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Handball-WM in Ägypten : Die neue Mitte im deutschen Team

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„Für die Zukunft eine Granate“, sagt Trainer Alfred Gislason über seinen neuen Abwehrchef Johannes Golla. Bild: Sportphoto by Laci Perenyi

Johannes Golla und Sebastian Firnhaber gelten als eifrige und lernwillige Profis. Bei der Handball-WM sollen sie den deutschen Innenblock bilden und treten damit ein großes Erbe an.

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          Wenn Alfred Gislason dieser Tage über seinen besten Abwehrspieler spricht, spürt man das Dilemma, in dem der Bundestrainer steckt: „Der Junge ist für die Zukunft eine Granate, aber er kommt aus einer Verletzung, und ich kann ihn nicht alle Spiele 60 Minuten spielen lassen. Da müssen wir tierisch aufpassen.“ Nach den Absagen von Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler soll Johannes Golla die deutsche Defensive anführen, was Schufterei am Kreis bedeutet.

          Handball-WM 2021

          Vielleicht noch nicht an diesem Freitag, wenn die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) die Weltmeisterschaft in Ägypten gegen Uruguay (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) beginnt. Spätestens vom dritten Gruppenspiel an, am Dienstag gegen Ungarn (20.30 im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und im ZDF) , dürfte es aber hinten und vorne das übliche Hauen und Stechen geben – und Gislason will Golla nicht verheizen, hat der 22-Jährige von der SG Flensburg-Handewitt doch einen Fußbruch hinter sich.

          Golla selbst ist zuversichtlich, die Rolle als gemeinsamer Abwehrchef mit dem drei Jahre älteren Sebastian Firnhaber gut ausfüllen zu können. Er fühle sich körperlich und mental sehr gut, sagt er. Für sein Alter wirkt Golla recht reif; eine Reife, die ihm auf dem Feld hilft. Er verteidigt, ohne viele Zeitstrafen zu sammeln, was ihn von Firnhaber unterscheidet, der manchmal übertreibt. Es wird bei diesem Turnier auch wieder darum gehen, sich schnell auf die Linie der Schiedsrichter einzustellen.

          „Sie haben sich sehr gut eingearbeitet“

          Gislason ist zufrieden mit seinem neuen Innenblock: „Sie haben sich sehr gut eingearbeitet“, sagt er. Dafür blieben nur zwei Spiele gegen Österreich und ein paar Stunden Training. Mit Firnhaber hat er drei Jahre lang als Vereinstrainer beim THW Kiel zusammengearbeitet. Allerdings war der gebürtige Buxtehuder dort nur Ergänzungsspieler. Eine Rolle, die Firnhaber in Erlangen abgelegt hat. Der schwierigen Aufgabe bei seinem WM-Debüt begegnet Firnhaber selbstbewusst, auch, weil er den Nebenmann schätzt: „Ich weiß, dass ich gut genug dafür bin. Johannes ist ein überragender Teamplayer. Man kann sehr gut mit ihm zusammenarbeiten.“ Um das Thema Corona haben beide verbal einen Bogen gemacht. Eine Art des Umgangs, den gerade die jüngeren Spieler bislang gewählt haben.

          Traditionell liegt der deutsche Fokus auf einer starken Abwehr. 2016 ragte der diesmal fehlende Finn Lemke heraus, zuletzt bei WM und EM waren es Wiencek und Pekeler, die das Team weit brachten und als emotionales Zentrum überzeugten. Von der neuen Mitte wird nun auch abhängen, wie sehr die deutschen Torhüter glänzen können.

          „Die kämpfen wie die Schweine“

          Es ist somit ganz schön viel, was von Golla und Firnhaber erwartet wird. Zumal im Kader nur noch Moritz Preuss als Spezialist wartet. Auch deshalb hat Gislason zusammen mit Assistent Erik Wudtke drei Systeme einstudieren lassen. „Wir haben diesmal anderes Personal, wir können nicht in der Form 6:0 verteidigen wie vergangenes Jahr“, sagt Wudtke. Hinten warten und sich drauf verlassen, dass es Wiencek und Pekeler schon regeln werden: das geht nicht mehr.

          Eine aggressivere, flexiblere, offensivere 6:0-Deckung schwebt Wudtke vor. Erste Variante ist ein 5:1, bei dem Fabian Böhm vorrückt und den Spielmacher stört. Auch das 3:2:1 wurde trainiert. Es dürfte aber kaum angewendet werden, weil hier die Abstimmung zum Nebenmann besonders fein justiert sein muss. Hilfreich ist immerhin, dass Golla ein sehr guter offensiver Kreisläufer ist, also auch vorne eingesetzt werden kann.

          Golla und Firnhaber gelten als eifrige, lernwillige Profis. Der Rheingauer Golla, ein Modellathlet, ist schon seit seinen Jahren bei MT Melsungen das größte Versprechen unter Deutschlands jungen Kreisläufern, und dass er in Flensburg bei Tobias Karlsson in die Lehre ging, hat ihm in Sachen Cleverness und Übersicht gutgetan. Firnhaber, Spitzname „Flamme“, ist einer, der sich ohne Furcht in die Schlacht stürzt, im Getümmel aber schon einmal den Überblick verliert. Vorne wird er deshalb relativ selten eingesetzt.

          Den Respekt der Kollegen haben sich der 112 Kilogramm schwere Flensburger und der 97 Kilogramm wiegende Erlanger schon erarbeitet: „Die kämpfen wie die Schweine“, sagte Rechtsaußen Tobias Reichmann. Und es klang wie: Zum Glück muss ich das nicht machen.

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