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Handball-EM : Deutschland gibt sich noch einmal einen Ruck

Erfolg zum Abschluss in Wien: Torwart Johannes Bitter Bild: dpa

Nicht das Beste, sondern das Nötigste zum Schluss: Die Handballspieler besiegen Tschechien zum Ende der Hauptrunde. Nun geht es mit einem guten Gefühl auf die weite Reise nach Schweden – zum Spiel um Platz fünf bei der EM.

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          Nicht das Beste, sondern das Nötigste zum Schluss: Bei ihrer Abschiedsvorstellung in der Wiener Stadthalle wahrte das deutsche Handballteam im bedeutungslosen letzten Hauptrundenspiel gegen Tschechien zumindest die Form. Der 26:22-Sieg am Mittwochabend war das Ergebnis eines Spiels, das weitgehend im Schonprogramm bestritten wurde. Am Ende bedurfte es gegen den punktlosen Tabellenletzten der Hauptrundengruppe 1 dann aber doch noch einer etwas erhöhten Drehzahl, um nicht ernsthaft in Gefahr zu geraten. „Heute war es etwas mit Handbremse. Aber wir sind cool geblieben“, sagte Bundestrainer Christian Prokop im ZDF-Interview. „Am Ende zählt nur der Sieg.“

          Philipp Weber – „Mister Dynamite“, wie der Hallensprecher sagte – traf am häufigsten für die Mannschaft von Prokop, fünf Mal. Der Bundestrainer nutzte die Gelegenheit, um einigen seiner Akteure ein bisschen Ruhe zu gönnen, bevor es an diesem Donnerstagvormittag weitergeht nach Stockholm. Dort ist am Samstag (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM, bei One und sportschau.de) im Spiel um Platz fünf Portugal der Gegner, eines der Überraschungsteams dieser EM, das sich dieses Abschlussspiel durch ein 34:26 über Ungarn verdiente. Es wird ein ungewöhnliches Ambiente, schließlich wird die Endrunde komplett in der Tele2-Arena ausgetragen, einem (überdachten) Fußballstadion, dessen Kapazität um ein Drittel auf immer noch 22.000 Zuschauer reduziert wurde.

          Das skandinavische Handballfest, das sich die Organisatoren dort versprochen hatten, findet allerdings nur in verknappter Form statt. Nach dem Aus Schwedens, Dänemarks und Islands ist aus dem Norden einzig Norwegen dabei, das im Halbfinale am Freitag auf Kroatien trifft (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM), zudem spielt Titelverteidiger Spanien gegen Slowenien (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM). Für die Deutschen bedeutet es zugleich auch: raus aus der Primetime bei den öffentlich-rechtlichen Großprogrammen und hinein in den Spartenkanal One der ARD sowie in den Livestream bei sportschau.de.

          Prokop hatte die verbleibenden EM-Aufgaben umgewidmet zu den ersten Tests für die Olympia-Qualifikation. Bevor es vom 17. bis 19. April in Berlin um die Tickets für Tokio geht, kann der Bundestrainer nur noch einmal testen, am 13. März in Magdeburg gegen die Niederlande. Gegen Tschechien hielt sich die Experimentierlust zu Beginn noch in Grenzen. Nicht dabei warPatrick Wiencek wegen einer Knieblessur. Für ihn rückte Marian Michalczik zurück ins Aufgebot. Johannes Golla bildete mit Hendrik Pekeler den Innenblock, im Tor spielte wieder Johannes Bitter durch, der später abermals als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde.

          Außerdem wurde Tobias Reichmann mit echten Spielminuten belohnt. Zuletzt war er nur als Spezialist vom Siebenmeterpunkt gefragt gewesen. Diesmal war alles ein bisschen anders: Reichmann traf vier Mal aus dem Spiel, scheiterte aber mit zwei Siebenmetern am tschechischen Torwart – zuvor hatte er im Turnier bis auf einen alle seiner 18 Versuche verwandelt. Timo Kastening, der bislang auf Rechtsaußen geglänzt hatte, konnte sich das lange Zeit gemütlich von außen ansehen.

          Wobei die Deutschen in der ersten Hälfte auch im spannungsarmen Modus Spiel und Gegner kontrollierten. Nach rund 20 Minuten lag Prokops Team 10:6 vorn. Danach sah es zwar kurzzeitig so aus, als könnte es noch einmal eng werden, doch eine Zeitstrafe gegen Reichmann blieb ohne Folgen, und auch dank Bitter, der unter anderem einen Siebenmeter hielt, ging Deutschland mit einem 13:10 in die Pause. Inzwischen waren auch Marian Michalczik, David Schmidt und Patrick Zieker in Aktion.

          Zu Beginn der zweiten Hälfte unterschritt das deutsche Team dann zusehends die Mindestanforderungen, vor allem im Angriff. Die Tschechen gingen 14:13 in Führung (36.), danach blieb es eine ganze Weile ausgeglichen. Die Deutschen, in nunmehr stark wechselnden Besetzungen, gaben sich aber noch einmal einen Ruck – für den Sieg und das gute Gefühl. Er nehme „ein gutes Mannschaftsgefühl mit. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Lust auf Handball hat. Wir gehen in die richtige Richtung“, sagte Prokop.

          Handball-EM 2020

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