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Bob Hanning im Gespräch : „Wir haben alle Wünsche erfüllt“

  • Aktualisiert am

„Das Ziel des deutschen Handballs müssen die „sweet sixteen“ sein“: Bob Hanning Bild: Picture-Alliance

Bob Hanning ist Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes. Im F.A.Z.-Interview spricht er über ein Team ohne Stars bei der WM in Qatar, die Gnade oder Last einer Wildcard und die Position des Sports nicht nur in der Heimat.

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          An diesem Freitag startet das deutsche Handball-Team mit der Partie gegen Polen in die Handball-WM. Ziel ist das Erreichen des Achtelfinales. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, über das Turnier in Qatar.

          Deutschland setzt bei der Handball-Weltmeisterschaft in Qatar auf einige unerfahrene Spieler, im linken Rückraum etwa auf den 19 Jahre alten Paul Drux. Ist das nicht ziemlich heikel?

          Da ich als Trainer mit ihm deutscher Meister geworden bin in der Jugend und weiß, dass er für besondere Momente sorgen kann, habe ich wahrscheinlich von allen am wenigsten Angst. Das Problem ist nicht Drux, das Problem sind eher, auch wegen der vielen Verletzten, die Alternativen auf dieser Position. Stefan Kneer kann sie sicherlich auch einnehmen, er hat aber bei den Rhein-Neckar Löwen nur in der Abwehr gespielt. Aber vielleicht ist auch Fabian Böhm genau der Überraschungsspieler, den so eine WM herausbringen kann. Wir haben auf alle Fälle vor nichts Angst.

          Drux, Böhm, man könnte auch noch einige andere Namen nennen: Deutschland, der Weltmeister von 2007, hat inzwischen ein Team eigentlich ohne wirkliche Stars. Zeigt dies das aktuelle Dilemma des deutschen Handballs?

          Alles hat seine Zeit. Jetzt muss man halt neue Stars kreieren. Der deutsche Handball hat viele gute Spieler. Namen kann man nicht künstlich erzeugen, Namen werden geboren über Erfolge. Drux zum Beispiel hat das Potential dazu. Ich habe ihn nicht umsonst mit Nikola Karabatic verglichen.

          Ihre Vorgabe für Qatar lautet: Die Teilnahme am Achtelfinale ist Pflicht. Worauf gründen Sie die Hoffnung, überhaupt die Vorrunde zu überstehen mit Gegnern wie Polen an diesem Freitag (17.00 Uhr / Live bei Sky und im Handball-WM-Liveticker bei FAZ.NET), Russland oder Dänemark?

          Wir müssen erst mal in das Turnier reinfinden. Das Ziel des deutschen Handballs müssen dann die „sweet sixteen“ sein, die süßen Sechzehn. Die müssen wir erreichen, das muss der Standard sein. Ich bin kein Freund von Luftschlössern, ich bin Realist. Das Viertelfinale wäre mehr als wünschenswert. Fans dürfen natürlich immer träumen, auch von mehr. Aber das kann in der jetzigen Situation von uns kein Sprachgebrauch sein. Wir müssen schließlich einen Aufbau machen. Das wissen auch unsere Sponsoren.

          Was hat denn der neue Bundestrainer Dagur Sigurdsson als Nachfolger von Martin Heuberger schon bewirkt – außer dass die Füchse Berlin mit ihm in der Bundesliga in das Mittelmaß abgerutscht sind?

          Das ist eine nette Formulierung. Das haben wir in der Tat gemeinsam geschafft. Ein Fisch stinkt immer vom Kopf. Und der Kopf der Veranstaltung sind wir. Das muss man aus Sicht der Füchse durchaus kritisch bewerten. Ich bin in Sachen Trainer ein absoluter Sympathisant von Heuberger, er hatte auch das Thema mit den Jungen gut eingeleitet, ich bin von seinen Fähigkeiten überzeugt. Aber wenn du dreimal in den Hafen einfährst, und dreimal hast du ein kaputtes Schiff, dann folgen dir die Matrosen nicht mehr maximal. Und deswegen war es wichtig, einen neuen Kapitän an diese Stelle zu setzen. Das hat eine Menge bewirkt. Die Akzeptanz von Sigurdsson bei den Spielern und auch außerhalb des Teams ist einfach höher. Ich habe grundsätzlich versucht, ein anderes Umfeld zu schaffen. Ich habe mit Teammanager Oliver Roggisch ein Gesicht nach vorne gestellt, der versteht, was die Mannschaft braucht und will. Wir haben der Mannschaft sozusagen alle Wünsche erfüllt. Jetzt ist es für uns wichtig zu sehen, wie die Leute sich verhalten. Machen sie die gleichen Fehler wie früher? Dann sind sie nicht gut genug, und man müsste den Wandel noch stärker forcieren. Oder sind sie unter anderen Gegebenheiten in der Lage, eine andere Leistung als früher abzurufen? Das will ich sehen, und ich werde auch keine Ausreden zulassen. Dagur weiß genau, was wir wollen.

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