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Handball-EM ohne Strobel : Die „Spielmaus“ sagt ab

  • -Aktualisiert am

Martin Strobel kann nur zuschauen: „Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, die EM nicht zu spielen.“ Bild: dpa

Bundestrainer Prokop hat 28 Spieler in sein vorläufiges Aufgebot für die Handball-EM 2020 berufen, von denen letztlich 16 das Turnier bestreiten sollen. Schmerzlich fehlen wird der Spielmacher.

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          Für die Verantwortlichen beim Deutschen Handballbund (DHB) gilt es als unumstößliche Tatsache, dass die Nationalmannschaft bei der vergangenen Weltmeisterschaft mit Martin Strobel eine Medaille geholt hätte. Seine kluge Regie wäre im Halbfinale gegen Norwegen und im Spiel um Platz drei gegen Frankreich vermutlich hilfreich gewesen. Sehr willig, aber mit zu wenig Köpfchen verlor Bundestrainer Christian Prokops Team damals im Januar beide Spiele und wurde Vierter.

          Strobel hatte sich in der Hauptrunde gegen Kroatien schwer am linken Knie verletzt: Kreuz- und Innenbandriss. Nach neun Monaten Aufbauarbeit stand er am 20. Oktober erstmals wieder im Kader seines Klubs HBW Balingen-Weilstetten. Seitdem hat er Einsatzzeiten in der Bundesliga gehabt, was Prokop aufmerksam verfolgt hat – die Tür für die anstehende Europameisterschaft in Norwegen, Schweden und Österreich stand Strobel offen. Bis zu einem Gespräch zwischen Spieler und Bundestrainer am Dienstagmorgen.

          An diesem Donnerstag dann verkündete der DHB bei der Bekanntgabe der 28 Spieler im vorläufigen Aufgebot, dass Prokop auf seine „Spielmaus“ wird verzichten müssen. Der Impuls ging dabei von Strobel aus. Der 33 Jahre alte Handballprofi sagte: „Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, die EM nicht zu spielen. Obwohl ich wieder einige Spielminuten in der Bundesliga bestritten habe, fühle ich mich nicht in der Lage, ein solches Turnier mit dieser Belastung und auf diesem Niveau zu spielen. Hier steht meine Gesundheit im Vordergrund.“ Prokop sagte zu dieser Angelegenheit: „Die Klarheit, mit der Martin sein Potential einschätzt, sowie die Ehrlichkeit und Geradlinigkeit, mit denen er mir mitteilen musste, dass eine Nominierung für ihn doch zu früh komme, sind beispielhaft für ihn als Sportler und Mensch.“ Strobel behauptete noch: „Trotz einiger Ausfälle bin ich davon überzeugt, dass unsere Nationalmannschaft über eine geschlossene Mannschaftsleistung viel erreichen kann.“

          Ohne Strobel wird die Hauptlast im deutschen Angriff auf dem Berliner Fabian Wiede liegen. Er ist als Halbrechter kein gelernter Spielmacher. Von den Regisseuren im Kader, Marian Michalczik, Tim Kneule, Max Janke und Luca Witzke, gelten manche als Streichkandidaten. Gut möglich, dass Prokop bei der Spielsteuerung neben Linkshänder Wiede auf dessen Berliner Kollegen Paul Drux setzt. Der ist eigentlich im linken Rückraum zuhause.

          Nach wie vor ist die Mitte des Rückraums die neuralgische Position im deutschen Männerhandball. Den Engpass an zentraler Stelle haben die schweren Verletzungen Tim Sutons und Simons Ernsts noch verschärft. Suton hatte sich bei der WM nach Strobels Ausfall mit Wiede abgewechselt. Ernst gehörte zum Kader der deutschen Europameister von 2016. An anderer Stelle gibt es Entwarnung. Halblinks ist Julius Kühn nach seinem Knie-Schaden zurück; dazu ist – es geht um die andere Seite – Steffen Weinholds Schulter kuriert. Fabian Böhm und der formstarke Leipziger Franz Semper könnten die „back-ups“ für Kühn und Weinhold sein.

          18 Spieler wird Prokop in den Tagen vor Weihnachten für die am 2. Januar beginnende Vorbereitung nominieren, 16 werden für Deutschland in die Vorrunde gehen, wenn in Trondheim gegen die Niederlande, Spanien und Lettland gespielt wird. Keine Sorgen müssen sich die Kreisläufer Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Jannik Kohlbacher machen. Prokop hatte schon gesagt, dass alle drei dabei sein werden.

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          Andere prominente Profis müssen jedoch zittern. Torwart Silvio Heinevetter gilt wie Rechtsaußen Patrick Groetzki als Wackelkandidat. Matthias Musche vom SC Magdeburg steht ebenso wenig im Aufgebot der 28 Spieler wie Steffen Fäth. Angeführt von Kapitän Uwe Gensheimer, Torwart Andreas Wolff und dem erfahrenen Abwehr-Innenblock Pekeler/Wiencek hat Prokop eine Gruppe beisammen, die sich Hoffnungen machen kann, bei dem kontinentalen Turnier das Halbfinale zu erreichen: Erfahren, gut besetzt, mit ein paar Überraschungen im Team. Prokop sagte erfreut: „Wir haben auf vielen Positionen eine große Konkurrenz.“

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