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Tim Suton : Der unerschrockene Handball-Joker der Deutschen

  • Aktualisiert am

Tim Suton fügt sich nach der Nachnominierung gleich gut ins deutsche Spiel ein. Bild: Reuters

Nach der schweren Verletzung von Martin Strobel bei der Handball-WM holt der Bundestrainer Tim Suton in seinen Kader. Der junge Spieler beeindruckt. Und sein Selbstbewusstsein ist ziemlich groß.

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          Tim Suton war der Letzte. Die Uhr ging stramm auf Mitternacht zu, und seine Mitspieler standen längst unter der Dusche, da gab der Team-Youngster im zugigen Bauch der Kölnarena noch immer fleißig Interviews. Vom heimischen Sofa ins WM-Halbfinale: Suton, das deutete er mit seinem frechen Auftritt gegen Europameister Spanien an, könnte am Final-Wochenende zum deutschen Superjoker werden.

          Handball-WM 2019

          „In der Mannschaft ist so eine super Stimmung, da würde es jedem leicht fallen, sich einzufügen“, sagte Suton, wohlwissend, dass er ausgerechnet auf der großen Bühne Heim-WM gerade sein bislang bestes Länderspiel abgeliefert hatte. Seine unerschrockene und schwungvolle Darbietung und die vier Tore aus dem Rückraum gefielen nicht nur dem Bundestrainer.

          Da muss man natürlich den Hut vor ziehen“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer: „Ich finde es schön, dass es sich so ein bisschen einbürgert, dass die Jungs von der Couch zur Mannschaft stoßen und dann so eine super Leistung abliefern.“ Sutons Turnier-Premiere erinnerte tatsächlich ein wenig an Kai Häfner, der beim sensationellen Triumph vor drei Jahren in Polen als nachgerückter Spieler zum EM-Helden wurde. Schnell machte der Begriff des WM-Märchens die Runde – doch das wollte Suton so nicht stehen lassen.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          „Als Märchen würde ich es nicht bezeichnen, die Umstände waren nicht so, dass ich überglücklich war“, sagte der 22-Jährige, der erst am Dienstag aufgrund der schweren Verletzung von Martin Strobel zum Team gestoßen war: „Trotzdem habe ich mich unglaublich auf dieses Spiel gefreut. Dass es jetzt auch noch einigermaßen gut geklappt hat, das war ein super Gefühl – in der Halle hier zu stehen und ein paar Tore zu werfen.“ Von einem Krankenhaus in Baden-Württemberg hält Strobel über Kurznachrichten und Videoanrufe Kontakt zu seinen Mannschaftskollegen. Das weiß auch Suton zu schätzen. Strobel habe ihm als Nachkömmling vor seinem WM-Debüt eine SMS geschrieben, erzählte Suton. „Das ist schon einen ganz, ganz tolle Geste.“ Und sie zahlte sich aus.

          Suton ist ein weiterer Beleg für die unglaubliche Ausgeglichenheit des Kaders von Coach Prokop. Dass die Spielanteile beim Hauptrundenabschluss gegen Spanien (31:30) auf noch mehr Schultern verteilt wurden als ohnehin schon, tat der Leistung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Fabian Böhm bestätigte die guten Eindrücke der letzten Wochen und traf mit allen seinen fünf Versuchen. Und auch Linksaußen Matthias Musche (3 Tore bei 4 Würfen) und Kreisläufer Jannik Kohlbacher (4 von 4) überzeugten. Zudem zeigte Torhüter Silvio Heinevetter mit etlichen Paraden, dass auf ihn als Ersatz von Stammkeeper Andreas Wolff Verlass ist. „Wenn wir das Halbfinale gewinnen wollen, brauchen wir alle am Optimum“, sagte Prokop.

          Das weiß auch Suton. Das nötige Selbstvertrauen für die heiße WM-Schlussphase bringt der kräftige Rückraumspieler mit kroatischen Wurzeln jedenfalls mit. Wenn es beim TBV Lemgo brenzlig wird, schnappt er sich den Ball. Das war schon immer so. Suton sei ein Spieler, „der sich keinen Kopf macht“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. „Von daher können wir sowas gut für die nächsten Spiele gebrauchen.“ Schon vor fünf Jahren, damals war er 17, sorgte Suton zudem mit der forschen Aussage im „Handballmagazin“ für Schlagzeilen, er wolle „jüngster Welthandballer aller Zeiten werden“. 

          Ganz so weit ist Suton sicherlich noch nicht, das zeigt auch der ein oder andere technische Fehler gegen Spanien. Doch im Halbfinale am Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) gegen WM-Zweiten Norwegen, es wird sein zehntes A-Länderspiel sein, könnte der langjährige Junioren-Nationalspieler wieder für den ein oder anderen Überraschungsmoment sorgen. „Es wird schwer“, sagt Suton und schiebt einen für ihn typischen Satz gleich hinterher: „Aber ich glaube, wir haben gute Chancen.“

          In Hamburg schließt sich für ihn ein Kreis. In der Hansestadt war es, wo er kurz vor dem Turnier „eine bittere Entscheidung hinnehmen musste“ (O-Ton Prokop) und als einer von zwei Spielern neben Tobias Reichmann noch aussortiert wurde. Nun ist Suton wieder da – und will sein Team zum Titel werfen. Im Vergleich zu Strobel mangelt es Suton logischerweise an Erfahrung, im gezielten Aufbau eines Angriffs fehlt der DHB-Auswahl mit Strobel das Gehirn. Suton hofft, „das auf meine Art und Weise“ zu kompensieren. Den Anfang hat er gegen die Spanier bereits gemacht. „Ich hoffe, dass das jetzt nicht alles war“, sagte der Bundesliga-Profi vom TBV Lemgo danach. Diese Hoffnung hat er nicht allein.

          Handball-WM 2019

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