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WM-Finalspielort Herning : Was eine Provinzstadt zum Tempel des Handballs macht

  • -Aktualisiert am

Zeigt alles, was ihr könnt: Die dänischen Stars werden wie Popgrößen gefeiert. Bild: Reuters

Ganz Dänemark berauscht sich an diesem Sport – vor allem in der „Boxen“ von Herning. Doch warum spielt Handball dort eine so große Rolle? Und warum ausgerechnet im beschaulichen Jütland?

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          Elf Minuten vor dem Anwurf schlendert ein Mann in Schwarz herein. Die Gespräche auf den steilen Tribünen verstummen. Alle Blicke richten sich auf das Spielfeld, und Applaus brandet auf. Der Mann in Schwarz da unten hebt den Arm und winkt dem Publikum lässig zu, sein Polohemd spannt ordentlich über dem Bauch, wie immer kaut er Kaugummi, der Scheitel liegt akkurat, und seine Tätowierungen sind gut zu erkennen. Nikolaj Jacobsen hat die Halle eine halbe Minute für sich, ehe seine Spieler kommen. Es ist eine triumphale Begrüßung. Und gleichzeitig eine herzliche.

          Handball-WM 2021

          15.000 Handballfans haben sich an diesem Abend in der „Jyske Bank Boxen“ am südlichen Rand Hernings nahe der Autobahn versammelt. Sie werden so feiern, wie man es von Dänen kennt. Laut, fröhlich, Schulter an Schulter. Dänemark hat 5,7 Millionen Einwohner, man hält traditionell zusammen, doch auch in diesem Land gibt es Kräfte von innen und außen, die der Bindung entgegenwirken. Deswegen hilft sozusagen ein großes Lagerfeuer, vor dem sich die Nation einmal im Jahr für zwei Wochen versammeln kann. Ob gegen Tunesien, Saudi-Arabien oder Österreich: Wenn „vores drenge“ spielen, unsere Jungs, schnellen die Einschaltquoten im Fernsehen zur besten Sendezeit auf 80 Prozent, dann ist die größte überdachte Arena des kleinen Königreiches – unabhängig von Rang und Namen des Gegners – proppenvoll.

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