wir werden gerade Zeugen eines Generationswechsels mit jungen Leuten, die kommende Superstars sind. Das Potential ist bei einigen auf jeden Fall vorhanden.“

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